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Deutsche Aufsätze und Berichte

Bemerkungen zur Entwicklung Londons, März '96

Ich als Fernwehlondoner muss Deinen Ausführungen natürlich einen Kommentar anfügen.

Deine Impressionen beweisen den Status, welchen die Stadt seit einigen Jahren innehat und mit welchen Problemen sie deswegen kämpft:

Das wichtigste Ereignis, welches der Stadt London in den letzten Jahren wiederfahren ist, war sie Auflösung des ehemaligen Stadtparlaments und der Regierung (GLC) durch M.Thatcher und ihre Tory-Party 1986. Der GLC war sehr auf das Entgegenwirken auf die sozialen Missstände und die Verslumung bedacht. Unter dessen (Labor-)Regierung wuchsen Sozialwohnungs- und ÖV-Bau gewaltig. Bis vor 10 Jahren waren z.B. in der Innenstadt beinahe keine Privatautos zu sehen. Die Strassen waren praktisch nur von Bussen und Taxis "bevölkert" und als FussgängerIn fühlte man sich auch relativ sicher. Die Underground wurde auch ausgebaut und laufend restauriert - auch auf die Überwachung der Anlagen wurde grossen Wert gelegt. Somit entwickelte sich London zu einer sozial sehr verträglich gewordenen Grossstadt - trotz ihrer immensen Grösse.

Mitte der 80er Jahre jedoch fand ein wirtschaftlicher Niedergang der nord- und mittelenglischen Industriestädte aufgrund einer permanenten Tertialisierung statt. Gewinnerin war der dienstleistungsorientierte und wirtschaftlich sehr flexible Süden Englands - v.a. die Region London. Politisch war damals der Staat wie bekannt in den Händen der konservativen Thatcher-Regierung, welche sehr darauf erpicht war, die (grossen) Wirtschaftskomplexe zu fördern - zum Leidwesen der Unterprivilegierten. In dieser Zeit der grossen Wirtschaftlichkeit fürchtete die Landesregierung, London mit seiner sozial-liberalen Führung würde wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten, deshalb wurde diese Stadtregierung von einem Tag auf den anderen abgesetzt ohne ein Alternativprogramm zu starten. Mit anderen Worten: London hat seit 1986 KEINE Regierung mehr und untersteht direkt dem Ober- und Unterhaus.

Die Konsequenzen waren absehbar: Niemand kümmerte sich mehr um den ÖV oder den Sozialwohnungsbau, da diese Ressorts den Quartieren übergeben wurden, welche sowieso kein Geld haben. Kriminalität und Verkehrschaos liessen die Leute aus der Stadt ziehen. Diese Suburbanisierung führte natürlich zu einem grösseren Verkehrsaufkommen in und aus der Stadt - und der Teufelskreis schliesst sich!

Anfang der 90er Jahre hat sich die wirtschaftliche Situation in England genau um 180° gedreht: Kaum hat man sich in London für Hochkonjunktur gerüstet (man denke an den Ausbau und die Umgestaltungspläne der Docklands oder von Kings Cross), haben die Nordenglischen Städte ihre Krise überwunden. Diese alten sanierungsbedürftigen Erz- und Kohlestädte haben eine Umstrukturierung erfahren, welche seinesgleichen höchstens im Ruhrgebiet findet - und das innert weniger Jahre. Das Ballungsgebiet Newcastle - bis vor 10 Jahren eine der rückständigsten und verslumtesten Regionen Nordeuropas ist heute das absolute Banken und Versicherungszentrum mit einer topmodernen Infrastruktur. Glasgow übertrifft heute durch die Investitionen im Informatikbereich (Silicon Glenn) den Reichtum Edinburghs bei weitem und die ehemals halbverfallenen und vom Smog zerfressenen Fassaden der Innenstadt sind zu 90% renoviert.

Handumkehrt hat der Süden Englands hohe Prozentteile des Bruttoinlandproduktes verloren und ist ins Hintertreffen geraten. Die höchste Arbeitslosigkeit findet man nicht mehr im Black County sondern an der Südküste und in London.

Mehr und mehr bildet sich auch in England landesweit eine Zweiklassengesellschaft - weitaus extremer als man es in Mitteleuropa befürchtet. Aus neuster Quelle (ein Liverpooler Student wohnte eine Woche bei uns) habe ich erfahren, dass es beinahe unmöglich sei, mit einem niederen oder sogar mittleren Einkommen eine zentralgeheizte Wohnung zu bekommen!!!! Staatliche Wohn- und Bürohäuser werden in einem solchen Masse vernachlässigt, dass die Situation für BenutzerInnen katastrophal wird. Diese Situation ist in London beinahe am extremsten ausgeprägt, da dort die Mietpreise sowieso schon unerschwinglich sind - v.a. für NeuzuzügerInnen.

Diese Situation hat auch dazu geführt, dass der Anteil an Tory-WählerInnen in den letzten Jahren v.a. in London sank - man erhofft sich von den Labor-Abgeordneten eine Wende zu sozialeren Verhältnissen, wie sie in den Sechzigern herrschte. - Man kann nur hoffen...

Trotzdem gibt es auch einige Vorteile Londons anzuführen:

Du wahrst natürlich fast ausschliesslich in der City of London und Westminster - Borroghs in welchen beinahe niemand wohnt, aber dafür Arbeitsplätze für Hunderttausende bieten. Hier läuft das geschäftige und kulturelle Leben ab. Aber der grösste Teil der Stadt besteht aus immensen (im ersten Augenblick) öd und trostlos scheinenden Wohnquartieren. Doch die englische Stadtplanung ist der unseren (meiner Ansicht nach) weit überlegen. Das Konzept ist einfach: Allen ihr eigenes Reihenhaus mit 2 Stockwerken, mit Vor- und Hintergarten, platzsparend entland von Quartierstrassen, meistens in einem Geviert angelegt. Eigentlich ist so allem Genüge getan und die Städte wuchern nicht so wie bei uns (scheinbar) ziellos in die Landschaft hinein und grosse Grünflächen dienen als Naherholungsraum und Naturparks.

