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Reports
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Bemerkungen zur
Entwicklung Londons, März '96
Ich als Fernwehlondoner muss Deinen
Ausführungen natürlich einen Kommentar anfügen.
Deine Impressionen beweisen den Status,
welchen die Stadt seit einigen Jahren innehat und mit welchen Problemen
sie deswegen kämpft:
Das wichtigste Ereignis, welches der
Stadt London in den letzten Jahren wiederfahren ist, war sie Auflösung
des ehemaligen Stadtparlaments und der Regierung (GLC) durch M.Thatcher
und ihre Tory-Party 1986. Der GLC war sehr auf das Entgegenwirken auf
die sozialen Missstände und die Verslumung bedacht. Unter dessen
(Labor-)Regierung wuchsen Sozialwohnungs- und ÖV-Bau gewaltig. Bis vor
10 Jahren waren z.B. in der Innenstadt beinahe keine Privatautos zu
sehen. Die Strassen waren praktisch nur von Bussen und Taxis "bevölkert"
und als FussgängerIn fühlte man sich auch relativ sicher. Die
Underground wurde auch ausgebaut und laufend restauriert - auch auf die
Überwachung der Anlagen wurde grossen Wert gelegt. Somit entwickelte
sich London zu einer sozial sehr verträglich gewordenen Grossstadt -
trotz ihrer immensen Grösse.
Mitte der 80er Jahre jedoch fand ein
wirtschaftlicher Niedergang der nord- und mittelenglischen
Industriestädte aufgrund einer permanenten Tertialisierung statt.
Gewinnerin war der dienstleistungsorientierte und wirtschaftlich sehr
flexible Süden Englands - v.a. die Region London. Politisch war damals
der Staat wie bekannt in den Händen der konservativen
Thatcher-Regierung, welche sehr darauf erpicht war, die (grossen)
Wirtschaftskomplexe zu fördern - zum Leidwesen der Unterprivilegierten.
In dieser Zeit der grossen Wirtschaftlichkeit fürchtete die
Landesregierung, London mit seiner sozial-liberalen Führung würde
wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten, deshalb wurde diese
Stadtregierung von einem Tag auf den anderen abgesetzt ohne ein
Alternativprogramm zu starten. Mit anderen Worten: London hat seit 1986
KEINE Regierung mehr und untersteht direkt dem Ober- und Unterhaus.
Die Konsequenzen waren absehbar: Niemand
kümmerte sich mehr um den ÖV oder den Sozialwohnungsbau, da diese
Ressorts den Quartieren übergeben wurden, welche sowieso kein Geld
haben. Kriminalität und Verkehrschaos liessen die Leute aus der Stadt
ziehen. Diese Suburbanisierung führte natürlich zu einem grösseren
Verkehrsaufkommen in und aus der Stadt - und der Teufelskreis schliesst
sich!
Anfang der 90er Jahre hat sich die
wirtschaftliche Situation in England genau um 180° gedreht: Kaum hat man
sich in London für Hochkonjunktur gerüstet (man denke an den Ausbau und
die Umgestaltungspläne der Docklands oder von Kings Cross), haben die
Nordenglischen Städte ihre Krise überwunden. Diese alten
sanierungsbedürftigen Erz- und Kohlestädte haben eine Umstrukturierung
erfahren, welche seinesgleichen höchstens im Ruhrgebiet findet - und das
innert weniger Jahre. Das Ballungsgebiet Newcastle - bis vor 10 Jahren
eine der rückständigsten und verslumtesten Regionen Nordeuropas ist
heute das absolute Banken und Versicherungszentrum mit einer topmodernen
Infrastruktur. Glasgow übertrifft heute durch die Investitionen im
Informatikbereich (Silicon Glenn) den Reichtum Edinburghs bei weitem und
die ehemals halbverfallenen und vom Smog zerfressenen Fassaden der
Innenstadt sind zu 90% renoviert.
Handumkehrt hat der Süden Englands hohe
Prozentteile des Bruttoinlandproduktes verloren und ist ins
Hintertreffen geraten. Die höchste Arbeitslosigkeit findet man nicht
mehr im Black County sondern an der Südküste und in London.
Mehr und mehr bildet sich auch in
England landesweit eine Zweiklassengesellschaft - weitaus extremer als
man es in Mitteleuropa befürchtet. Aus neuster Quelle (ein Liverpooler
Student wohnte eine Woche bei uns) habe ich erfahren, dass es beinahe
unmöglich sei, mit einem niederen oder sogar mittleren Einkommen eine
zentralgeheizte Wohnung zu bekommen!!!! Staatliche Wohn- und Bürohäuser
werden in einem solchen Masse vernachlässigt, dass die Situation für
BenutzerInnen katastrophal wird. Diese Situation ist in London beinahe
am extremsten ausgeprägt, da dort die Mietpreise sowieso schon
unerschwinglich sind - v.a. für NeuzuzügerInnen.
Diese Situation hat auch dazu geführt,
dass der Anteil an Tory-WählerInnen in den letzten Jahren v.a. in London
sank - man erhofft sich von den Labor-Abgeordneten eine Wende zu
sozialeren Verhältnissen, wie sie in den Sechzigern herrschte. - Man
kann nur hoffen...
Trotzdem gibt es auch einige Vorteile
Londons anzuführen:
Du wahrst natürlich fast ausschliesslich
in der City of London und Westminster - Borroghs in welchen beinahe
niemand wohnt, aber dafür Arbeitsplätze für Hunderttausende bieten. Hier
läuft das geschäftige und kulturelle Leben ab. Aber der grösste Teil der
Stadt besteht aus immensen (im ersten Augenblick) öd und trostlos
scheinenden Wohnquartieren. Doch die englische Stadtplanung ist der
unseren (meiner Ansicht nach) weit überlegen. Das Konzept ist einfach:
Allen ihr eigenes Reihenhaus mit 2 Stockwerken, mit Vor- und
Hintergarten, platzsparend entland von Quartierstrassen, meistens in
einem Geviert angelegt. Eigentlich ist so allem Genüge getan und die
Städte wuchern nicht so wie bei uns (scheinbar) ziellos in die
Landschaft hinein und grosse Grünflächen dienen als Naherholungsraum und
Naturparks.
In den 20er und 40er Jahren hat man
bereits auf Suburbanisierungstendenzen Rücksicht genommen und den sog.
Metropolitan Green Belt in 12-20 Meilen Abstand zum Londoner Zentrum
angelegt. In diese Zone hinein dürfen seither keine grossen Industrie-
oder Wohnareale gebaut werden. Als Ausgleich hat man einige New Towns
gegründet - Ausleger der Stadt konzipiert für eine Bevölkerung von je
bis 50'000 Menschen (entspricht etwa der Agglomeration Schaffhausens
oder Locarnos!). Diese sollten - von London unabhängige - Arbeitsplätze
schaffen und ein breites Angebot an Unterhaltung und Versorgung bieten.
Das Konzept hat nicht überall funktioniert, jedoch sicher einiges an der
Entlastung der Stadt beigetragen.
Das grösste Problem (wieder eines...)
bleibt jedoch der Verkehr. Vor einigen Jahren hat British Rail
privatisiert mit dem Ergebnis, dass der Landesteil über eine eigene
"Bahnfirma" verfügt. Die Zusammen arbeit ist so mies, dass eine
Transitreise durch London beinahe unmöglich ist: (selber erlebt)
Wir wollten zum Beispiel im letzten Juni
von L. nach Canterbury und erkundigten uns in der Paddington Station
nach Fahrplan und -Preis. Da wurden wir zuerst nach Victoria (am andern
Ende der City!!) geschickt, da hier eine andere Firma zuständig sei.
Dort angekommen wendeten wir uns mit unserem Anliegen an einen Beamten
am Schalter - dieser wies uns an einen weiteren Schalter am anderen Ende
des Bahnhofs, da es sich um eine Linie handle, für die er nicht
zuständig sei! Kein Wunder hat der Modal Splitting (ÖV%) drastisch
abgenommen. Fazit: die Bahn- und Busbetriebe sind eine Zumutung und der
Individualverkehr staut sich stundenlang auf den Autobahnen und
Strassenschluchten - also ebenfalls unzumutbare Verhältnisse.
London schaut also einer traurigen
Zukunft entgegen. Doch vergessen wir nicht das grosse kulturelle
Angebot, die wunderbaren Parkanlagen, die alten Monumente, die
geselligen Märkte, die soziale Einstellung (es würde niemandem in den
Sinn kommen, Privathäuser zu besprayen oder zu beschädigen), die
Freundlichkeit der Leute (erinnere Dich an die Punks mit ihrem stillen
Protest und die einem weiterhelfenden Businessleute) und nicht zuletzt
das unglaubliche Angebot in den Läden (auch wenn sie keinen SPAM
bieten...), welches einem zu richtigen KonsumEnten stempelt!
So muss doch gesagt werden: London's
calling - und wir folgen gerne Deinem Ruf!
Inhaltsverzeichnis |
Very Well Not Played
- Bologna, Juni '96
1.TEIL: "Von Reise, -wetter und
kulinarischen Tiefflügen"
Die Hinreise führte uns unweigerlich
über den Gotthard. Die Emilsche Story vom Chileli vo Wasen erfuhr einen
neuen Höhepunkt, als wir 2 Deutschschweizer einem Rudel Pakistani
erklären mussten, weshalb man dieses Bauwerk dreimal bewundern kann...
Vom Haupttunnel habe (nicht nur ich) überhaupt nichts mitbekommen -
plötzlich fanden wir uns in der Leventina wieder! Das Clichee der
Wetterscheide hat sich einmal mehr nicht bewahrheitet und ein trübgrauer
Himmel begleitete uns bis beinahe nach Bologna. Dasselbe Naturphänomen
konnten wir auf der Rückreise beobachten - nur von heftigen Regengüssen
und Kälte begleitet. An und für sich hatten wir aber in Bologna
Wetter"glück", was sich als fortuna relativa erweist, wenn man bei 32°
im Schatten 5h an der Sonne auf einem Spielfeld herumzustehen hat...
-
Bemerkung: Esst nie in Italienischen
Speisewagen!
-
Begründung: Ihr bekommt nur ein 45.-
Menü an 6 Gängen ausser man hat gute Nerven und eine grosse
italienische Spracherfahrung - dann gibt's vielleicht nur die ersten
2 Gänge. Übrige Bestellungen, auch wenn sie auf der Karte stehen,
werden unter irgend einem Vorwand nicht entgegengenommen (->
Cleese'sches Cheese-Shop-Syndrom).
Das Hotel in "Bologna" lag 15km vom
Stadtzentrum entfernt mit letzter Busverbindung um 20:00, besass eine
schöne Aussicht (oder Aushorcht?) auf die internationale Bahnverbindung
nach Rom (Distanz Hotelzimmer-Bahnlinie 80m!), einen Swimmingpool mit
Rutschbahn und Disco bis Morgens um 3:00 - natürlich nur dann, wenn am
nächsten Morgen um 9:00 ein Match stattfand und wir Schlaf benötigten...
Das Abendessen bestand immer aus Pasta, falsch definiertem Fleisch und
kein Salat oder Gemüse - natürlich nicht synchron. Vegetabile waren da
noch mehr am verhungern als Carnivore. Das Frühstücksbuffet sah
fantastisch aus - leider war es nicht für uns bestimmt: eine Tasse
kalter Kaffee und ein Brötchen vom letzten Abendessen mussten für den
Morgen reichen. Das Beste aber war das Mittagessen auf dem Spielfeld:
das Hotel liess uns je ein Sandwich schicken, das Brot war jedoch
bereits 2 Tage alt und die Ingredienzien waren undefinierbar, falls man
sie per Zufall fand - es lebe die italienische Gastronomie!!
-
Bemerkung: Habt Geduld Leute!
Schnecken werden hier nicht serviert - sie servieren selbst!
-
Begründung: Bei oben genannten
kulinarischen Höhenflügen war es unumgänglich, bei jeder Gelegenheit
in die Stadt zu fahren, um sich zu ernähren. Leider war auch hier
das Bier 6.- teuer und der Kaffee kostet ebenfalls über 4.- aber
dafür war man mal weg vom Geschütz. Die italienischen Garçons müssen
jedoch einen speziellen Kursus besuchen indem sie geschult werden,
statistisch zu erfassen, was ein hungriger Gast alles an Zeit über
sich ergehen lässt, bevor er zur Blumvase greift, den Inhalt
verzehrt und besagtes Gefäss dem Ober um den Grind tänglet! - der
zweite Kurs ist selbstverständlich ein Verteidigungs- und
Reaktionslehrgang.