In den 20er und 40er Jahren hat man bereits auf Suburbanisierungstendenzen Rücksicht genommen und den sog. Metropolitan Green Belt in 12-20 Meilen Abstand zum Londoner Zentrum angelegt. In diese Zone hinein dürfen seither keine grossen Industrie- oder Wohnareale gebaut werden. Als Ausgleich hat man einige New Towns gegründet - Ausleger der Stadt konzipiert für eine Bevölkerung von je bis 50'000 Menschen (entspricht etwa der Agglomeration Schaffhausens oder Locarnos!). Diese sollten - von London unabhängige - Arbeitsplätze schaffen und ein breites Angebot an Unterhaltung und Versorgung bieten. Das Konzept hat nicht überall funktioniert, jedoch sicher einiges an der Entlastung der Stadt beigetragen.

Das grösste Problem (wieder eines...) bleibt jedoch der Verkehr. Vor einigen Jahren hat British Rail privatisiert mit dem Ergebnis, dass der Landesteil über eine eigene "Bahnfirma" verfügt. Die Zusammen arbeit ist so mies, dass eine Transitreise durch London beinahe unmöglich ist: (selber erlebt)

Wir wollten zum Beispiel im letzten Juni von L. nach Canterbury und erkundigten uns in der Paddington Station nach Fahrplan und -Preis. Da wurden wir zuerst nach Victoria (am andern Ende der City!!) geschickt, da hier eine andere Firma zuständig sei. Dort angekommen wendeten wir uns mit unserem Anliegen an einen Beamten am Schalter - dieser wies uns an einen weiteren Schalter am anderen Ende des Bahnhofs, da es sich um eine Linie handle, für die er nicht zuständig sei! Kein Wunder hat der Modal Splitting (ÖV%) drastisch abgenommen. Fazit: die Bahn- und Busbetriebe sind eine Zumutung und der Individualverkehr staut sich stundenlang auf den Autobahnen und Strassenschluchten - also ebenfalls unzumutbare Verhältnisse.

London schaut also einer traurigen Zukunft entgegen. Doch vergessen wir nicht das grosse kulturelle Angebot, die wunderbaren Parkanlagen, die alten Monumente, die geselligen Märkte, die soziale Einstellung (es würde niemandem in den Sinn kommen, Privathäuser zu besprayen oder zu beschädigen), die Freundlichkeit der Leute (erinnere Dich an die Punks mit ihrem stillen Protest und die einem weiterhelfenden Businessleute) und nicht zuletzt das unglaubliche Angebot in den Läden (auch wenn sie keinen SPAM bieten...), welches einem zu richtigen KonsumEnten stempelt!

So muss doch gesagt werden: London's calling - und wir folgen gerne Deinem Ruf!

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Very Well Not Played - Bologna, Juni '96

1.TEIL: "Von Reise, -wetter und kulinarischen Tiefflügen"

Die Hinreise führte uns unweigerlich über den Gotthard. Die Emilsche Story vom Chileli vo Wasen erfuhr einen neuen Höhepunkt, als wir 2 Deutschschweizer einem Rudel Pakistani erklären mussten, weshalb man dieses Bauwerk dreimal bewundern kann... Vom Haupttunnel habe (nicht nur ich) überhaupt nichts mitbekommen - plötzlich fanden wir uns in der Leventina wieder! Das Clichee der Wetterscheide hat sich einmal mehr nicht bewahrheitet und ein trübgrauer Himmel begleitete uns bis beinahe nach Bologna. Dasselbe Naturphänomen konnten wir auf der Rückreise beobachten - nur von heftigen Regengüssen und Kälte begleitet. An und für sich hatten wir aber in Bologna Wetter"glück", was sich als fortuna relativa erweist, wenn man bei 32° im Schatten 5h an der Sonne auf einem Spielfeld herumzustehen hat...

  • Bemerkung: Esst nie in Italienischen Speisewagen!

  • Begründung: Ihr bekommt nur ein 45.- Menü an 6 Gängen ausser man hat gute Nerven und eine grosse italienische Spracherfahrung - dann gibt's vielleicht nur die ersten 2 Gänge. Übrige Bestellungen, auch wenn sie auf der Karte stehen, werden unter irgend einem Vorwand nicht entgegengenommen (-> Cleese'sches Cheese-Shop-Syndrom).

Das Hotel in "Bologna" lag 15km vom Stadtzentrum entfernt mit letzter Busverbindung um 20:00, besass eine schöne Aussicht (oder Aushorcht?) auf die internationale Bahnverbindung nach Rom (Distanz Hotelzimmer-Bahnlinie 80m!), einen Swimmingpool mit Rutschbahn und Disco bis Morgens um 3:00 - natürlich nur dann, wenn am nächsten Morgen um 9:00 ein Match stattfand und wir Schlaf benötigten... Das Abendessen bestand immer aus Pasta, falsch definiertem Fleisch und kein Salat oder Gemüse - natürlich nicht synchron. Vegetabile waren da noch mehr am verhungern als Carnivore. Das Frühstücksbuffet sah fantastisch aus - leider war es nicht für uns bestimmt: eine Tasse kalter Kaffee und ein Brötchen vom letzten Abendessen mussten für den Morgen reichen. Das Beste aber war das Mittagessen auf dem Spielfeld: das Hotel liess uns je ein Sandwich schicken, das Brot war jedoch bereits 2 Tage alt und die Ingredienzien waren undefinierbar, falls man sie per Zufall fand - es lebe die italienische Gastronomie!!

  • Bemerkung: Habt Geduld Leute! Schnecken werden hier nicht serviert - sie servieren selbst!

  • Begründung: Bei oben genannten kulinarischen Höhenflügen war es unumgänglich, bei jeder Gelegenheit in die Stadt zu fahren, um sich zu ernähren. Leider war auch hier das Bier 6.- teuer und der Kaffee kostet ebenfalls über 4.- aber dafür war man mal weg vom Geschütz. Die italienischen Garçons müssen jedoch einen speziellen Kursus besuchen indem sie geschult werden, statistisch zu erfassen, was ein hungriger Gast alles an Zeit über sich ergehen lässt, bevor er zur Blumvase greift, den Inhalt verzehrt und besagtes Gefäss dem Ober um den Grind tänglet! - der zweite Kurs ist selbstverständlich ein Verteidigungs- und Reaktionslehrgang.


2.TEIL

Da auf meine Anfrage nach dem Bedürfnis zur Kenntnis der Cricketregeln ein solcher Ansturm Eurerseits folgte, dass die Mails sich anscheinend gegenseitig blockierten und gar nicht zu mir durchdrangen, folg einleitend das Versprochene Sonderkapitel

2.1 "The Laws of Cricket and how to abuse them"

Um das Sport Cricket besser zu verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass die Spieler gar nicht als Sportler bezeichnen und Cricket mehr eine Lebenseinstellung denn ein Mannschaftssport ist (was auch die poetische Sprache der Timesreporter bei Reportagen beweist). Z.B. wurde in den letzten Jahren nie ein Fan bei Auseinandersetzungen verletzt (nicht, dass es keine Zuschauer geben würde) - dafür ist die Verletzungsgefahr bei den Spielern so hoch, dass bereits diskutiert wird, Liveübertragungen von Meisterschaftsspielen künftig zu unterlassen, da sie nach englischem Recht in das Ressort Brutalo fallen würden.

Bei unserem Turnier wurde ein Schwede so fest von einem Ball an der Schläfe getroffen, dass er nicht einmal mehr wusste, welchen Wein er am Vorabend getrunken hatte - und der musste ins (nahegelegene) Spital gebracht werden. Ein Italiener brach sich das Bein bei einem Rennen um die Wurst und zahlreiche Spieler mussten ambulant behandelt werden (diesen Service liess ich mir natürlich auch nicht entgehen). Dabei sieht das Spiel für einen Laien zum hm kotzen langweilig aus: Es stehen Leute rum und brüllen wenn nichts passiert. Falls ein sogenannter "Batsman" von der gegnerischen Mannschaft rausgeworfen wurde, wird ihm gratuliert um danach dem Bowler, welcher für das Spektakel verantwortlich war zu gratulieren, indem man sich in einem Haufen auf ihn stürzt - aber ich glaube 76% von Euch Buggers ist bereits auf der Strecke geblieben, deshalb zurück zu den Regeln:

+++++++++++++++++++++++

+                                           +  Das ist in etwa das Spielfeld ca. 100*100m

+                                           +   

+                                           +

+        §                                 +   # das sind die Wickets wo die Batsman mit dem Schläger stehen

+         **********              +   Ein Wicket besteht aus 3 Stöcken (ja genau!)

+         #   <->      #                +     

+         **********              +

+                                           +  Zwischen den Wickets wird nach dem Abschlagen des Balles um Punkte gerannt (=1 Run)

+                                           +  ein guter Run wird vom Publikum mit "good running" quittiert

+                                           +  

 +++++++++++++++++++++++  

Und jetzt ganz einfach:

  • 10 Leute der einen Mannschaft steht verstreut im Feld und muss Bälle fangen

  • 1 Bowler (§) ebendieser Mannschaft wirft den Ball ans andere Ende des *****, dem Batsman der gegnerischen Mannschaft entgegen (beim #)

  • Dieser schlägt den Ball möglichst weit dem Boden entlang weg und rennt los der andere Batsman am gegenüberliegenden Ende rennt ihm entgegen (Abstand beim Kreuzen miteinberechnen!) -> Good Running!!

  • Wehrt der Batsman den Ball mit dem hintern Bein ab, ertönt ein fürchterliches Alouattageheul der Gegenmannschaft, so etwas wie Aouuooaa!! Dies ist eine Frage an den Umpire (Schiedsrichter) und bedeutet "How was that?"- Der angesprochen schüttelt den Kopf oder zeigt ihnen den Dreckfinger. Geschieht letzteres, geht das Geheul von vorne los und der Batsman muss raus, da er einen Fehler gemacht hat. Entsprechend wird er ausgewechselt, falls das Wicket getroffen oder ein Ball aus der Luft gefangen wird.

  • Falls der Ball rollt, versuchen ihn die "Fielder" zu fangen und zurückzuwerfen um so die Runs zu stoppen -> "Well done!" (oder auf Urdu: Shabash!! ≠ Habasch!!!). Wird der Ball nicht gestoppt und rollt aus dem Feld, gibt dies 4 Runs. Fliegt er direkt über das Spielfeld hinaus, erhält die Mannschaft der Batsmen 6 Runs. Trifft er dabei noch einen Zuschauer der gegnerischen Mannschaft gibt es ein Gejohle - wird jedoch der eigene Captain erschlagen, muss der Schuldige mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 2598 Overs rechnen...

  • Nach sechs geworfenen Bällen wird vom anderen Wicket her geworfen, das nennt man "Over"

  • Sind (in unserem Falle) 40 Overs (=240) Bälle geworfen oder alle Batsman wurden wegen Fehlern ausgetauscht, wechseln die Mannschaften die Positionen: nun batten die einen und fielden die anderen. Das dauert so um die 4-5h.

WICHTIG: Nach 20 Overs gibt es eine Teepause und beim Wechsel schreitet man zum Lunch - das ist offiziell!!

Noch Fragen?

Wieso: "How to abuse them"?

Die Organisation in Bologna war derart mies und subjektiv, dass wir leider keine Chance hatten zu gewinnen. Beweis:

§1: Nur der Schiedsrichter kann entscheiden, ob ein Batsman "out" ist oder nicht -> bei uns gab's im Halbfinal 3 Fehlentscheide, welche sogar von der Gegenmannschaft bemerkt wurden.