2.TEIL
Da auf meine Anfrage nach dem Bedürfnis
zur Kenntnis der Cricketregeln ein solcher Ansturm Eurerseits folgte,
dass die Mails sich anscheinend gegenseitig blockierten und gar nicht zu
mir durchdrangen, folg einleitend das Versprochene Sonderkapitel
2.1 "The Laws of Cricket and how to
abuse them"
Um das Sport Cricket besser zu
verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass die Spieler gar nicht
als Sportler bezeichnen und Cricket mehr eine Lebenseinstellung denn ein
Mannschaftssport ist (was auch die poetische Sprache der Timesreporter
bei Reportagen beweist). Z.B. wurde in den letzten Jahren nie ein Fan
bei Auseinandersetzungen verletzt (nicht, dass es keine Zuschauer geben
würde) - dafür ist die Verletzungsgefahr bei den Spielern so hoch, dass
bereits diskutiert wird, Liveübertragungen von Meisterschaftsspielen
künftig zu unterlassen, da sie nach englischem Recht in das Ressort
Brutalo fallen würden.
Bei unserem Turnier wurde ein Schwede so
fest von einem Ball an der Schläfe getroffen, dass er nicht einmal mehr
wusste, welchen Wein er am Vorabend getrunken hatte - und der musste ins
(nahegelegene) Spital gebracht werden. Ein Italiener brach sich das Bein
bei einem Rennen um die Wurst und zahlreiche Spieler mussten ambulant
behandelt werden (diesen Service liess ich mir natürlich auch nicht
entgehen). Dabei sieht das Spiel für einen Laien zum hm kotzen
langweilig aus: Es stehen Leute rum und brüllen wenn nichts passiert.
Falls ein sogenannter "Batsman" von der gegnerischen Mannschaft
rausgeworfen wurde, wird ihm gratuliert um danach dem Bowler, welcher
für das Spektakel verantwortlich war zu gratulieren, indem man sich in
einem Haufen auf ihn stürzt - aber ich glaube 76% von Euch Buggers ist
bereits auf der Strecke geblieben, deshalb zurück zu den Regeln:
+++++++++++++++++++++++
+
+ Das ist in etwa
das Spielfeld ca. 100*100m
+
+
+
+
+
§
+ # das sind
die Wickets wo die Batsman mit dem Schläger stehen
+
**********
+ Ein Wicket
besteht aus 3 Stöcken (ja genau!)
+
#
<->
#
+
+
**********
+
+
+ Zwischen den
Wickets wird nach dem Abschlagen des Balles um Punkte gerannt (=1 Run)
+
+ ein guter Run wird
vom Publikum mit "good running" quittiert
+
+
+++++++++++++++++++++++
Und jetzt ganz einfach:
-
10 Leute der einen Mannschaft steht
verstreut im Feld und muss Bälle fangen
-
1 Bowler (§) ebendieser Mannschaft
wirft den Ball ans andere Ende des *****, dem Batsman der
gegnerischen Mannschaft entgegen (beim #)
-
Dieser schlägt den Ball möglichst
weit dem Boden entlang weg und rennt los der andere Batsman am
gegenüberliegenden Ende rennt ihm entgegen (Abstand beim Kreuzen
miteinberechnen!) -> Good Running!!
-
Wehrt der Batsman den Ball mit dem
hintern Bein ab, ertönt ein fürchterliches Alouattageheul der
Gegenmannschaft, so etwas wie Aouuooaa!! Dies ist eine Frage an den
Umpire (Schiedsrichter) und bedeutet "How was that?"- Der
angesprochen schüttelt den Kopf oder zeigt ihnen den Dreckfinger.
Geschieht letzteres, geht das Geheul von vorne los und der Batsman
muss raus, da er einen Fehler gemacht hat. Entsprechend wird er
ausgewechselt, falls das Wicket getroffen oder ein Ball aus der Luft
gefangen wird.
-
Falls der Ball rollt, versuchen ihn
die "Fielder" zu fangen und zurückzuwerfen um so die Runs zu stoppen
-> "Well done!" (oder auf Urdu: Shabash!! ≠ Habasch!!!). Wird der
Ball nicht gestoppt und rollt aus dem Feld, gibt dies 4 Runs. Fliegt
er direkt über das Spielfeld hinaus, erhält die Mannschaft der
Batsmen 6 Runs. Trifft er dabei noch einen Zuschauer der
gegnerischen Mannschaft gibt es ein Gejohle - wird jedoch der eigene
Captain erschlagen, muss der Schuldige mit einer Gefängnisstrafe von
bis zu 2598 Overs rechnen...
-
Nach sechs geworfenen Bällen wird
vom anderen Wicket her geworfen, das nennt man "Over"
-
Sind (in unserem Falle) 40 Overs
(=240) Bälle geworfen oder alle Batsman wurden wegen Fehlern
ausgetauscht, wechseln die Mannschaften die Positionen: nun batten
die einen und fielden die anderen. Das dauert so um die 4-5h.
WICHTIG: Nach 20 Overs gibt es eine
Teepause und beim Wechsel schreitet man zum Lunch - das ist offiziell!!
Noch Fragen?
Wieso: "How to abuse them"?
Die Organisation in Bologna war derart
mies und subjektiv, dass wir leider keine Chance hatten zu gewinnen.
Beweis:
§1: Nur der Schiedsrichter kann
entscheiden, ob ein Batsman "out" ist oder nicht -> bei uns gab's im
Halbfinal 3 Fehlentscheide, welche sogar von der Gegenmannschaft
bemerkt wurden.
§2: Die Spiele wurden einfach
umgeschoben, nachdem klar war, wer im Halbfinal stand -> Das
Halbfinal unserer Mannschaft wurde auf 12h nach unserem letzten
Spiel verlegt, während unsere Gegner 1.5 Tage Ruhepause hatten. Da
diese (Berlin) als schwächer eingestuft wurden, hätte die
Heimmannschaft im Final viel grössere Chancen. Begründung des OKs:
die Italiener müssen halt arbeiten....!
§3: Im anderen Halbfinal standen 2
italienische Mannschaften. Diese sollten nun sogar nicht einmal
gegeneinander spielen, sodass mit grösster Wahrscheinlichkeit ein
Italen-Italen-Final zustande kommt. Dieser Schritt konnte
glücklicherweise noch verhindert werden.
§4: Ich weiss nicht was die Italiener
zu essen bekamen, aber nach unserem Food zu schliessen: Spaghetti
Bolognese, Salatteller und Pizza gigante!!
2.2 "Wie man als Gastgeberland
Euro-Champion wird"
Beim Studium des letzten Kapitels ist
diese Frage wohl eindeutig geklärt: Cesena bezwang Berlin in 3h
spielend.
Anmerkung: Im Entscheidungsspiel für den
Halbfinal siegten wir über die "Champions" mit 252 zu 248 Runs!!
Auf die mental-gesellschaftliche
Atmosphäre und den social behaviour warf diese Diskrepanz zwischen
Spielfreude und Unfairness dementsprechend ihren dunklen Schatten: Es
kam zu schweren Depressionen, gegenseitigem Ausgrenzen infolge
Schuldzuweisung und Ehekrach. Zum Glück konnte man auf Dr.med.psych.soz.
M.D.Roth zählen, der sich natürlich nach der Behandlung der
Seelenschmerzen selbst in Therapie begeben musste - an der Hotelbar...
Wer es noch interessiert: 10
Mannschaften waren für den Championship angemeldet (2 aus Italien, je
eine aus D, F, L, B, E, CH, S, DK), 4 wurden zum Vornherein
disqualifiziert, da sie die Bedingungen nicht erfüllten oder den Beitrag
nicht gezahlt haben und die Franzosen verschwanden auf noch ungeklärte
Weise auf dem Weg nach Bologna. So kann sich Cesena sicher stolz als
Meister bezeichnen, wenn es noch soviel Beschiss geben musste um aus 5
Mannschaften zur besten gekürt zu werden...
3.TEIL: "Wein, Weib und Gesang"
Ja, ja da habt Ihr ja lange in
Unkenntnis ausharren müssen bis nun endlich der langersehnte 3.Teil der
Saga Bolognesa Licht in die Dunkelheit der öffentlichen Sphäre bringt.
Aber ohne viel Umschweife durch Verweilen in dieser für manchen Leser
wohl überflüssigen Einleitung möchte ich nun ad ibso zum nucleus reis
vordringen und damit dem Ruf der Verzweiflung der in ingnorans res
publica interessens lebenden Koliteraten zu folgen und meine Historie
einem Ende entgegenzubringen, ohne letzteres blindlings Fortuna in die
Hände spielen zu wollen. - Jetzt reichts! Hier kommt die Fortsetzung:
Was wäre eine Reise in den sonnigen
Süden ohne diesen auch in vollen Zügen geniessen zu können. So
verwundert es wahrscheinlich wenig, dass die Lage des Hotels sowie der
Cricketground je über eine halbe Stunde per (spärlich fahrendem) Bus vom
Zentrum des Sozialen und ökonomischen Zentrums der Regio Emilia Romagna
entfernt, kaum auf allgemeine Heiterkeit stiess. Da die
Cricketmannschaften ihrem Namen zu 97% auch noch gerecht wurden und
diese die einzigen Gäste des Hotels bildeten (wen wundert's!?) fand man
sich plötzlich in militärisch maskulin geprägter Umgebung wieder, was
dazu führte, dass einige Teamkollegen in tiefe Depressionen verfielen -
diese unterstützten sich zirkular kumulativ zusätzlich durch die
Ereignisse wie im 2.Teil des Berichtes erläutert.
Was den Wein betrifft, so kann man
einmal nicht klagen, denn dieser wurde wenigstens dem Herkunftsland
gerecht. Auch Spirituosen konnten zu relativ humanen Preisen an der
Hotelbar genossen werden. Man sollte einfach nicht auf die Idee kommen,
seinen Frust in Bier zu ertränken, denn die Preise wurden anscheinend zu
Ehren der Schwedischen Mannschaft ihren heimischen Preisen angepasst...
Der Gesang glich alles in allem dem
Lament of the Q-Divison, nachdem unsere Qualifikation fürs Finale ins
Wasser gefallen war. Da liess man sich dann doch lieber mit einer
alkoholisierten Birne in der Disco von DJ besingen - bis zum bitteren
Ende.
-
Bemerkung: 6h Sonne auf den Kopf +
5, 6 Biere in der Birn + Disco bis Morgens um 3 können creosolesche
Effekte auslösen (ich habe gerade noch Glück gehabt).
-
Begründung: siehe Bemerkung!
-
Bemerkung: Black Russian top,
Panaschee flop
-
Begründung: Der Barkeeper im Hotel
verstand unter ersterem das selbe wie wir (welch Wunder!), unter
zweiterem eine Stange mit Zitronenschnitz!
3.1 Zur Stadt Bologna:
Ich gehörte zu den Glücklichen und
konnte deshalb ein paar Mal die Stadt besuchen ohne ein schlechtes
Gewissen zu haben - die Profis machen das schon richtig! So machte ich
mich (nachdem mich der Shuttlebusfahrer unter keinen Umständen in die
Stadt fahren wollte) mit meinen nicht vorhandenen
Italienischkenntnissen, einem Fotoapparat und einigen Lira mit dem Bus
auf den Weg in die Stadt. Auf Anhieb fand ich auch schon die Forresteria
Erasmus in der Via Guerrezi und nach einigem Herumfragen auch Stella,
meinen City Guide - weshalb auch allein und unter schwierigen Umständen
die Sehenswürdigkeiten suchen, wenn man eine alte finnische Freundin
dafür engagieren kann!
Stella studiert seit 10 Monaten in
Bologna, kennt einige Pubs, Sehenswürdigkeiten und Leute und konnte mir
deshalb auch einiges zeigen. Mein so erlangtes Wissen konnte ich
meinerseits wiederum dazu verwenden, meine Teamkollegen durch die Stadt
zu führen. In diversen Pubs versuchte ich auch die Besitzer zu
überreden, statt nur immer die langweiligen Fussballbilder besser oder
zusätzlich eine heimische Cricketmannschaft aufzuhängen (nicht wörtlich
- also bitte!!). Dieser Vorschlag kam jedoch nicht sehr gut an, komisch!
So nun aber zur Stadt: Berühmt ist sie
v.a. durch ihre Universität (die erste der Welt), der grössten und
besterhaltensten Altstadt Europas und ihren Adelstürmen. Das Wahrzeichen
und gleichzeitig der Mittelpunkt der Altstadt bilden 2 schiefe Türme:
der eine ist 94m hoch und hängt 2.6m über, der zweite ist 46m hoch bei
einer Schiefe von 4.5m (und da will noch jemand nach Pisa!). Den höheren
Turm kann man besteigen (1100 Treppenstufen), Stella riet mir jedoch
davon ab, nicht nur weil dies den Studierenden Unglück bringt, sondern
auch um einen Herzkollaps zu vermeiden (nehme ich an). Die Stadt hat
noch eine weitere Spezialität aufzuweisen: einen fürchterlichen Smog und
Autoverkehr - und damit zum nächsten Abschnitt:
3.2 Die Einwohner:
Drei Dinge kennzeichnen die
Einheimischen:
Das Verhältnis zum Auto lässt sich mit
demjenigen der Norweger vergleichen: schnelles und aggressives Fahren
charakterisieren den Italo gleich wie das Laufen lassen des Motors
während des Einkaufs, dem Restaurantbesuch, dem Schlafen und sogar des
Fahrens.