§2: Die Spiele wurden einfach umgeschoben, nachdem klar war, wer im Halbfinal stand -> Das Halbfinal unserer Mannschaft wurde auf 12h nach unserem letzten Spiel verlegt, während unsere Gegner 1.5 Tage Ruhepause hatten. Da diese (Berlin) als schwächer eingestuft wurden, hätte die Heimmannschaft im Final viel grössere Chancen. Begründung des OKs: die Italiener müssen halt arbeiten....!

§3: Im anderen Halbfinal standen 2 italienische Mannschaften. Diese sollten nun sogar nicht einmal gegeneinander spielen, sodass mit grösster Wahrscheinlichkeit ein Italen-Italen-Final zustande kommt. Dieser Schritt konnte glücklicherweise noch verhindert werden.

§4: Ich weiss nicht was die Italiener zu essen bekamen, aber nach unserem Food zu schliessen: Spaghetti Bolognese, Salatteller und Pizza gigante!!

2.2 "Wie man als Gastgeberland Euro-Champion wird"

Beim Studium des letzten Kapitels ist diese Frage wohl eindeutig geklärt: Cesena bezwang Berlin in 3h spielend.

Anmerkung: Im Entscheidungsspiel für den Halbfinal siegten wir über die "Champions" mit 252 zu 248 Runs!!

Auf die mental-gesellschaftliche Atmosphäre und den social behaviour warf diese Diskrepanz zwischen Spielfreude und Unfairness dementsprechend ihren dunklen Schatten: Es kam zu schweren Depressionen, gegenseitigem Ausgrenzen infolge Schuldzuweisung und Ehekrach. Zum Glück konnte man auf Dr.med.psych.soz. M.D.Roth zählen, der sich natürlich nach der Behandlung der Seelenschmerzen selbst in Therapie begeben musste - an der Hotelbar...

Wer es noch interessiert: 10 Mannschaften waren für den Championship angemeldet (2 aus Italien, je eine aus D, F, L, B, E, CH, S, DK), 4 wurden zum Vornherein disqualifiziert, da sie die Bedingungen nicht erfüllten oder den Beitrag nicht gezahlt haben und die Franzosen verschwanden auf noch ungeklärte Weise auf dem Weg nach Bologna. So kann sich Cesena sicher stolz als Meister bezeichnen, wenn es noch soviel Beschiss geben musste um aus 5 Mannschaften zur besten gekürt zu werden...


3.TEIL: "Wein, Weib und Gesang"

Ja, ja da habt Ihr ja lange in Unkenntnis ausharren müssen bis nun endlich der langersehnte 3.Teil der Saga Bolognesa Licht in die Dunkelheit der öffentlichen Sphäre bringt. Aber ohne viel Umschweife durch Verweilen in dieser für manchen Leser wohl überflüssigen Einleitung möchte ich nun ad ibso zum nucleus reis vordringen und damit dem Ruf der Verzweiflung der in ingnorans res publica interessens lebenden Koliteraten zu folgen und meine Historie einem Ende entgegenzubringen, ohne letzteres blindlings Fortuna in die Hände spielen zu wollen. - Jetzt reichts! Hier kommt die Fortsetzung:

Was wäre eine Reise in den sonnigen Süden ohne diesen auch in vollen Zügen geniessen zu können. So verwundert es wahrscheinlich wenig, dass die Lage des Hotels sowie der Cricketground je über eine halbe Stunde per (spärlich fahrendem) Bus vom Zentrum des Sozialen und ökonomischen Zentrums der Regio Emilia Romagna entfernt, kaum auf allgemeine Heiterkeit stiess. Da die Cricketmannschaften ihrem Namen zu 97% auch noch gerecht wurden und diese die einzigen Gäste des Hotels bildeten (wen wundert's!?) fand man sich plötzlich in militärisch maskulin geprägter Umgebung wieder, was dazu führte, dass einige Teamkollegen in tiefe Depressionen verfielen - diese unterstützten sich zirkular kumulativ zusätzlich durch die Ereignisse wie im 2.Teil des Berichtes erläutert.

Was den Wein betrifft, so kann man einmal nicht klagen, denn dieser wurde wenigstens dem Herkunftsland gerecht. Auch Spirituosen konnten zu relativ humanen Preisen an der Hotelbar genossen werden. Man sollte einfach nicht auf die Idee kommen, seinen Frust in Bier zu ertränken, denn die Preise wurden anscheinend zu Ehren der Schwedischen Mannschaft ihren heimischen Preisen angepasst...

Der Gesang glich alles in allem dem Lament of the Q-Divison, nachdem unsere Qualifikation fürs Finale ins Wasser gefallen war. Da liess man sich dann doch lieber mit einer alkoholisierten Birne in der Disco von DJ besingen - bis zum bitteren Ende.

  • Bemerkung: 6h Sonne auf den Kopf + 5, 6 Biere in der Birn + Disco bis Morgens um 3 können creosolesche Effekte auslösen (ich habe gerade noch Glück gehabt).

  • Begründung: siehe Bemerkung!

  • Bemerkung: Black Russian top, Panaschee flop

  • Begründung: Der Barkeeper im Hotel verstand unter ersterem das selbe wie wir (welch Wunder!), unter zweiterem eine Stange mit Zitronenschnitz!

3.1 Zur Stadt Bologna:

Ich gehörte zu den Glücklichen und konnte deshalb ein paar Mal die Stadt besuchen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben - die Profis machen das schon richtig! So machte ich mich (nachdem mich der Shuttlebusfahrer unter keinen Umständen in die Stadt fahren wollte) mit meinen nicht vorhandenen Italienischkenntnissen, einem Fotoapparat und einigen Lira mit dem Bus auf den Weg in die Stadt. Auf Anhieb fand ich auch schon die Forresteria Erasmus in der Via Guerrezi und nach einigem Herumfragen auch Stella, meinen City Guide - weshalb auch allein und unter schwierigen Umständen die Sehenswürdigkeiten suchen, wenn man eine alte finnische Freundin dafür engagieren kann!

Stella studiert seit 10 Monaten in Bologna, kennt einige Pubs, Sehenswürdigkeiten und Leute und konnte mir deshalb auch einiges zeigen. Mein so erlangtes Wissen konnte ich meinerseits wiederum dazu verwenden, meine Teamkollegen durch die Stadt zu führen. In diversen Pubs versuchte ich auch die Besitzer zu überreden, statt nur immer die langweiligen Fussballbilder besser oder zusätzlich eine heimische Cricketmannschaft aufzuhängen (nicht wörtlich - also bitte!!). Dieser Vorschlag kam jedoch nicht sehr gut an, komisch!

So nun aber zur Stadt: Berühmt ist sie v.a. durch ihre Universität (die erste der Welt), der grössten und besterhaltensten Altstadt Europas und ihren Adelstürmen. Das Wahrzeichen und gleichzeitig der Mittelpunkt der Altstadt bilden 2 schiefe Türme: der eine ist 94m hoch und hängt 2.6m über, der zweite ist 46m hoch bei einer Schiefe von 4.5m (und da will noch jemand nach Pisa!). Den höheren Turm kann man besteigen (1100 Treppenstufen), Stella riet mir jedoch davon ab, nicht nur weil dies den Studierenden Unglück bringt, sondern auch um einen Herzkollaps zu vermeiden (nehme ich an). Die Stadt hat noch eine weitere Spezialität aufzuweisen: einen fürchterlichen Smog und Autoverkehr - und damit zum nächsten Abschnitt:

3.2 Die Einwohner:

Drei Dinge kennzeichnen die Einheimischen:

  • Das Auto

  • Das Mobiltelephon (Bem: zur Erinnerung - wir schreiben das Jahr 1996)

  • Die absolut fehlende Beziehung zur Umwelt

Das Verhältnis zum Auto lässt sich mit demjenigen der Norweger vergleichen: schnelles und aggressives Fahren charakterisieren den Italo gleich wie das Laufen lassen des Motors während des Einkaufs, dem Restaurantbesuch, dem Schlafen und sogar des Fahrens.

Ich hatte immer schreckliche Vorurteile gegen Finnen, die nicht ohne ihr Mobile Phone auskommen - ich entschuldige mich in aller Höflichkeit bei diesem Volk, denn ich war noch nie in Italien! Wo bei uns an den Wänden Werbung für Waschmittel und Zigaretten hängen, zieren die Italiener diese mit Natelreklamen (dasselbe gilt für Fernseh- und Radiowerbung). Auf dem Cricketground herrscht während eines Spiels ein fröhliches Piepskonzert und einige Angefressene tragen sogar 2 oder 3 dieser Attribute mit sich rum. Wer dies nicht glauben mag, soll eine ex-ante Evaluation auf eigene Faust durchführen!

Die Beziehung zur Umwelt unserer südlichen Nachbarn ist sogar im Norden des Landes so katastrophal, dass sich jeglicher Kommentar erübrigt (siehe auch Punkt 1).

Bei eventuellen weiteren Fragen wende man sich an den Alpine Cricket Club Zurich oder direkt an den Präsidenten Richard Thomas, Gemeindestrasse 19.

Ich danke für die Aufmerksamkeit

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Boston, Sept. 96

Nun bin ich endgültig wieder zurück aus dem Land der beschränkten Gemüter (oder wie heisst das schon wieder?). Bis jetzt hatte ich keine Zeit, Eure Mails genauer anzuschauen und zu kommentieren, vor allem nicht die romanhaften... (immerhin waren es etwas 30 in einer Woche und kaum ist man zurück, wollen natürlich alle Institypen etwas von einem!!), werde dies jedoch im Laufe der Woche nachholen.

Boston ist tatsächlich einen Besuch wert, eine Woche war da gerade recht knapp. Die Stadt ist eine der ältesten und grössten des Landes und gilt als die Wiege der Amerikanischen Freiheitsbewegung (Boston Massacre, Tea Party etc). Dies lässt sich nicht nur aus den Touristenattraktionen und Museen ableiten, sondern wird auch anhand der unterschiedlichen Quartiere und Vororten sichtbar:

Cambridge ist Sitz der ältesten Universität (Harvard, seit 1636). Ein Viertel der Einwohner sind dort Studierende (25000), das heisst der Rest der Bevölkerung muss sich um das Wohlbefinden derer kümmern... Der Harvard-Campus besitzt zahlreiche Buch- und CD-Läden, so ist es nicht verwunderlich, dass Jenny und ich innert weniger Tagen 84! CDs und einige Dutzend Bücher gekauft haben (wir werden uns in den nächsten Monaten nur noch von Wasser und Brot ernähren können!). Tg ist noch ärmer dran: den ganzen Tag hindurch hat er im Museum gearbeitet und Abends alle Läden abgeklappert, dergestalt dass er nun vor einem riesigen (wörtlich) Transportproblem steht... Aber Cambridge hat noch anderes zu bieten: auf den Strassen herrscht ein extrem reges Treiben. Strassesmusikanten überall und die Studenten machen momentan eine Punk- und Hippiephase durch, was sich auch anhand der Ware niederschlägt, welche in den Läden erhältlich ist. Vor der Universität steht übrigens eine grosse Statue:

John Harvard

Founder of the University

1634

Erstens: Das Datum ist falsch, zweitens: dies war nicht der Gründer und Drittens bildet die Statue nicht einmal John Harvard ab!! Soviel zur renommiertesten Universität Amerikas!

Boston Downtown unterscheidet sich nur unwesentlich von anderen amerikanischen Stadtzentren und besteht dementsprechend aus zwei Dutzend Bürohochhäusern. Trotzdem findet man auch dort noch Relikt aus alter Zeit, wie der Markt (ähnlich Covent Garden, London), das Ratshaus und einige Kirchen und Wohnhäuser, die die Modernisierung vor allem deshalb überstanden, weil sie in irgend einem Zusammenhang mit der Unabhängigkeitsbewegung zu tun haben (dort hatten sie sich zur Boston Tea Party verabredet, jenes war das Wohnhaus eines grossen Helden etc.).