Ich hatte immer schreckliche Vorurteile
gegen Finnen, die nicht ohne ihr Mobile Phone auskommen - ich
entschuldige mich in aller Höflichkeit bei diesem Volk, denn ich war
noch nie in Italien! Wo bei uns an den Wänden Werbung für Waschmittel
und Zigaretten hängen, zieren die Italiener diese mit Natelreklamen
(dasselbe gilt für Fernseh- und Radiowerbung). Auf dem Cricketground
herrscht während eines Spiels ein fröhliches Piepskonzert und einige
Angefressene tragen sogar 2 oder 3 dieser Attribute mit sich rum. Wer
dies nicht glauben mag, soll eine ex-ante Evaluation auf eigene Faust
durchführen!
Die Beziehung zur Umwelt unserer
südlichen Nachbarn ist sogar im Norden des Landes so katastrophal, dass
sich jeglicher Kommentar erübrigt (siehe auch Punkt 1).
Bei eventuellen weiteren Fragen wende
man sich an den Alpine Cricket Club Zurich oder direkt an den
Präsidenten Richard Thomas, Gemeindestrasse 19.
Ich danke für die Aufmerksamkeit
Inhaltsverzeichnis |
Boston, Sept. 96
Nun bin ich endgültig wieder zurück aus
dem Land der beschränkten Gemüter (oder wie heisst das schon wieder?).
Bis jetzt hatte ich keine Zeit, Eure Mails genauer anzuschauen und zu
kommentieren, vor allem nicht die romanhaften... (immerhin waren es
etwas 30 in einer Woche und kaum ist man zurück, wollen natürlich alle
Institypen etwas von einem!!), werde dies jedoch im Laufe der Woche
nachholen.
Boston ist tatsächlich einen Besuch
wert, eine Woche war da gerade recht knapp. Die Stadt ist eine der
ältesten und grössten des Landes und gilt als die Wiege der
Amerikanischen Freiheitsbewegung (Boston Massacre, Tea Party etc). Dies
lässt sich nicht nur aus den Touristenattraktionen und Museen ableiten,
sondern wird auch anhand der unterschiedlichen Quartiere und Vororten
sichtbar:
Cambridge ist Sitz der ältesten
Universität (Harvard, seit 1636). Ein Viertel der Einwohner sind dort
Studierende (25000), das heisst der Rest der Bevölkerung muss sich um
das Wohlbefinden derer kümmern... Der Harvard-Campus besitzt zahlreiche
Buch- und CD-Läden, so ist es nicht verwunderlich, dass Jenny und ich
innert weniger Tagen 84! CDs und einige Dutzend Bücher gekauft haben
(wir werden uns in den nächsten Monaten nur noch von Wasser und Brot
ernähren können!). Tg ist noch ärmer dran: den ganzen Tag hindurch hat
er im Museum gearbeitet und Abends alle Läden abgeklappert, dergestalt
dass er nun vor einem riesigen (wörtlich) Transportproblem steht... Aber
Cambridge hat noch anderes zu bieten: auf den Strassen herrscht ein
extrem reges Treiben. Strassesmusikanten überall und die Studenten
machen momentan eine Punk- und Hippiephase durch, was sich auch anhand
der Ware niederschlägt, welche in den Läden erhältlich ist. Vor der
Universität steht übrigens eine grosse Statue:
John Harvard
Founder of the University
1634
Erstens: Das Datum ist falsch, zweitens:
dies war nicht der Gründer und Drittens bildet die Statue nicht einmal
John Harvard ab!! Soviel zur renommiertesten Universität Amerikas!
Boston Downtown unterscheidet sich nur
unwesentlich von anderen amerikanischen Stadtzentren und besteht
dementsprechend aus zwei Dutzend Bürohochhäusern. Trotzdem findet man
auch dort noch Relikt aus alter Zeit, wie der Markt (ähnlich Covent
Garden, London), das Ratshaus und einige Kirchen und Wohnhäuser, die die
Modernisierung vor allem deshalb überstanden, weil sie in irgend einem
Zusammenhang mit der Unabhängigkeitsbewegung zu tun haben (dort hatten
sie sich zur Boston Tea Party verabredet, jenes war das Wohnhaus eines
grossen Helden etc.).
Das Nordende der Halbinsel, die das
Zentrum bildet, liegt ein altes Quartier, das vor allem anscheinend von
Italienern bewohnt ist. Trotzdem ist der Stil der Gebäude deutlich
Angloamerikanisch (Irisch?) geprägt: 3-4-stoeckige Wohnhäuser mit einem
Laden im Erdgeschoss, ähnlich wie man sie aus den alten amerikanischen
Grossstadtfilmen kennt.
Das wohl schönste Viertel ist jedoch das
an die Downtown angrenzende Beacon Hill: Ein altes, ruhiges Wohnquartier
wie aus dem letzten Jahrhundert mit Gaslaternen (echten!) und alten,
efeuüberwachsenen Backsteinhäusern mit schmiedeisernen Balkonen und
Treppenaufgängen. Wenn nicht die ewigen parkierten Autos wären, könnte
man auf den Gedanken kommen, Sherlock Holmes wurde in einer Kutsche um
die Ecke biegen...
Die Gegend um die Newburystreet, Back
Bay genannt, entstand (wie der grösste Teil der Stadt) im 19.
Jahrhundert durch Landgewinnung aus dem Meer und den Flüssen und kann
mit der Zürcher Bahnhofstrasse verglichen werden: die teuren Boutiken
und exklusiven Restaurants sind wohl eher für die Oberschicht gedacht.
Trotzdem findet man gerade am Westende noch einige billigere Comic- und
CD-Läden, sowie Antiquariate. Dieses Quartier, welches zum grössten Teil
aus Reihen von viergeschossigen Backsteinhäusern aus dem letzten
Jahrhundert und einigen Protzbauten a la Metropolis aus den 20ern
besteht, wird von den zwei höchsten Wolkenkratzern der Stadt dominiert,
beide um die 60 Stockwerke. Der eine ist besonders attraktiv, da er aus
zehntausenden blauer Glasscheiben besteht, in denen sich die ganze Stadt
spiegelt, egal wo man steht und vom Hauptplatz aus gesehen wirkt er wie
ein riesiger (zweidimensionaler) Spiegel. Am letzten Abend haben wir es
nicht nehmen lassen, vom obersten Stockwerk aus den Sonnenuntergang zu
geniessen (wenn sich schon einmal die Sonne zeigt: New England trägt
seinen Namen gerechterweise!!).
Unfreiwilligerweise haben wir noch das
Quartier um die Spitäler begutachtet, denn, nachdem wir vergeblich
versucht hatten, unser Hotelzimmer in Cambridge für weitere 2 Nächte zu
buchen und alles voll war, blieb uns nur noch der Umzug, was auch nicht
gerade ein leichtes Unterfangen ist, denn Boston ist an den Wochenenden
stets voller Touristen und billige Hotels existieren schlichtweg nicht
(Für die Amis selber ist Boston das teuerste Pflaster, na ja viele waren
noch nie in Europa oder besser gesagt, unsere Lebenshaltungskosten sind
für sie unvorstellbar und für viele unerschwinglich). Nun, unser neues
Hotel war in einem Quartier, wo man 2km laufen musste um an einen Laden
oder ein Restaurant zu gelangen - mitten in einem Techno-Industrie
(ETH?) und Spital-Komplex.
Zu Boston selber: Die Stadt hat etwa
550'000 Einwohner, die Agglomeration jedoch etwa 4.5 Mio.!, denn wie die
meisten amerikanischen Städte ist der Kern relativ klein und besteht aus
Bürogebäuden, Industrie und teuren Wohngegenden. Die Leute selber leben
in den Suburbs: Mehr oder weniger alte Einfamilienholzhäuser ohne
Fundament säumen die Strassen ohne je ein Ende zu nehmen. Leitungen
werden alle oberirdisch auf alten Telegraphenmasten geführt und als
Ortszentrum dient oft nur ein Supermarkt mit einem riesigen Parkplatz
davor. Wohnhochhäuser sind eher selten und dienen höchstens
Studentenunterkünften oder sonstigen Sozialwohnungen. Die Leute pendeln
fast alle mit dem Auto zur Arbeit in die Innenstadt, obwohl das U-Bahn-
und Bussystem gut ausgebaut ist und die Strassen von Boston landesweit
für ihre stetige Überlastung und Ampelkreuzungen berüchtigt sind. Leute,
welche den ÖV benutzen oder auch Taxidriver können, nach unseren
Erfahrungen auch nicht verstehen, wieso die Pendler dies alles auf sich
nehmen, nur des Statussymbols willen. Die autoungerechte Stadt entstand
aufgrund ihrer Geschichte:
Am Anfang, um 1600 befand sich Boston
auf einer Halbinsel, welche nur durch eine schmale Landzunge mit dem
Festland verbunden war (heute Washington Street) und bestand aus dicht
beieinander liegenden Holz- und Steinhäusern. Erst im 18. und 19.Jh
wurde die Stadt erweitert, indem man vor allem Hafenanlagen ins Meer
baute (zur Zeit der Unabhängigkeit um 1776 war Boston der
drittwichtigste Hafen des Englischen Reiches!) und auf dem neugewonnenen
Land auf dem Fluss zu Cambridge Wohnquartiere errichtete (Back Bay). Das
letzte grosse Unternehmen war der Flughafen: dafür wurde extra eine
vorgelagerte Insel um zig Quadratkilometer erweitert. Heute erstreckt
sich die Stadt Boston zu 60% auf neugewonnenem Land. 1894 wurde die
erste U-Bahn Amerikas in Boston errichtet, das Auto war noch nicht
serienreif und deswegen wurde auch keine Rücksicht auf den Strassenbau
genommen als die Stadt sehr schnell aus dem Meer gestampft wurde. Erst
in den 60er Jahren konstruierte man einige Umwahrungs- und
Zubringerautobahnen, die relativ engen Strassen der Stadt waren jedoch
dem Zufluss der Massen nicht mehr gewachsen und viele Quartiere wurden
Opfer von Abrissaktionen für die Erstellung riesiger Parkhäuser, aber
den Amis ist das Auto lieb und teuer und auch in einem Gewirr von
Einbahnstrassen und komplizierten Kreuzungen ist es anscheinend doch die
Mühe wert, direkt vor dem Büro parkieren zu können... Na ja, ich finde,
in verglichen mit Rom oder Bologna haben's die Amis noch gut in dieser
Hinsicht.
Die Bostonians sind ja eigentlich für
ihre Prüdheit und ihren puritanischen Konservativismus berüchtigt in
Amerika, dazu muss aber gesagt werden, dass die Leute sehr zuvorkommend
und hilfsbereit sind (einige wenigstens). Es gibt aber auch Ausnahmen:
Hotelpersonal (nicht hilfsbereit, unfreundlich und will Morgens um 8:00
Zimmerreinigung vornehmen!! und Taxiunternehmen (nicht die Fahrer!), da
man bis zu einer Stunde warten muss, bis mal das bestellte Fahrzeug
anrückt, auch wenn es nur einen Weg von wenigen 100 Metern hätte machen
sollen! Zuverlässig ist jedoch der Wetterbericht (es stimmt IMMER das
Gegenteil von dem, was gesagt wird - Jenny hat dies auch schon vorher
über Wochen verfolgt, die Empirie ist erschlagend!).
Die Amis sind übrigens ganz
kunstverrückt unter besonderer Berücksichtigung von Monet und anderen
Tüpfchenscheissern: In allen Hotels hangen mindestens zu 40% Seerosen
oder Mohnfelder an den Wänden; um ins Museum of Fine Arts zu gelangen,
muss man eine halbe bis eine ganze Stunde anstehen und die
Kunstabteilung der Bücherläden ist grösser als alles andere und zu 60%
den Impressionisten gewidmet. In den Geschäften wird man überall mit
Mozart und Bach berieselt - mit Ausnahme der Spielwarengeschäfte, wo man
länger als 10 Minuten kitschigstem Disneykindergesang ohne Schaden zu
erleiden nicht ausgesetzt sein kann (Die Angestellten kommen nach 5
Jahren in den Genuss der Frühpension und erhalten psychiatrische
Unterstützung). Aber länger möchte man dort auch nicht verweilen: Alles
fürs Kind muss folgenden Regeln gerecht werden: Plastik, knallbunt,
batteriebetrieben, neuste Fernsehhits, nicht für über 10 Jahre geeignet.
In diesem Land aufzuwachsen muss der blanke Horror sein, denn auch das
Fernsehen ist nur von kitschigen werbeunterbrochenen Familienserien,
oberflächlichen (meist unwahren, zensurierten!) Nachrichtensendungen und
fürchterlichen Shows erfüllt, dass man mit Schweine-, äh Schreinemakers
und anderen Kotzbrocken auf unseren Privatsendern noch zufrieden sein
kann! Dies steht im amerikanischen Way of Life im krassen Gegensatz zu
dem oben beschriebenen Kunstverständnis: Entweder so oder so - etwas
anderes gibt's nicht! Das ist vielleicht auch der Grund für dieses zu
erkennende Punk-Revival(??!).