Das Nordende der Halbinsel, die das Zentrum bildet, liegt ein altes Quartier, das vor allem anscheinend von Italienern bewohnt ist. Trotzdem ist der Stil der Gebäude deutlich Angloamerikanisch (Irisch?) geprägt: 3-4-stoeckige Wohnhäuser mit einem Laden im Erdgeschoss, ähnlich wie man sie aus den alten amerikanischen Grossstadtfilmen kennt.

Das wohl schönste Viertel ist jedoch das an die Downtown angrenzende Beacon Hill: Ein altes, ruhiges Wohnquartier wie aus dem letzten Jahrhundert mit Gaslaternen (echten!) und alten, efeuüberwachsenen Backsteinhäusern mit schmiedeisernen Balkonen und Treppenaufgängen. Wenn nicht die ewigen parkierten Autos wären, könnte man auf den Gedanken kommen, Sherlock Holmes wurde in einer Kutsche um die Ecke biegen...

Die Gegend um die Newburystreet, Back Bay genannt, entstand (wie der grösste Teil der Stadt) im 19. Jahrhundert durch Landgewinnung aus dem Meer und den Flüssen und kann mit der Zürcher Bahnhofstrasse verglichen werden: die teuren Boutiken und exklusiven Restaurants sind wohl eher für die Oberschicht gedacht. Trotzdem findet man gerade am Westende noch einige billigere Comic- und CD-Läden, sowie Antiquariate. Dieses Quartier, welches zum grössten Teil aus Reihen von viergeschossigen Backsteinhäusern aus dem letzten Jahrhundert und einigen Protzbauten a la Metropolis aus den 20ern besteht, wird von den zwei höchsten Wolkenkratzern der Stadt dominiert, beide um die 60 Stockwerke. Der eine ist besonders attraktiv, da er aus zehntausenden blauer Glasscheiben besteht, in denen sich die ganze Stadt spiegelt, egal wo man steht und vom Hauptplatz aus gesehen wirkt er wie ein riesiger (zweidimensionaler) Spiegel. Am letzten Abend haben wir es nicht nehmen lassen, vom obersten Stockwerk aus den Sonnenuntergang zu geniessen (wenn sich schon einmal die Sonne zeigt: New England trägt seinen Namen gerechterweise!!).

Unfreiwilligerweise haben wir noch das Quartier um die Spitäler begutachtet, denn, nachdem wir vergeblich versucht hatten, unser Hotelzimmer in Cambridge für weitere 2 Nächte zu buchen und alles voll war, blieb uns nur noch der Umzug, was auch nicht gerade ein leichtes Unterfangen ist, denn Boston ist an den Wochenenden stets voller Touristen und billige Hotels existieren schlichtweg nicht (Für die Amis selber ist Boston das teuerste Pflaster, na ja viele waren noch nie in Europa oder besser gesagt, unsere Lebenshaltungskosten sind für sie unvorstellbar und für viele unerschwinglich). Nun, unser neues Hotel war in einem Quartier, wo man 2km laufen musste um an einen Laden oder ein Restaurant zu gelangen - mitten in einem Techno-Industrie (ETH?) und Spital-Komplex.

Zu Boston selber: Die Stadt hat etwa 550'000 Einwohner, die Agglomeration jedoch etwa 4.5 Mio.!, denn wie die meisten amerikanischen Städte ist der Kern relativ klein und besteht aus Bürogebäuden, Industrie und teuren Wohngegenden. Die Leute selber leben in den Suburbs: Mehr oder weniger alte Einfamilienholzhäuser ohne Fundament säumen die Strassen ohne je ein Ende zu nehmen. Leitungen werden alle oberirdisch auf alten Telegraphenmasten geführt und als Ortszentrum dient oft nur ein Supermarkt mit einem riesigen Parkplatz davor. Wohnhochhäuser sind eher selten und dienen höchstens Studentenunterkünften oder sonstigen Sozialwohnungen. Die Leute pendeln fast alle mit dem Auto zur Arbeit in die Innenstadt, obwohl das U-Bahn- und Bussystem gut ausgebaut ist und die Strassen von Boston landesweit für ihre stetige Überlastung und Ampelkreuzungen berüchtigt sind. Leute, welche den ÖV benutzen oder auch Taxidriver können, nach unseren Erfahrungen auch nicht verstehen, wieso die Pendler dies alles auf sich nehmen, nur des Statussymbols willen. Die autoungerechte Stadt entstand aufgrund ihrer Geschichte:

Am Anfang, um 1600 befand sich Boston auf einer Halbinsel, welche nur durch eine schmale Landzunge mit dem Festland verbunden war (heute Washington Street) und bestand aus dicht beieinander liegenden Holz- und Steinhäusern. Erst im 18. und 19.Jh wurde die Stadt erweitert, indem man vor allem Hafenanlagen ins Meer baute (zur Zeit der Unabhängigkeit um 1776 war Boston der drittwichtigste Hafen des Englischen Reiches!) und auf dem neugewonnenen Land auf dem Fluss zu Cambridge Wohnquartiere errichtete (Back Bay). Das letzte grosse Unternehmen war der Flughafen: dafür wurde extra eine vorgelagerte Insel um zig Quadratkilometer erweitert. Heute erstreckt sich die Stadt Boston zu 60% auf neugewonnenem Land. 1894 wurde die erste U-Bahn Amerikas in Boston errichtet, das Auto war noch nicht serienreif und deswegen wurde auch keine Rücksicht auf den Strassenbau genommen als die Stadt sehr schnell aus dem Meer gestampft wurde. Erst in den 60er Jahren konstruierte man einige Umwahrungs- und Zubringerautobahnen, die relativ engen Strassen der Stadt waren jedoch dem Zufluss der Massen nicht mehr gewachsen und viele Quartiere wurden Opfer von Abrissaktionen für die Erstellung riesiger Parkhäuser, aber den Amis ist das Auto lieb und teuer und auch in einem Gewirr von Einbahnstrassen und komplizierten Kreuzungen ist es anscheinend doch die Mühe wert, direkt vor dem Büro parkieren zu können... Na ja, ich finde, in verglichen mit Rom oder Bologna haben's die Amis noch gut in dieser Hinsicht.

Die Bostonians sind ja eigentlich für ihre Prüdheit und ihren puritanischen Konservativismus berüchtigt in Amerika, dazu muss aber gesagt werden, dass die Leute sehr zuvorkommend und hilfsbereit sind (einige wenigstens). Es gibt aber auch Ausnahmen: Hotelpersonal (nicht hilfsbereit, unfreundlich und will Morgens um 8:00 Zimmerreinigung vornehmen!! und Taxiunternehmen (nicht die Fahrer!), da man bis zu einer Stunde warten muss, bis mal das bestellte Fahrzeug anrückt, auch wenn es nur einen Weg von wenigen 100 Metern hätte machen sollen! Zuverlässig ist jedoch der Wetterbericht (es stimmt IMMER das Gegenteil von dem, was gesagt wird - Jenny hat dies auch schon vorher über Wochen verfolgt, die Empirie ist erschlagend!).

Die Amis sind übrigens ganz kunstverrückt unter besonderer Berücksichtigung von Monet und anderen Tüpfchenscheissern: In allen Hotels hangen mindestens zu 40% Seerosen oder Mohnfelder an den Wänden; um ins Museum of Fine Arts zu gelangen, muss man eine halbe bis eine ganze Stunde anstehen und die Kunstabteilung der Bücherläden ist grösser als alles andere und zu 60% den Impressionisten gewidmet. In den Geschäften wird man überall mit Mozart und Bach berieselt - mit Ausnahme der Spielwarengeschäfte, wo man länger als 10 Minuten kitschigstem Disneykindergesang ohne Schaden zu erleiden nicht ausgesetzt sein kann (Die Angestellten kommen nach 5 Jahren in den Genuss der Frühpension und erhalten psychiatrische Unterstützung). Aber länger möchte man dort auch nicht verweilen: Alles fürs Kind muss folgenden Regeln gerecht werden: Plastik, knallbunt, batteriebetrieben, neuste Fernsehhits, nicht für über 10 Jahre geeignet. In diesem Land aufzuwachsen muss der blanke Horror sein, denn auch das Fernsehen ist nur von kitschigen werbeunterbrochenen Familienserien, oberflächlichen (meist unwahren, zensurierten!) Nachrichtensendungen und fürchterlichen Shows erfüllt, dass man mit Schweine-, äh Schreinemakers und anderen Kotzbrocken auf unseren Privatsendern noch zufrieden sein kann! Dies steht im amerikanischen Way of Life im krassen Gegensatz zu dem oben beschriebenen Kunstverständnis: Entweder so oder so - etwas anderes gibt's nicht! Das ist vielleicht auch der Grund für dieses zu erkennende Punk-Revival(??!).

In mehreren Läden waren wir auf SPAM-Jagd, haben aber schlussendlich bloss 5 grosse Büchsen gekauft, das reicht wohl bis im Oktober! In einem Geschäft wurde ich gefragt, ob ich denn bei der Army sei, wenn alles was ich zur Kasse bringe bloss SPAM ist. Aber dann hat er gelächelt und zugegeben: "Me Fambly lives on Spam!"

Ähm, ich habe mich über die romanhaften Meldungen beschwert - ich ziehe dies hiermit zurück... Ich wollte ja auch nicht so viel schreiben, aber dann kam es einfach über mich und...uäh-hi-hooe-grrr-sniff-UAAAAAAAAHHHH!

Dr. Boris Einlauf, Psychiatrische Klinik Königsfelden i.V. Markus "Pfil" Roth

PS: Wenn er sich brav benimmt und täglich seine Tabletten isst, darf Herr Roth wieder ans Mail um Zusätze und Ergänzungen zu schreiben oder eventuellen Nachfragen zu antworten.

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New York, Okt. 96

von Stefan Spörri und Markus Roth

Da kommt er nun, der ultimative Report direkt aus dem Herzen von NYC:

Do. 10.10.

Das letzte mal husch in die Bude, dann ab auf den Flieger, wohin mich Regina freundlicherweise begleitet. Das Gepäck ist unerwartet leicht. Geld muss her und zwar subito, den SBB sei dank, denn VISA macht's im Amiland alleine nicht. Der Stempel ist unten, ein letzter Blick Richtung Lägern (die man zwar nicht sieht) und ab nach Paris. Nach der dortigen Landung ein Blick in Pfils Reiseführer und die Vorfreude steigt nochmals um ein paar Grad. Der Flug dann über unendliche Wolkenpakete bis weit in den Atlantik hinaus, der amerikanische Kontinent präsentiert sich dann frisch verregnet, aber in Sonnenschein, es ist erst 18 Uhr Lokalzeit. Treu nach Reiseführer nehmen wir nur ein yellow cab, der Fahrer stellt dennoch regelwidrig seinen Zähler ab. Er hat jedoch ein Netzwerk zu anderen indischen Fahrern geknüpft, sodass er sich seinen Weg um den Stau durch Quartiere Brooklyns bahnt, sehr anschaulich. Von einer Riesenhaften Brücke über den East River sieht man SIE dann erstmals, echte, amerikanische, turmhohe Wolkenkratzer, es ist gerade noch halbhell. 10 Pfil holt Jenny, da passiert das Unvermeidliche: Schermerhorn wird zu Skermerhorn, der uns seitdem treu durch die Stadt geleitet. Abendessen im Columbia-District.

Fr. 11.10.