In mehreren Läden waren wir auf
SPAM-Jagd, haben aber schlussendlich bloss 5 grosse Büchsen gekauft, das
reicht wohl bis im Oktober! In einem Geschäft wurde ich gefragt, ob ich
denn bei der Army sei, wenn alles was ich zur Kasse bringe bloss SPAM
ist. Aber dann hat er gelächelt und zugegeben: "Me Fambly lives on
Spam!"
Ähm, ich habe mich über die romanhaften
Meldungen beschwert - ich ziehe dies hiermit zurück... Ich wollte ja
auch nicht so viel schreiben, aber dann kam es einfach über mich
und...uäh-hi-hooe-grrr-sniff-UAAAAAAAAHHHH!
Dr. Boris Einlauf, Psychiatrische Klinik
Königsfelden i.V. Markus "Pfil" Roth
PS: Wenn er sich brav benimmt und
täglich seine Tabletten isst, darf Herr Roth wieder ans Mail um Zusätze
und Ergänzungen zu schreiben oder eventuellen Nachfragen zu antworten.
Inhaltsverzeichnis |
New York, Okt. 96
von Stefan
Spörri und Markus Roth
Da kommt er nun,
der ultimative Report direkt aus dem Herzen von NYC:
Do. 10.10.
Das letzte mal husch in die Bude, dann
ab auf den Flieger, wohin mich Regina freundlicherweise begleitet. Das
Gepäck ist unerwartet leicht. Geld muss her und zwar subito, den SBB sei
dank, denn VISA macht's im Amiland alleine nicht. Der Stempel ist unten,
ein letzter Blick Richtung Lägern (die man zwar nicht sieht) und ab nach
Paris. Nach der dortigen Landung ein Blick in Pfils Reiseführer und die
Vorfreude steigt nochmals um ein paar Grad. Der Flug dann über
unendliche Wolkenpakete bis weit in den Atlantik hinaus, der
amerikanische Kontinent präsentiert sich dann frisch verregnet, aber in
Sonnenschein, es ist erst 18 Uhr Lokalzeit. Treu nach Reiseführer nehmen
wir nur ein yellow cab, der Fahrer stellt dennoch regelwidrig seinen
Zähler ab. Er hat jedoch ein Netzwerk zu anderen indischen Fahrern
geknüpft, sodass er sich seinen Weg um den Stau durch Quartiere
Brooklyns bahnt, sehr anschaulich. Von einer Riesenhaften Brücke über
den East River sieht man SIE dann erstmals, echte, amerikanische,
turmhohe Wolkenkratzer, es ist gerade noch halbhell. 10 Pfil holt Jenny,
da passiert das Unvermeidliche: Schermerhorn wird zu Skermerhorn, der
uns seitdem treu durch die Stadt geleitet. Abendessen im
Columbia-District.
Fr. 11.10.
Übernachtung in Jennys Apartment mit der
Absicht, ev. in ein Hotel zu zügeln. Kein Jet-lag, nur ein letzter
Albtraum an die verflossenen Zeiten: Ein letztes mal werde ich im Traum
daran erinnert und erwache schweissgebadet und warne die Mitschläfer
lauthals vor den Gefahren, die lauern. Wieder beruhigt, macht um 05.30
die Heizung einen Radau, ich meine jemand klettert die Feuerleiter empor
und will einbrechen. Auch diese Sache flaut einmal ab, aber um 0530
machen wir mit einer weiteren NY-Persönlichkeit Bekanntschaft: Der
demolition man macht seinem Namen alle Ehre und zertrümmert um 06.30
lautstark alles, was er in der Strasse finden kann. Der 1. Tag in NY ist
dem American Museum of Natural History gewidmet, dieses ist u.a. durch
seine fantastischen 3-dimensionalen Diarien von Tieren in ihrer
natürlichen Umgebung berühmt. U.a. waren Kodoos zu bewundern. Danach ab
in die Beiz, wo der erste und einer der letzten Hamburger verdrückt
wurde mit dem Ergebnis, dass uns der halbe Nachmittag schlecht war. Dann
ab ins Guggenheim, dort hingen nebst einem Haufen Chagalls die Werke von
MR. Canvas unlimited. Man konnte sie nur aus grosser Distanz betrachten.
Ein Marsch durch den Central Park, vorbei am Imaging Mahnmal (vis a vis
Dakota Hotel) und durch die Upper West Side beschloss den Tag. Essen mit
Jenny wieder im Columbia District, unten drin gab es eine Performance,
bei welcher jede/r Besucher mitmachen musste. Wir liessen es sein und
gaben uns statt dessen dem Bier im Amsterdam Cafe hin.
Sa. 12.10.
Mit Jenny ab an die Canal Street, wo es
eine Masse von Billigläden gab, in denen man sich eindecken konnte.
Echte Kameras gab es erst in der östlichen Verlängerung der Street zu
kaufen, wo diese ins Chinatown mündet. Unter striktem Ausschluss der
Marke Olympus kaufte ich mir eine Pentax 38-105 mm mit vielen Schikanen,
z.B. extreme Kompaktheit, Datenrückwand, Panorama Mode etc. Das Modell
war rund 200.- billiger als hier in Switzerland. Den Rest der Truppe
traf ich beim Washington Square Park, nach einem Marsch durch Chinatown
und little Italy. Neben dem Park erstreckt sich das Greenwich Village,
dem wir nun einen ersten Besuch abstatteten um Jazzlokale
auszurekognoszieren. Abendessen zu viert, etwas chinesisches, dann zu
zweit (Wer war wohl dabei?) genaueres Ausrekognoszieren des GV:
Insgesamt waren es wohl an die 6 Pints Beer, die da weggingen. Ein
Teufelskreis tat sich auf: Jedes Mal, wenn man zur Beiz herauskam,
musste man wieder schiffen gehen, ein WC ohne Konsumation aufzusuchen
ist jedoch unmöglich, also.... Im Angesicht von Skermerhorn musste ich
dann doch noch, die 119th herauf schaffte ich es nicht mehr, wie
peinlich.
So 13.10.
It's Columbus Day: An der 5th Avenue
paradierten die nach den USA eingewanderten Ethnien, 1. mal massiertes
Auftreten des NYPD (sog. Sau-smier). Im vor Geld strotzenden Trump-Tower
eingekauft, dann endlich, die Wolkenkratzer um das Rockefeller-Center.
Erdrückend hoch, und das schon 60 Jahre alt! Mittagessen im
planwirtschaftlich geführten Harley-Davidson Cafe. Besuch des MOMA,
Museum of Modern Art, äusserst eindrücklich auch dieses Museum, dann
wieder Treffen mit Jenny im Strand-Bookshop, alles riesenhaft, einfach
amerikanisch, es gefällt mir immer mehr, so mit der grossen Kelle
angerichtet. Essen dann in einer Trattoria, dann hielt ich's nicht mehr
aus: NYC by Night musste sein, also ab aufs Empire, grandiose Aussicht
in das Häusermeer. Nun war man richtig in NYC! Übernachtung in Jennys
Apartment, Pfil&Jennys störte Kudus und meine Anwesenheit mit gewissen
akustischen Auflagen wenig, uns passte es auch sehr gut, also Hotel
Pläne fahren lassen und sich breit machen, nicht ohne ein Kissen
eingekauft zu haben.
Mo. 14.10.
Mittagessen in der
Columbia Mensa, alles sehr gut, aber privatisiert und entsprechend
teurer. Wiederum strahlendstes Wetter, kein Wölkchen, so sollte es bis
am Freitag noch bleiben. Ab in den Süden, Fahrt zur Statue of Liberty,
die Dame gelangte auf abenteuerlichen Wegen in die USA. Weiterfahrt zur
Ellis Island, wo's im Angesicht der Postkartenperspektive ein
Mittagschläfchen gab. Zurück nach Manhatten, Schluchtenwanderung durchs
Financial District an die Wall Street: Die ökonomische Macht, die sich
da ballt, erschlägt einem fast körperlich. Ab aufs WTC, grandiose
Aussicht, sich-in-Frage -stellen der ökologischen Anstrengungen der
Schweiz, bei 15(!) landenden und startenden Flugzeugen gleichzeitig auf
den 3 NY Flughäfen. Dort ist ein Verbrauchspotential angesiedelt,
welches alle Massstäbe sprengt! Fahrt vor das Lincoln Centre of
Performing Art, extrem eindrücklich die Leichtbauweise der
Kulturpaläste. Im japanische Rest. ein sushi gegessen, eine Premiere für
zumindest mich. Letzte Biere in der Amsterdam Bar, wo sich die YANKEES
grad in die oberste Liga einschossen. Grosse Begeisterung.
Di 15.10.
Peinlicherweise verspäteter
Zügelversuch, Jenny hat schon alles erledigt, dann halt ab an den Times
Square, langer Besuch von Virgin, den die Japsen aufgekauft haben. Knapp
3stündige Umrundung der Insel Manhatten, sehr spektakulär! Essen in der
Restaurant Lane, etwas vietnamesisches. Mit Jenny ab zum Schererhorn,
sie richtet sich auf eine weitere Nachtschicht in Serie ein, und wir
geben eine Session zum Besten und gelangen immerhin bis 'Help'. Nach
einigen Müdigkeitsanfällen will ich ins Bett und verlaufe mich gründlich
im Gebäude, nach einigen Nachfragen und Umherirren im Heizungskeller
doch noch ab an die 119th, in die Butler Hall.
Mi. 16.10.
Kauf einer
Lederjacke an der 79th, die erste meines Lebens, natürlich zu billigen
Ami-Preisen. Dann ab ins MET-Museum, die ägyptische Sammlung findet
meine uneingeschränkte Begeisterung. Mit den Picassos könnte man die
Strassen pflastern. Durchqueren des Cetral Park, man macht gerade
Filmaufnahmen, oder vielmehr eine Pause. Ein Bikeladen ist gesichtet,
leider weiss ich nicht die genauen Masse meines Rennvelos, sodass die
wirklich günstigen Angebot links liegengelassen wurden. Ab ins GV, Essen
unter Erlebnisgastronomie im Jacky's & Ride. Mitverfolgen einer Session
im Visions, dann ab ins Orleans, alles war etwas leer, ein letztes im
Polyester, dann ab aufs WC und sofort heim, um neue Unpässlichkeiten zu
verhindern. Der 2.Abend im GV.
Do. 17.10.
Mit Jenny an den Central Park, dann in
den Central Park Zoo: Dieser Zoo wurde erst 1986 eröffnet, er zeigt v.a.
auch kleine Tiere sehr attraktiv und ist sehr empfehlenswert, auch wenn
er nicht gross ist. Ab ans Rockefeller Centre, dort etwas in div. Läden.
Meiner feinen Art entsprechend zieht es mich ins Waldorf Astoria, wo man
mich sogar einlässt (he, he). An der Piano Bar geht es äusserst gepflegt
zu, sodass ich flüchte. Draussen haben 4 TV Stationen ihre Kameras
aufgebaut, mit einem flash zerstöre ich die Ansage, was mir ein Buddy
&*! einträgt. Ein smier verrät, dass für das annual dinner heuer al Gore
einfährt, und zwar an einem Seiteneingang. Fasziniert beobachte ich die
FBI Agenten, wie sie wie selbstverständlich eine Kreuzung während der
Rush hour absperren, mit einem Knopf im Ohr herumlaufen und ins
Handgelenk sprechen. Meine Uhr kann das nicht. Al Gore kam dann in fast
gewöhnlichen Autos. An der 5th erstehe ich mir im Sak's ein paar
Designerschuhe, erstaunlich günstig. Das Sak's ist ein 8stöckiges
Warenhaus, von oben bis unten gefüllt mit Designerartikeln, unglaublich.
An der 46th gehen wir zu viert irisch essen, sehr authentisch alles,
ausser die teuren Bierpreise. Wir erkundigen uns nach einem funkigen
Tanzlokal, mit der Adresse im Sack geht's per Taxi mit max. 61mph durch
Manhatten, e grobi Sach. Die Adresse war ein Flop, zu Fuss also die
Bleeker Street runter durch ghettoähnliches Zeugs. Meine Hoffnung, doch
noch ein brennendes Fass zu sehen, erfüllt sich dennoch nicht. Ennet dem
Broadway geht die Post dann definitiv ab: The Bitter end überzeugt durch
eine 9köpfige Funkband, mit einem Super bläser-set, leider ist die
Performance viel zu kurz, dafür können wir noch ein wenig mit den
Sängerinnen herumschwatzen. Die Nachfolgeband brachte geradlinigen,
kernigen Rock, der jedoch zuwenig überzeugte. Also ab aufs WC und
schnell ins nächste Lokal, das cafe whoa. Der Schallpegel war derart,
dass uns als Bestellung statt eines pints ein Riesenkrug Bier überreicht
wurde. Im Cafe whoa wurde äusserst guter Soul präsentiert. Ein Telefonat
zum Reiher klappte aus technischen Gründen wohl nur halbpatzig. Das war
der 3. Abend um GV. Mit knapper Not schafften wir es durch den Campus um
uns um 03.30 ohne Schermerhorns Zorn zu erwecken, zu erlösen.
Fr. 18.10.
Sehr spät aus dem Haus, zum zmittag in
die Mensa, dann ab an den Hudson River. Dort lag nebst anderem der
Flugzeugträger Intrepid vertäut, der besichtigt werden konnte. Er war
voll mit Flugzeugen bestückt, u.a. mit einer SR-71, die eigentlich
überall hingehört, aber sicher nicht auf einen Flugzeugträger. Es war
auch ein strategisches Atom-U-Boot zu besichtigen, das bis 1981 in
Dienst war und eine grössere Sprengkraft als alle im WKII gezündeten
Bomben mitführte! Am Broadway dann in ein von Jenny empfohlenes
Chinesisches Lokal, sehr gut&nett alles, der Kellner kannte die Schweiz
und zog die Ch-Alpen fürs Skifahren gar Aspen, Vain etc. vor. Freude
herrscht! Mit dem unermüdlichen Kudu in diverse Pubs gezogen. Der
4.Abend im GV.
Sa. 19.10.
Schlafen bis 13 Uhr, dann im extremen
Regen a la Schrattenflüh Richtung Rockefeller, man war nass bis auf die
Knochen, aber es bereitete zumindest mir enormen Spass --> singing in
the rain.... Die Strassen waren überflutet, die Taxis spritzten
Fontänen. Weniger lustig war, dass die U-Bahnen ausfielen und innert
kürzester Zeit kein Taxi mehr aufzutreiben war. Rockefeller Centre war
erstaunlicherweise geschlossen, dann halt ab Richtung Macy's. Dort kauft
sich Kudu eine Lederjacke !!! Obwohl doch Gore-tex Wetter war. Wegen
Verkehrschaos zu Fuss durch den Regen Richtung Tower Records (CD-Shop,
Treffpunkt mit Jenny). Wegen Regen Essen in einem schlechten Lokal,
dabei war's der letzte Abend. Der Regen liess nach also hiess die Devise
nicht nach Hause sich trocknen gehen sondern ab ins Bitter end, ein Bier
genehmigen und sich in aller Ruhe trocknen. Die 1. Performance waren so
Mädchen vom Land, welche Country Rock zum besten gaben, gut, aber
nichts, das einem vom Stuhl riss. Bei der 2. ging's ab, es wurde sehr
melodiöser Rock vorgetragen mit einer guten Show, e grobi Sach. Das
bitter end T-shirt liess sich sogar auf 8$ herunterhandeln, perfekt.
Alles hat jedoch ein Ende, deshalb nach einem ausgiebigen WC-Besuch der
Trott Richtung U-Bahn wenn nicht, ja wenn nicht the blue note noch da
gewesen wäre: Mit nur nur 5$ war man dabei, kein Konsumationszwang, es
wurde eine wirklich super Jam-Session vorgetragen, wir fühlten uns wie
Glückspilze, zum krönenden Abschluss doch noch ins blue note zu
gelangen. Dann ab Richtung Schermerhorn, so etwa halb 5 wird's wohl
gewesen sein.
So, 20.10.
Schön lang schlafen und ausgedehnt
zmörgelen, dann der letzte shopping trip, zu viert ab an die 79th. Alle
Läden sind offen, alle rammelvoll, wahrscheinlich wegen dem
Gewalts-Regen vom Samstag. Nochmals Schuhe, Kinderspielzeug ist auch
ganz billig, also Vorrat für Aline und David posten und ab ins thai
Restaurant, zumindest ich war ganz begeistert vom Essen. Zurück in die
Butler Hall und laut wehklagend nahmen wir Abschied von Demolition Man,
von Schermerhorn, von NYC und von Jenny.
Fürs nächste Mal: Vorgängig nach
Möglichkeit genauer spezifizieren, was man mittelfristig an hochwertigen
Konsumgütern benötigt, dann gezielt einkaufen, ev. nach Konsultation der
gelben Seiten --> der Flug ist finanziert. Allein die 'Ersparnis' beim
Kamerakauf, die ich ja sowieso benötigte (nach dem Olympus-Debakel)
betrug 1/4 des Flugpreises. Sonst war alles perfekt, ich bedanke mich
herzlichst bei Jenny fürs Apartment, bei Pfil für die kompetente
Reiseleitung, bei Kudu für die unermüdliche nächtliche Begleitung und
beim Petrus fürs Wetter.
Nun haben wir doch mal einen schönen
Führer durch das prächtige NY! Ich muss jedoch noch einiges anfugen und
klarstellen, da sonst eventuell Reiher nicht drauskommt, ich hoffe, Du
nimmst es nicht übel, wenn ich hie und da etwas korrigiere - es bleibt
Dein Bericht und ich habe wirklich Freude daran! Zudem bin ich froh,
dass Du Dich als Schreiber geopfert hast, jetzt kann ich darauf noch ein
wenig aufbauen:
Der Stadtteil, den wir Flughafen nach
Harlem durchquerten war hauptsächlich Queens. Der Flughafen liegt
auf Brooklyner Gebiet, dem grössten Borrough: NY wird in fünf Borroughs
eingeteilt: Manhatten (1.4 Mio), Brooklyn (2.5 Mio, auf Long Island,
zusammen mit Queens), Queens (2.0 Mio), The Bronx (1.8 Mio, der einzige
Stadtteil auf dem Festland) und Richmond, auf Staten Island (0.3 Mio).
Die Brücke nach Manhatten, welche wir passierten war die Triboro Bridge,
so genannt (Eigenkombination ohne Gewähr), da sie die DREI BOROUGHS
Manhatten, Queens und The Bronx miteinander verbindet.
Schermerhorn: Jennys Büro liegt
in der sogenannten Schermerhorn Extension der Columbia University,
benannt wahrscheinlich nach dem New Yorker Architekten gleichen Namens
aus dem frühen 20.Jh. Die Amis wissen mit sch leider nicht viel
anzufangen...
Demolition Man: Das ist nicht
Freund Arni, sondern eine Division der städtischen Müllabfuhr.
Canvas Unlimited ist übrigens
niemand anderes als der berühmte Popart-Künstler Ellsworth Kelly aus den
50ern und 60ern - eine renommierte und angesehen Persönlichkeit aus der
modernen Kunstszene, dessen Einfälle der Kunstwelt besser erspart
gewesen oder zumindest in eingeschränkterem Masse überliefert worden
wäre... Trotzdem steht er v.a. in Amerika mit seinen riesigen nurroten
oder blossgelben Bildern auf einem hohen Podest neben Warhol, Man Ray
oder Lichtenstein - s'set nid megli siii!
Imagine-Denkmal: Es handelt sich
dabei um das Zentrum, des von Yoko Ono, an Erinnerung an ihren 1980 dort
vor dem Dakota Building erschossenen Mann, gegründeten Strawberry
Fields, einem Teil des Central Parks mit einer riesigen Vielfalt von
Pflanzenarten aus der ganzen Welt, auch die Schweiz war anscheinend laut
einer Tafel dabei beteiligt - an der Finanzierung des Parks, nicht am
Mord!!!!
"Im Angesicht von Skermerhorn musste ich
dann doch noch, die 119th herauf schaffte ich es nicht mehr, wie
peinlich." Dazu muss bemerkt werden, dass dei 119W nach einer grossen
Strasse tönt, dieser Abschnitt jedoch nur 80m umfasste und der Eingang
zu Jennys Apartmentblock sogar nur60m entfernt lag vom Tatort.
Columbus Day: da sind wir einem
Irrtum aufgelaufen, denn der Columbus Day ist am 14.10., wird jedoch vor
allem von ethnischen Minderheiten in Frage gestellt. Die Vereinigungen
dieser Bevölkerungsschichten haben deshalb am Vortag eine Art
Sechserläuten der Hispansch-Puertoricanisch-Indianisch-Negroiden
Vereinigungen aus allen 5 Borroughs durchgeführt - auf der Pfiffs, äh
Fifth Av.
Zur Mensa muss noch soviel gesagt
werden: Ein Fast-Foodstand am andern, nur eine kleine Abteilung
"normales" Mensaessen. Am Schluss hat man mehr Abfall auf dem Tisch als
man Food in sich reinfaste (kein Schreibfehler!), dieser türmt sich im
Laufe des Tages auf. Berechnungen dürfen wohl keine angestellt werden,
denn bedenkt man: 100e von Unis an 10'000 Studis landesweit, die in
solchen Mensen essen und den Abfall hinterlassen - da tun sich Berge
auf!
Zügelversuch: Mike, Jennys
Laborfreund wollte einige Möbel und sonstige Sachen, die für die Uni
nutzlos geworden sind und deshalb dem berüchtigten Demolition Man zum
Opfer fallen sollten ein paar Hundert Meter in seine Wohnung schleppen.
Am Vortag haben wir ihm grosse Versprechungen gemacht, 11:00 oder so
kämen wir, das sei auch für uns möglich - war es jedoch nicht, immerhin
ist 11:00 schon noch in aller Schermerhornsfrühe...
Virgin: Zurück in der Schweiz
habe ich erfahren, dass der kurz vor unserer Anwesenheit eröffnet wurde
und das grösste Musikgeschäft der Welt darstellt! Da in NY sowieso alles
gross und protzig ist, fällt das gar nicht auf...
Wo ist denn das Jeckkys & Ride - ich
glaube das müsste Jackyl & Hyde heissen, oder habe ich da einen Witz
versaut? Übrigens sehenswert: "www.eerie.com"
Poly-Esther: eine 70er Jahre
Disco wo die Leute lauter sind als die Musik und diese nicht mal
speziell gut. Aber der Schuppen war auch unter der Woche am späten Abend
voll - Amis! Leider wurde auch hier die wochenlange Suche Pfiffs und
Kudus nach dem sprichwörtlichen Date nicht von Erfolg gekrönt.
Blue Note: wahrscheinlich
weltweit DAS Jazzlokal mit allabendlicher Unterhaltung. Für einen Tisch
zahlt man normalerweise 40$, Pfiffs Handelswut zu danken auch weniger...
Nun zu weiteren Reiherfragen, die dieses
Mail in der Mitte erreicht haben, da ich glaube, Pfiff ist für den Rest
der Woche offline:
Kriminalität: ist in NY nicht so
gross, wie es uns Filme und Medien weismachen wollen. Nur ganz bestimmte
Gebiete (South Bronx, East New York) sind gefährlich. Den Central Park
würde ich jedoch bei Dunkelheit auch nicht freiwillig betreten weder
allein noch in der Gruppe. Ist zwar besser geworden, trotzdem sind
Bandenkriege nicht aus der Mode gekommen. Die Chance als Tourist
überfallen zu werden ist in NY sogar einiges geringer als in den meisten
amerikanischen Städten und vor allem als z.B. in Zürich oder Hamburg.
Fotos: Ich habe bereits 2 Filme
(Papier) erhalten und Kudu und Pfiff gezeigt (nehme sie ans eventuelle
PJ mit), einer ist noch in NY. Kudu hat auch ein paar Aufnahmen (Dias?)
gemacht aber noch nicht entwickelt, Pfiff erhält seine (Papier) heute
oder morgen.
Naivität: Das fürchtete ich
letztes Jahr am meisten: die Oberflächlichkeit und Geldgier der Amis.
Ich muss sagen, da ich nun auch Boston kenne und von vielen Kollegen
verschiedene Dinge aus der Westküste oder zentralen Gebieten gehört
habe: Die New Yorker sind einiges freundlicher, aufgeschlossener und
menschlicher als die normalen Schweizer oder Deutschen und
wahrscheinlich auch der meisten Amis (genau dasselbe was ich damals von
den Zürchern erfahren musste im Vergleich zu den Aarauern - liegt
vielleicht an der Grössenordnung der Stadt, aber vielmehr wahrscheinlich
an der Multikulturalität). Aber eben, das Leben im Big Apple ist nicht
zu vergleichen mit irgendwas - und sei es eine andere Ostküstenstadt wie
Philadelphia, Boston oder Washington. Zum Beispiel Bettler: in Zürich
wirst Du von ihnen beinahe überfallen und fühlst Dich vergewaltigt. In
NY sind sie doch eher freundlich, zum Teil redselig auf positive Art,
zum Teil introvertiert - aber die meisten bedanken sich herzlich, wenn
man etwas gibt. In Zürich wird einfach genommen und gegangen, fertig!
Aber um die Menschen richtig zu bewerten müsste man länger dort sein und
an verschiedenen Orten, denn die vertikale und horizontale Migration ist
sehr stark und so verändern sich Menschen, Orte und Situationen sehr
schnell. Ich weiss nicht mehr wer das in hohem Alter gesagt hat: "Wer
behauptet, er kenne New York, da er sein ganzes Leben hier verbracht
hat, ist ein Lügner!" - Und dem kann wahrscheinlich niemand
widersprechen.
Auch wenn NY sich nun wirklich weder mit
Zürich noch mit Hamburg messen kann, auch hier lässt sich ein NY-Feeling
herstellen, z.B. in der kulinarischen Vielfalt der Multikulturellen
Restaurants im Kreis 4 oder den Touristenrummel um das Limmatquai oder
dem Hamburger Hafen. Auch Veranstaltungen: Auch wenn NY viel bietet, so
doch immer in bestimmte Richtungen (Musical, Jazz) - Vielleicht ist das
Angebot bei uns nicht grösser, ob es jedoch weniger breit ist, würde ich
mal bezweifeln. Trotzdem: Midtown ist nicht Manhatten und Manhatten ist
nicht New York... Man muss viele Leute kennen und lange dort wohnen und
das zu finden, was man sucht, vielleicht einiges länger und unter
schwierigeren Umständen als in Zürich. So kann ich mir vorstellen, dass
ein Motorradfreak oder ein Rockfan hier eher in seine Welt findet als in
New York, dass die Übersichtlichkeit der Veranstaltungskalender bei uns
eher ein breiteres Spektrum an Besuchen offenbaren als dies eine 50
seitige Village Voice tut und wir deshalb eher von den Angeboten
profitieren können. Übrigens läuft das meiste hinter den Kulissen in
Clubs und Privatpartys ab, zu denen der Zugang schwierig ist - man
bedenke: in New York allen existieren 48 Schweizer Clubs! - Ob da wohl
ein vergessener Ableger eines ehemaligen Boller Reiherclubs zu finden
ist? - Wer weiss...
Inhaltsverzeichnis |
Hamburg, Mai 1998
Am Donnertag fuhren wir ja um 21:00 in
Zürich ab und freuten uns schon über die Unterbesetzung der
Sitzplatzwagen - zu früh wie sich herausstellte: in Basel wurden wir
wortwörtlich von etwa 3 Handballclubs überrumpelt, die in Hamburg eine
internationale Meisterschaft zu bestreiten hatten. Da sie fanden, gegen
die Letten und Russen, die ja etwa 4-5 Mal pro Woche trainieren können,
hätten sie sowieso keine Chance, zogen sie den Schwanz ein und tischten
die Bierfässer auf... den Rest der Nacht kann man sich ja wohl selber
vorstellen und bedingt ja wohl kaum einer weiteren Erläuterung -
%&*ç%-Sportler!!
Jenny musste um 6 Uhr bereits in Hannover raus und da sie nicht die
Einzige war, führte das zu einer Weckaktion der mittlerweile nicht zu
weckenden schlafenden Hunde von Handballrowdies, die frisch fromm und
fröhlich die Gelegenheit ergriffen, da weiterzumachen, wo sie drei
Stunden vorher aufgehört hatten: Groelen unterm Bierfass bis zu dem
bitteren Ende namens Hamburger HB. Auf die Bemerkung einiger Passagiere
bei einem Halt in Harburg: wir seien jetzt da in Hamburg, reagierten sie
bloss verdutzt, aber genützt hat es auch nichts - sie blieben.
Den Freitag verbrachte ich nach Reihers Vorschlägen im Bonzenquartier
Oevelgoenne - Elbchaussee - Blankenese. Ausser einer kurzen Elbefahrt
praktisch alles zu Fuss nach durchwachter Nacht und bei etwa 25° im
Schatten... Pffff! Höhepunkt war wohl der Jenischpark mit dem (schön
angenehm gekühlten) Barlachmuseum. Dort war eine Ausstellung des
belgischen Romantik-Malers Meunier zu sehen, der sich darauf
spezialisiert hatte, die Industrialisierung auf ihrem Zenit aus der
Sicht der Arbeiter darzustellen - ein Thema, das ich in der Kunst oft
vermisst habe - war sehr eindrücklich. Um 16:00 wurde ich zu müde und
beschloss Leila in ihrem Büro zu überfallen - gerade rechtzeitig: es gab
Kaffee und Kuchen als ich ankam... Nach einer Einkaufsrunde fuhren wir
in den Busch, wo weder Reiher noch Jenny waren. Eine Stunde später
meldeten plötzlich die Nachbarn, dass da jemand vor der Türe sitze: es
war Jenny, die eine halbe Stunde gewartet hat, da die Klingel nicht
funktionierte und sie dachte, dass noch niemand hier ist - Pleiten, Pech
und Pannen, kann man da nur sagen. Nachdem dann auch Reiher noch
angekommen war wurde das Fischgericht zubereitet und der obligate
Reiherisch-Pfilsche philosophische Spaziergang im stockdunklen Brook
beendete den Tag um etwa 2 Uhr morgens.
Am Samstag regnete es am Morgen - das Gewitter hat mit 12-stuendiger
Verspätung den Weg in die rainy city gefunden. A propos rainy city: Es
war meistens extrem heisses und schönes Wetter an diesem WE und Reihers
Sekretärin fragte ihn schon nach seiner Ankündigung des Schweiz-Besuchs:
"doch nicht der mit dem schlechten Wetter??!" - damit war Kudu
gemeint, der bis anhin immer für eine Wetterverschlechterung in
Hamburg gesorgt hätte... Jenny und ich wollte noch so Frettchen-Zeugs
einkaufen, aber leider geben die deutschen Zoohandlungen auch nicht so
viel her... Am Abend statteten uns Gerd und Regine zwecks Spielabend
einen Besuch ab, denen eine echte Berner Rösti vorgesetzt wurde. Das
Problem ist, dass wenn man bei Reihers ist, isst man zu gut und zu viel.
Sonntags stand ein Ausflug ins Alte Land auf dem Programm: eine Gegend
westlich von Hamburg, wo über hunderte von Quadratkilometern nichts
anderes wächst als ca. 3 Mio. in Reih und Glied stehende
Niederstammobstbäume - und darauf sind die Hamburger noch extrem
stolz... Das Wetter war heiss und die Luftfeuchtigkeit lag bei etwa 80%,
so waren wir froh, als wir in der kleinen Stadt Stade ein wenig im
Schatten der backsteinernen Altstadt verschnaufen konnten - wir
genehmigten uns dazu verschiedene griechische Salate. Der Abend verlief
bei Rentiergeschnetzeltem ruhig zurück im Busch. Da für Montag das
schönste Wetter angesagt war (am Sonntag sollte die Sonne bloss eine
Stunde scheinen - sie brannte am Nachmittag etwa während einer Stunde
NICHT vom Himmel!) beschlossen wir an den Strand bei Kiel zu fahren -
leider suchten wir lange nach den versprochenen 6 Stunden Sonnenschein -
erst als wir die Moränenklippen verliessen, lachte uns Helios ins
Angesicht... Die Rückreise im Zug war ruhiger als die Hinreise, aber
immer noch gleich unbequem. Wir fragten daher nach unbesetzten
2-Bettkabinen und ich war bereit, so ziemlich alles dafür auszugeben -
aber zusätzliche 100 Dm pro Person war mir dann doch zuviel und so sitze
ich halt hier unausgeschlafen vor dem Bildschirm und tippe diesen
blödsinnigen Bericht ein...
Noch was zu den Hamburgern: einige
Eigenarten sind mir aufgefallen:
-
sie essen sich ohne Ketchup und
Essiggurken - ähm, sorry...
-
Sie sind extrem aufgeschlossen und
entgegenkommend trotz teutonischer Abstammung
-
Sie wohnen in ewiggleichen
Backsteinhäusern aus en 50er Jahren mit Vor- und Hintergarten, was
dazu führt, dass ausser einem relativ kleinen Zentrum die Stadt nur
aus 800 km2 deutschen Einheitshäuschen bestehet und Subzentren rar
gesät sind. Dafür ist es wohl die grünste Stadt Europas, die man vor
lauter Park- und Gartenbäumen richtiggehend suchen muss... Dafür
brauchen die Hamburger auch keinen Orientierungssinn: sie fahren
nach der Arbeit etwa eine Stunde durch die Quartiere, gehen in ihr
Haueschen und merken, dass es sich dabei gar nicht um ihres handelt-
macht nix - den ursprünglichen Besitzern geht es wohl in der
Zwischenzeit ähnlich...
-
Die Hamburger setzen sich im
Gegensatz zu den Zürchern in der U- und S-Bahn prinzipiell in
Fahrtrichtung hin, auch wenn diese Plätze bereits besetzt sind
und auf der Gegenseite kein Schwein sitzt.
-
Wer Geld hat, hat das auch
gefälligst zu zeigen. So läuft man der Elbchaussee entlang über etwa
9 km nur an den extremsten Villen und Schlösschen vorbei, die man
durch die riesigen Parkanlagen auch zuerst noch ausfindig machen
muss. Im Stadtzentrum und am HB ist das Verhältnis der Bonzen zu den
Bettlern zu den Normalos dafür etwa 10:10:1!
-
Die liebste Freizeitbeschäftigung
der Hamburg besteht aus dem populären "Boatwatching": Da stehen sie
zu Hunderten am Elbeufer und winken den abfahrenden und ankommenden
Containerschiffen zu, obwohl diese ausser einem Riesencomputer nur
noch 3 Mann Mannschaft aufweisen: dem Kapitän, dem Steuermann und
dem Kaffeekocher, und die schlafen alle - Macht nix der Computer
winkt freundlich zurück. Es ist doch schön mitanzusehen wie so ein
Völkchen mit den einfachsten Unterhaltungswerten zufrieden ist -
muss es auch, denn die Unterhaltungsattraktion selber, die
Reeperbahn, ist in den Händen der ausländischen Touristen, die
glauben, das sei jetzt das typische Hamburger Flair.
Inhaltsverzeichnis |
Passierschein A38
hier eine kurze und chaotische aber umso
wahrere Geschichte zum Thema Amtsschimmel in der Schweiz:
Vorgeschichte:
Frühling 1997, London:
Die zoologische Gesellschaft London erklärt sich einverstanden damit,
Jenny 4 Haar- und 3 Blutproben ihrer Mongozlemuren zu überweisen und die
Tiere werden sogleich gerupft.
Sommer 1997, London:
Die Proben lagern im Tiefkühler und die Köpfe der Verantwortlichen
rauchen, als sie bemerkten, dass es für die Überweisung in die Schweiz
CITES-Papiere (Artenschutz) braucht, man begibt sich an die
bürokratische Abklärung.
Herbst 1997, Bern:
Die Schweiz erklärt London, dass es nicht nur Einfuhr- sondern auch
Ausfuhrpapiere braucht - das ist den Engländern neu und sie gehen daran,
das Papier neu zu überarbeiten.
Sommer 1998, London:
Das Schweizer Papier ist abgelaufen und muss neu beantragt werden.
Herbst 1998, London:
Jenny und ich nehmen die Proben in die Schweiz mit und lassen sie
konfiszieren - ohne CITES-Papiere, aber immerhin: sie sind in der
Schweiz am Zoll und somit erreichbar!!
Winter 1998, London:
Der neue Schein sieht für die Londoner zu anders aus und ihre
Bewilligung wird dementsprechend neu aufgesetzt - ein Stempel hätte
genügt...
Januar 1999, Zürich:
Juhui, die CITES-Papiere sind eingetroffen und haben eine
Gültigkeitsdauer von 10 Tagen!!
Hauptgeschichte:
Mittwoch 3.2.1999, 13:45, Flughafen
Zürich-Kloten
Jenny und ich treffen auf dem Flughafen ein und suchen das unzureichend
beschriebene Bürogebäude bei der Fracht - und verlaufen uns nur zwei
Mal.
14:00, Zollveterinäramt:
Wir treffen im Büro 200 im zweiten Stock des Hochhauses in der Fracht
Ost ein: die Veterinärin macht ein paar Telephonate um herauszukriegen,
ob die Proben noch am richtigen Ort lagern - Zwar nicht im Terminal B
wie abgemacht, aber immerhin: Jawohl, Erfolg!
14:10, Zoll:
Wir werden durch das Labyrinth der Fracht geführt und im Zollhäuschen
untergebracht, da sehen wir auch schon die Proben - auf und davon,
denken wir fälschlicherweise: es braucht noch zusätzlich zu den
CITES-Papieren einen Passierschein, der muss noch organisiert werden,
also warten, bis die blaue Bedarfsakte geholt ist und dann ab Richtung
Fracht Ost.
14:25, Bürogebäude 1.Stock:
Dahin wurden wir von den Zoll-Leuten beordert um Einzahlungen auf die
Blaue Bedarfsakte zu machen, damit wir die rosa Bezahlungsquittung
bekommen, die uns den Passierschein eröffnet, der uns die Freistellung
der Proben garantiert. Wir platzen leider mitten in eine Sitzung einer
Abteilung der Flughafendirektion, wo uns erklärt wird, dass wir uns im
falschen Gebäude befinden.
14:35, Büro Fracht Ost, 1.Stock:
Ja, hier sind wir richtig - aber wo?! Es handelt sich um einen Raum mit
einer Glasfassade von 20 verschiedenen Schaltern - 10 davon besetzt. Bei
den "allgemeinen Zollfragen" werden wir nach nur fünf Minuten zum
Schalter "Selbstverzollung/Inkl.Mod.90" verwiesen, wo wir das Formular
vorlegten. Proben von geschützten Tieren dürfen keinen finanziellen Wert
besitzen, so lautet das Gesetz. Dasjenige des Schweizer Zollamtes aber
besagt, dass der Wert der zu verzollenden Ware eingetragen werden muss,
das ist wie gesagt nach internationalem Artenschutzgesetz illegal...
(Bürokratisches Logoparadoxon 1A)
14:50, ebenda:
Es ist vollbracht: die Angestellte hat einen Weg gefunden, die Gesetze
zu umgehen, so dass wir nur noch Lagergebühren von Fr.25.- bezahlen
müssen, was wir auch gleich taten. Um das Rückgeld und die rosa
Quittung, sowie den Stempel auf die blaue Bedarfsakte zu kriegen, werden
wir jedoch an den Schalter 25 "Einzahlungen" verwiesen - bitte nehmen
Sie Patz...
15:10, Zoll:
Ja, wir haben es geschafft und den Passierschein erhalten - dieser wird
jedoch von den Beamten behalten, wir machen uns mit den Proben auf und
davon.
Fiktiver Epilog:
Wir haben beschlossen, die Wissenschaft
links liegen zu lassen und haben seither einen gemütlichen Job auf der
zollamtlichen Stelle für Informationsrückweisungen in der Zelle 245 des
Gebäudes 3c des Traktes AA in der Klinik Burghölzli, inkl. Kost und
Logis nach Art.34ff octens des Krankenrechts von 1954. Der Londoner Zoo
wurde aufgrund eines bürokratischen Irrtums zur Quarantänezone erklärt
und die Mongozproben wurden von einer M. Macaco konfisziert, die sich im
Anthropologischen Institut als Dr. Galina Petrovna ausgab und seither
verzweifelt versucht aus der DNA Mongözli zu klonen um ihre
Wurstfabrikation doch noch vorantreiben zu können.
Inhaltsverzeichnis |
Es werde Nacht! -
Sonnenfinsternis, Aug. 1999
Da bin ich mit Pfiff und seiner Tante
Richtung Nordwest aufgebrochen mit Nahziel Hagenau und Fernziel Metz.
Laut Wetterbericht soll das Spektakel ja eher in dieser Region und
weiter in der Champagne am besten zu sehen sein, wie die lokalen
Nachrichtensender meldeten. Abgefahren sind wir so um halb sechs abends
und angekommen um halb elf auf einem überfüllten Campingplatz, dessen
Platzwart wohl einen Verwandten in Chester besitzt (schreit um
Mitternacht auf dem ganzen Platz herum, verbietet uns aber etwas zu
essen, da dies um diese Zeit zu laut sei - zuerst wollte er uns gar
nicht aufnehmen)..., in einem kleinen Nest namens Bärental (bei Bitch,
südlich von Saarbrücken in der Lorraine). Die Nacht war sternenklar, was
eher Unheil versprach - denn tatsächlich lag das Tal am Morgen unter
einer dicken Wolkendecke, also ging's weiter Richtung Metz.
Angekommen sind wir schliesslich auf einem flachen Hügel in Rohrbach -
direkt auf der Zentrallinie gelegen. Dort wiesen uns schon einige
Schilder auf einen Parkplatz auf einer Wiese hin, welche durch eine sehr
neue (eigens dafür gebaute? - in Frokreisch-Frokreisch weiss man ja
nie...) Strasse zu erreichen war. Leider war - wie überall in Mittel-
und Westeuropa ausser bei Charbourg - der Himmel zweistöckig bedeckt und
das blaue Himmelsloch, das aus Westen nach einigen mässigen Regengüssen
nahte, verpasste leider die Totale um eine halbe Stunde...
Schätzungsweise 500-600 Leute versammelten sich auf dem Hügel und eine
ganze Budenstadt aus Wurst- und Pouletständen, Ramschwaren und
Postkarten, Styroportoiletten sowie ein grosses Bierzelt wurde da
errichtet. Aber die Masse verteilte sich auf der Wiese und schon das
alleine gab eine geniale und einzigartige Szenerie ab: alle Heuballen
waren besetzt, immer neue Gruppen und Familien mit farbigen
Regensschirmen kamen an und platzierten ihre Kameras - dergestalt sich
bald ein kleiner lockerer Stativwald bildete mit synchron
sonnenkollektorartig ausgerichteten Kameraobjektiven. Durch die
Wolkenschichten, welche von weiss über mehrere Graustufen bis fast
schwarz wechselten und die aufgeschreckten Schwalbenschwärme im Tiefflug
gewann die Atmosphäre erst recht etwas gespenstisches. Westlich und
östlich des Hügels sah man weit in das niederhügelige, spärlich
besiedelte Unterland. Ich konnte es nicht lassen und musste das Ganze
mit Astronomy Domine (PF, 67) geniessen - ich wünschte mir nur noch,
dass ich eine Kamera mit grobkörnigem SW-Film dabeigehabt hätte um die
Atmosphäre einfangen zu können. Leider aber ging mir noch vor dem
Höhepunkt durch einen Kameradefekt der Film zu Ende - ohne dass ich
einen Ersatz dabeigehabt habe.
Dann war es soweit und ohne grosse Vorwarnung wurde die ganze Umgebung
in zwei Sprungphasen in tiefste Nacht gehüllt: schwarz in schwarz am
Himmel (- nur das kleine, sich noch auf dem Weg zu uns befindliche blaue
Loch in der Decke blieb farblich erhalten, wenn auch verdunkelt -) und
auf dem Land. Die Strassenlaternen und Neonlichtreklamen im Dorf
schalteten sich automatisch ein. Blick nach Westen: dunkelgraue Hügel
ohne klare Konturen, Blick nach Osten: nichts ausser den entfernten
Strassenlampen war zu sehen. Zum Glück wurden bei uns keine
Feuerwerkskörper in den Himmel geschossen - das Blitzlicht der Kameras,
welche vergeblich die Korona suchten und wahrlich nicht mehr als eine
schwarze Wolke auf einer noch schwärzeren Stratusschicht festhielten,
störte bereits genug. Die 2'19.5'' der Rohrbacher Finsternis (welche
genau auf die Sekunde um 12:29 eintrat) waren genauso schnell vorbei wie
eine Belichtungszeit in dieser Dunkelheit und schon erlöschten die
Strassenlampen wieder, die Leute
machten sich an die Souvenirstände und diskutierten auf das soeben nicht
Gesehene. Die Atmosphäre hat sich entladen, die Mystik des Prologes war
nicht mehr spürbar und der Alltag kehrte ein. Trotzdem: nach etwa einer
halben Stunde erreichte uns der vermaledeite da verspätete Spalt in den
Cumulus- und Nimbostratusdecken und gab doch noch für ein paar Minuten
zeitweise die noch zu 90% verdeckte Sonne frei, so dass die raren
Brillen doch noch getestet werden
konnten vor ihrem entwicklungspolitischen Recyclingprozess und
wahrscheinlicheren Einsatz für die nächste Eklipse in Madagascar.
Nach einem obligaten Souvenireinkauf und dem Besuch der Exhibition de
l'Eclipse im Dorf selber, begaben wir uns dann mit ein paar Millionen
anderen auf den Weg in den obligaten Stau, welcher uns vor Hagenau in
seine Arme schloss und erst nach Achern auf der Schwarzwaldhochstrasse
(wer fährt schon freiwillig über Basel?) wieder freigab. Auch wenn die
Strecke länger war, so führte sie doch auf einer scenic route über ein
bis anhin mir recht unbekanntes Gebiet, das sich doch einmal lohnt, ein
paar Tage zu bewandern. Endlich, nach sieben Stunden Fahrt - davon wohl
etwa zweieinhalb Oberheinischertiefebenenstopandgo, denn auch die
Nebenstrassen waren bekanntlich genauso überlastet wie die
verkehrs(?!)regelnden Louis de Funes-Nachfolger - kamen wir in Baden
an. In Zürich dann endlich war ich überrascht, Jenny bereits schlafend
vorzufinden. Auch sie hat es noch geschaft mit Wanja nach Calw bei
Stuttgart zu reisen um genauso viel oder genauso wenig zu sehen wie wir
bei den Lothringer Saucissonstopfern, die Münchner Hofbräumeister, die
Japaner in Ulm und um Ulm und um Ulm herum oder die rotnasigen
Weinbauern in der Champagne, welche allen Wetterprophezeiungen zum trotz
keine Sicht zuliess auf die schwarze Sonne. Einer der wenigen Orte, an
der dies möglich war, ist Palästina (wenn auch nur partiell), wo die
Leute von den Islamisten zum Gebet und zur Verschanzung in den Häusern
aufgehalten worden sind und nur über TV alles mitverfolgen konnten,
sowie die Einwohner von Mosul, sofern die intermoralistische
Befreiungsfront des grossen Weltbefreiers Billy auf die Bitte einging
und die Bombardemente kurz unterbrach... vielleicht gab's zum korönenden
Abschluss noch eine Bombe mit der floydianischer Grussbotschaft:
All that you touch, all that you see
All that you taste, all you feel
All that you love, all that you hate
All you distrust, all you save
All that you give, all that you deal
All that you buy, beg, borrow or steal
All you create, all you destroy
All that you do, all that you say
All that you eat, everyone you meet
All that you slight, everyone you fight
All that is now, all that is gone
All that's to come
And everything under the sun is in tune
But the sun is eclipsed by the moon
There is no dark side of the moon,
really - as a matter of fact: it's all dark...
(Eclipse, 1973)
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Holland, Aug. 1999
Morgens um 5:00 ist es kalt, windig und
vor allem früh - trotzdem werden wir gnadenlos von Anita abgeholt und in
ihr Auto verfrachtet (sie hatte bereits eine Reise von Bern her hinter
sich und leider hat sich im Laufe des Aufenthaltes herausgestellt, dass
sie nicht mehr als etwa 5 Stunden Schlaf benötigt - was unserer längeren
Portion Schlaf eher negativ entgegenkam, aber das war ja bei weitem das
allergeringste Problem...). Die Strecke bis Karlsruhe war ja noch von
der Eklipsenfahrt her wohlbekannt. Neu wurde es (zumindest für mich) ab
Ludwigshafen Richtung Ruhrgebiet.
In Köln bezogen wir dann zum ersten Mal Quartier und Rügen von den
lieben Deutschen: schon im Hotel beginnt es mit Sprüchen wie: "das Auto
wird hinten irgendwo abgestellt, wenn es noch Platz hat, aber auf eigene
Verantwortung (bei der Voranmeldung hiess es: eigene Hotelparkplätze)",
"was wollen Sie mit dem Schirm hier im Hotel? Der ist ja nass, raus
damit!" oder von einer Bedienung im Restaurant: "stellen Sie die Füsse
unter den Tisch, das ist sonst gefährlich - für MICH!" Auch am
Bahnhofkiosk muss man aufpassen, wo man am Zeitungsständer nach einer
Lektüre sucht, sonst kann es passieren, dass man wortlos und grob auf
die Seite geschoben wird, wenn ein Zeitungsverträger nicht durchkommt.
Trotzdem: der Dom ist wirklich eine Reise wert und lässt einem seltsame
Gefühle hochkommen über die absolute Prädominanz der Kirche im
Mittelalter - ein Steinkoloss mit einer Schiffshöhe von über 60 Metern
inmitten eines Häusermeers aus ein paar hundert verwahrlosten
2-stöckigen Holzhäusern. Heute sind es wohl die gläsernen und stählernen
Tempel der heiligen Grossökonomie in Städten wie Johannisburg, Calcutta
oder Sao Paulo, welche diese Rolle in den Primatstädten der dritten Welt
erfüllen und das gemeine Volk auffordern, nach höherem zu streben -
einem eigenen Büro im 35. Stock!? Die vielgelobte Altstadt ist zwar
sauber, schön aber nicht gerade alt - eher alt wiederaufgebaut - dafür
weitgehend autofrei. Das beste, das die Stadt aber zu bieten hat ist der
Zoo, welcher in Sachen Stadtzoo doch Massstäbe setzt mit seiner
Durchmischung verschiedener verwandter Arten: die Tiere können über
Gitterkanälen von einem (fremden) Gehege zum andern und sogar ins Freie.
Der kulinarische Tip: bestellt in einer Eisdiele den Kindercoupe
"Waldschrat", es lohnt sich.
Die Preussen wollten wir anderntags schnell hinter uns lassen und dahin
fliehen, wo diese gerade wegen ihrer Art verhasst sind - ins Nachbarland
und anschienende Heimatland der "Preussen", Holland. Doch oh Schreck:
diese Leute haben mit ihren unbeliebten Nachbarn anscheinend mehr
(Betonung auf MEHR) gemeinsam, als ihnen lieb sein sollte. Man muss also
schon Riesenglück haben, von einem "Tulpenplanter" nicht bei der ersten
Begegnung grob angefahren oder gar zusammengeschissen zu werden - auch
wenn diese wissen, dass man Schweizer ist (mit denen man sich doch dort
so gerne vergleicht) oder man prinzipiell die Konversation nur auf
Englisch abhält. Ob im Warenhaus, auf der Autobahn, im Hotel, im
Restaurant, die Artikulation ist dieselbe: ç&%*+!! Da habe ich mir die
Leute schon anders vorgestellt. Velo- und Autofahrer gehen absichtlich
und zusätzlich aufs Gas, wenn man als Fussgänger auf dem Zebrastreifen
die Strasse überquert, dergestalt man echt rennen muss und trotzdem noch
den Fahrtwind im Nacken hat! Die Restaurants habe auch bei einer Wärme
von 10°C die Türe offen - Frage: kann man die nicht zutun? Antwort:
NOOO! Im Hotel (auch in den meisten Beizen) ist es beim Morgenessen
extrem dunkel und man kann wegen zugezogenen Vorhängen und 20-Wattbirnen
den Kaffee nicht vom Frühstücksei unterscheiden. Will man Licht machen,
kommt sofort die Hotelfrau, stösst einem brutal in eine Ecke und schreit
das übliche NOOO! Im Museum hält man den Finger in grossem Abstand
richtung Bild: es kommt sofort ein Motztyp herbeigeilt und stösst einem
beiseite. Wenn man ihm erklärt, dass es ja noch 50cm bis zum Bild
seinen, ist man eines Trommelfellschocks gewiss. Man hält einem Paar mit
Kinderwagen die Türe auf - die Leute gehen ohne einen Blick oder einen
Dank an einem vorbei. Man wird angerempelt - keine Reaktion, man rempelt
an und entschuldigt sich - wozu? Gibt ja sowieso keine Gegenreaktion.
Holland war ja einmal berühmt für seine fast klinisch sauberen Städte -
das ist lange her, heute haben die Hundehalter alle Innenstädte für sich
beansprucht und markieren das auch entsprechend - ich sage jetzt
absichtlich nicht: die Hunde, nicht die Besitzer - denn das stimmt
nicht! In Amsterdam z.B. sind das Hauptproblem nicht mehr die
Hundehäuchen, denen man unter Schritt und Tritt begegnet, sondern die
Exkremente der Gattung Homo Sapiens! Sogar auf einem Weg in der
Dünenlandschaft in Amrun traten wir beinahe auf einen Kegel, der mit
grösster Wahrscheinlichkeit anthorpogen verursacht wurde... Nein,
freundlich sind die Holländer nicht - auch nicht ihr Wetter, das von
einer Stunde auf die andere umschlägt von strahlend schön bis zum
Gegenteil - auch sauber ist Holland nicht, zumindest nicht mehr.
Liberal? Das war einmal: die grossen Städte werden im Parlament von den
Rechtsextremen dominiert. Auch die Demonstrationen (wie einmal in Den
Haag beobachtet) werden augenscheinlich von rechts geleitet. Und teuer
ist das Land!! Da ist ja Finnland schon ein Entwicklungsland dagegen und
als Schweizer fühlt man sich richtig heimisch...
Ja das war jetzt eine böse Hetztirade auf das holländische Volk - bei
Einzelereignissen und an einem bestimmten Ort hätte ich nie gewagt,
etwas derartiges zu schreiben, aber wir reisten zwischen Arnhem, Amrun,
Amsterdam, Utrecht, Den Haag, Rotterdam bis Maastrich umher (zumeist
zwar ich allein) und trafen überall auf die selben Stereotypen, das kann
kein Zufall sein. Und auch die Ausrede: die halten euch für Deutsche
kann in den meisten Fällen mit Beweisen wiederlegt werden, da kann man
nur sagen: traurig, traurig! Aber der Gipfel war das Hotel in Utrecht,
das wir leider nicht mehr wechseln konnten, da alles ziemlich ausgebucht
und campen bei diesen Witterungsverhältnissen nicht gerade angenehm war
(einigen Kongressteilnehmern blieb trotzdem nichts anderes übrig). Das
Morgenessen habe ich ja schon erwähnt, hier die anderen Punkte, die
"Faulty Towers Utrecht" beschreiben:
-
Familienbetrieb: man muss auf die
Klingel drücken, dann kommt der Sohn in kurzen Hosen aus seinem
Raum, lässt einem zur Reception und verschwindet wieder in seiner
Kammer (das ist sein Job!). Der Vater sitzt hinter der Theke und
gibt einem den Schlüssel, er schliesst auch die Dusche auf und zu,
und die Frau ist für Morgenessen und Zusammenschiss verantwortlich.
-
Telefon, Wecker oder Radio gibts
nicht, dafür ist die Dusche nur Verwendung von Spezialjetons
zwischen 7 und 23 Uhr erlaubt, dann wird abgeschlossen. Pro Tag und
Person gibts einen Jeton für 10 Minuten Wasser (nicht nur warmes
sondern allgemein Wasser), wird dieser nicht benutzt, darf er nicht
gespart werden - die Jetons werden am Morgen säuberlich abgezählt
und neu verteilt. Pech also, wer lange Haare hat oder nach einem
harten Tag am Abend auch duschen möchte.
-
Einlass für Personen, die kein
Hotelzimmer haben, ist ausdrücklich verboten
-
zwischen 11 und 3 pm ist kein
Einlass mehr ins Hotel zu erhalten, wer etwas holen möchte, wird im
Regen sitzengelassen - mich liessen sie einmal sogar auch abends um
fünf noch nicht rein!
-
Der einzige Ort, an dem unser Auto
aufgebrochen wurde (war zum Glück leer), war direkt vor dem Hotel am
letzten Abend - auf dem Unicampus gehen die Wagen anscheinend weg
wie warme Semmeln, aber in den Quartieren ist es kein Problem zu
parkieren, die Parkhäuser sind unerschwinglich.
Tja, das muss man alles erlebt haben um
es zu glauben...
Es gibt ja zum Glück nicht nur die Leute sondern auch das Land und das
hat neben seinen zum Teil schönen wenn auch meist kleinstädtisch
anmutenden Grossstädten (sehenswert v.a. die moderne Architektur in
Rotterdam oder die Grachten in Delft oder Amsterdam) einiges zu bieten:
Highlights sind:
-
Apenheul: ein Affenzoo mitten im
Naturschutzpark Hage Veluwe bei Appeldorn (dem einzigen Stück Natur,
das in diesem zersiedelten und beackerten Land übrig ist), in dem
Lemuren, Neu- und Altweltaffen frei herumlaufen und einem
streichelnah kommen. Nur die Orangs, Bonobos, Gibbons und Gorillas
haben abgesperrte, aber riesige und originell gestaltete Freigehege,
die von den anderen abgesperrt sind. ****
-
Van Gogh und Rijksmuseum: das non
plus ultra aller Amsterdamreisenden. Obwohl man zugeben muss, dass
wer die schönsten Bilder der flämischen Maler oder von Vincent sehen
will, besser nach New York oder Washington reist. ***
-
Wer etwas wirklich grandioses sehen
will, sollte nach Den Haag und das Mesdag-Panorama vom Strand von
Scheweningen besichtigen. Es ist ähnlich aufgemacht und stammt aus
der selben Zeit wie die Bourbakiarmee in Luzern, aber es ist absolut
atemberaubend und unbeschreiblich - gehen, sehen und staunen, kann
ich nur empfehlen. *****
-
Zoo von Arnhem: DER Zoo, der
weltweit Massstäbe setzt und alles andere im Bereich
publikumsorientierte Tierhaltung in den Schatten stellt. Das Tropen-
und Wüstenhaus sind je über eine Hektar gross und fast nicht mehr
als solche erkennbar. Wasserfälle, eine atemberaubende Vegetation,
einige Häuser und zahlreiche Tiere versetzen die Besucher in eine
andere Welt, wie dies wohl nur noch durch ein Holoprogramm im Quarks
perfektioniert werden kann! *****
-
Amrun: im Westen bei Hollum gibt es
einen Sandstrand hinter der endlos erscheinenden Dünenlandschaft,
der bei Ebbe so breit wird, dass das Meer teilweise aus dem
Augenwinkel verschwindet und "Scott of the Sahara" gedreht werden
könnte ***
-
Rotterdam: die Stadt ist ein Phönix
der Nachkriegswehen und nennt sich nicht unverdientermassen
Manhatten an der Maas. Wer moderne originelle Architektur liebt,
sollte die Kubusstadt mit ihrem postmodernen Bahnhof beim Oude Haven
besichtigen - ein Backsteinwurf von ersten Hochhaus Europas, dem
Jugendstilhotel Wite Huis entfernt.
Auch das Zentrum weist einige sehenswerte Wolkenkratzer auf und
nebenan prägen altertümliche Märkte und Kleinläden das
Strassenbild.****
-
Glockenspiel und
Spielautomatenmuseum in Utrecht: da kann man vom Pianola über
riesige Kirmesorgeln bis zum Orchestarium alles bewundern, was die
Musikindustrie vor der Erfindung der Schallplatte zu bieten hatte -
inkl. einer Lochscheibenorgel von Polygramm mit den Top Ten von
1900. Sehr hübsch, v.a. mit Führung.***
-
Etwas für Pfiff hat Utrecht auch zu
bieten: das Verkehrshaus (Spoorwegmuseum) mit 60 Originalloks von
1837 bis 1980, Stellwerken und einer riesigen Ausstellung zur
Geschichte der niederländischen Eisenbahngeschichte. ***
Die Reise führte uns im Übrigen von
Arnhem über Dokkum auf Amrun und dann nach Utrecht, wo Jenny und Anita
am Kongress der Gesellschaft für Primatologie mit einem Posterbeitrag
teilnahmen. Die Uni Uithof ist im übrigen riesig und alle Strassennamen
sind von den berühmten Universitäten der Welt abgeleitet. In Städten wie
Utrecht, Delft oder Leiden beträgt übrigens der Anteil der Studierenden
an der Einwohnerzahl 20-25%!! In diesen Kongresstagen unternahm ich dann
Reisen nach Rotterdam, Delft oder Den Haag und reiste den Utrechter
Sehenswürdigkeiten - die sich jedoch in Grenzen halten - nach. Zwei Mal
reisten wir auch zusammen nach Amsterdam und am Abend traf man sich in
grösseren Gruppen (z.B. mit tg, Akka und anderen bekannten und meist
lieben... Deutschen) zum Nachtessen in der Stadt.
So, das war der nun doch allzulange und vielleicht anfangs etwas
negativer als verdient oder erlaubt ausgefallene Bericht zur
Hollandreise. Aber es entspricht alles der Wahrheit oder ist dieser
zumindest entnommen...
Inhaltsverzeichnis |
Berauschte
Gesellschaft - Artikel für den "Toaster", Nov. 1999
Der Morgen graut einmal mehr in meinem
Kopf, da ich spät des Nachts wieder einmal einen Rausch nach Hause
getragen haben, welcher es alleine nie geschafft hätte. Zugegeben,
dieser Spruch ist alt. Noch älter jedoch ist das Verlangen der
Menschheit, sich durch die Einnahme aller möglichen Mittel von der
Realität zu entfernen, während in Bern über die Legalisation eines
Rauschmittels diskutiert wird, mit welchem mittlerweile bereits über ein
Sechstel der schweizerischen Bevölkerung in Kontakt gekommen ist und
eine halbe Million diesen auch rege aufrechterhält. So lese ich, dass
die Wirkung des Fliegenpilzes wiederentdeckt wurde, und ein neuer
flüssiger Ecstasyersatz namens GHB den Discobesuch erträglicher machen
soll.
Etwa anderthalb Jahre ist es nun her,
dass eine junge Punkerin wegen eines fehlgeschlagenen Experiments mit
Atropin zu Grabe getragen wurde, und bereits sind Engelstrompeten
darüber gewachsen. Das Experimentieren mit Drogen ist aber nicht nur in
unserer Gesellschaft und der heutigen Zeit weit verbreitet - der Drang
zum Rausch ist wohl fast so alt wie die Menschheit. Als Sokrates den
Schierlingsbecher trank, beschrieb er die Wirkung des Coniins beinahe
als wissenschaftliches Abstract. Vielleicht handelte es sich um ein
fehlgeschlagenes Drogenexperiment, um dessen Misserfolg die Anektote mit
dem erzwungenen Suizid gesponnen wurde. Der Philosoph möge mir die
eventuelle Fehlinterpretation verzeihen!
Jeder Kulturkreis hat seine
Rauschmittel: Die Kelten waren laut Poseidonios Berichten dem zumeist
mit Wasser verdünnten Wein verfallen. Die Germanen betrachteten die
berauschende Wirkung des Mets als Übergang der göttlichen Kraft auf den
Menschen. Die Inkas und ihre Nachfahren verehren Cocablätter. In
Indonesien gibt man sich dem Arak hin. Cannabisprodukte verbreiteten
sich von Indien her früh über das islamische Reich, in welchem der
Konsum von Alkohol verboten war. In Europa verdrängte im Mittalalter das
Bier obenerwähntes Met. Mit der Kolonialisierung fanden auch die
exotischen Rauschmittel wie Tabak oder Cannabis den Weg zu uns und
Sherlock Holmes spritzte sich in seinen ruhigen Momenten eine
wohlbekannte Substanz in die Venen. Man denke auch an den Einfluss des
Weins auf die italienische Oper oder des LSDs auf die Pop Art. Das Leben
unserer Spezies wird folglich begleitet von der Suche nach dem
ultimativen Rausch. - Unsere Spezies? Nein, nicht nur der Homo sapiens
findet Gefallen am Sich-berauschen, wie die Savannenbewohner in Jamie
Uys Dokumentation "Beautiful People" beweisen...
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