Übernachtung in Jennys Apartment mit der Absicht, ev. in ein Hotel zu zügeln. Kein Jet-lag, nur ein letzter Albtraum an die verflossenen Zeiten: Ein letztes mal werde ich im Traum daran erinnert und erwache schweissgebadet und warne die Mitschläfer lauthals vor den Gefahren, die lauern. Wieder beruhigt, macht um 05.30 die Heizung einen Radau, ich meine jemand klettert die Feuerleiter empor und will einbrechen. Auch diese Sache flaut einmal ab, aber um 0530 machen wir mit einer weiteren NY-Persönlichkeit Bekanntschaft: Der demolition man macht seinem Namen alle Ehre und zertrümmert um 06.30 lautstark alles, was er in der Strasse finden kann. Der 1. Tag in NY ist dem American Museum of Natural History gewidmet, dieses ist u.a. durch seine fantastischen 3-dimensionalen Diarien von Tieren in ihrer natürlichen Umgebung berühmt. U.a. waren Kodoos zu bewundern. Danach ab in die Beiz, wo der erste und einer der letzten Hamburger verdrückt wurde mit dem Ergebnis, dass uns der halbe Nachmittag schlecht war. Dann ab ins Guggenheim, dort hingen nebst einem Haufen Chagalls die Werke von MR. Canvas unlimited. Man konnte sie nur aus grosser Distanz betrachten. Ein Marsch durch den Central Park, vorbei am Imaging Mahnmal (vis a vis Dakota Hotel) und durch die Upper West Side beschloss den Tag. Essen mit Jenny wieder im Columbia District, unten drin gab es eine Performance, bei welcher jede/r Besucher mitmachen musste. Wir liessen es sein und gaben uns statt dessen dem Bier im Amsterdam Cafe hin.

Sa. 12.10.

Mit Jenny ab an die Canal Street, wo es eine Masse von Billigläden gab, in denen man sich eindecken konnte. Echte Kameras gab es erst in der östlichen Verlängerung der Street zu kaufen, wo diese ins Chinatown mündet. Unter striktem Ausschluss der Marke Olympus kaufte ich mir eine Pentax 38-105 mm mit vielen Schikanen, z.B. extreme Kompaktheit, Datenrückwand, Panorama Mode etc. Das Modell war rund 200.- billiger als hier in Switzerland. Den Rest der Truppe traf ich beim Washington Square Park, nach einem Marsch durch Chinatown und little Italy. Neben dem Park erstreckt sich das Greenwich Village, dem wir nun einen ersten Besuch abstatteten um Jazzlokale auszurekognoszieren. Abendessen zu viert, etwas chinesisches, dann zu zweit (Wer war wohl dabei?) genaueres Ausrekognoszieren des GV: Insgesamt waren es wohl an die 6 Pints Beer, die da weggingen. Ein Teufelskreis tat sich auf: Jedes Mal, wenn man zur Beiz herauskam, musste man wieder schiffen gehen, ein WC ohne Konsumation aufzusuchen ist jedoch unmöglich, also.... Im Angesicht von Skermerhorn musste ich dann doch noch, die 119th herauf schaffte ich es nicht mehr, wie peinlich.

So 13.10.

It's Columbus Day: An der 5th Avenue paradierten die nach den USA eingewanderten Ethnien, 1. mal massiertes Auftreten des NYPD (sog. Sau-smier). Im vor Geld strotzenden Trump-Tower eingekauft, dann endlich, die Wolkenkratzer um das Rockefeller-Center. Erdrückend hoch, und das schon 60 Jahre alt! Mittagessen im planwirtschaftlich geführten Harley-Davidson Cafe. Besuch des MOMA, Museum of Modern Art, äusserst eindrücklich auch dieses Museum, dann wieder Treffen mit Jenny im Strand-Bookshop, alles riesenhaft, einfach amerikanisch, es gefällt mir immer mehr, so mit der grossen Kelle angerichtet. Essen dann in einer Trattoria, dann hielt ich's nicht mehr aus: NYC by Night musste sein, also ab aufs Empire, grandiose Aussicht in das Häusermeer. Nun war man richtig in NYC! Übernachtung in Jennys Apartment, Pfil&Jennys störte Kudus und meine Anwesenheit mit gewissen akustischen Auflagen wenig, uns passte es auch sehr gut, also Hotel Pläne fahren lassen und sich breit machen, nicht ohne ein Kissen eingekauft zu haben.

Mo. 14.10.

Mittagessen in der Columbia Mensa, alles sehr gut, aber privatisiert und entsprechend teurer. Wiederum strahlendstes Wetter, kein Wölkchen, so sollte es bis am Freitag noch bleiben. Ab in den Süden, Fahrt zur Statue of Liberty, die Dame gelangte auf abenteuerlichen Wegen in die USA. Weiterfahrt zur Ellis Island, wo's im Angesicht der Postkartenperspektive ein Mittagschläfchen gab. Zurück nach Manhatten, Schluchtenwanderung durchs Financial District an die Wall Street: Die ökonomische Macht, die sich da ballt, erschlägt einem fast körperlich. Ab aufs WTC, grandiose Aussicht, sich-in-Frage -stellen der ökologischen Anstrengungen der Schweiz, bei 15(!) landenden und startenden Flugzeugen gleichzeitig auf den 3 NY Flughäfen. Dort ist ein Verbrauchspotential angesiedelt, welches alle Massstäbe sprengt! Fahrt vor das Lincoln Centre of Performing Art, extrem eindrücklich die Leichtbauweise der Kulturpaläste. Im japanische Rest. ein sushi gegessen, eine Premiere für zumindest mich. Letzte Biere in der Amsterdam Bar, wo sich die YANKEES grad in die oberste Liga einschossen. Grosse Begeisterung.

Di 15.10.

Peinlicherweise verspäteter Zügelversuch, Jenny hat schon alles erledigt, dann halt ab an den Times Square, langer Besuch von Virgin, den die Japsen aufgekauft haben. Knapp 3stündige Umrundung der Insel Manhatten, sehr spektakulär! Essen in der Restaurant Lane, etwas vietnamesisches. Mit Jenny ab zum Schererhorn, sie richtet sich auf eine weitere Nachtschicht in Serie ein, und wir geben eine Session zum Besten und gelangen immerhin bis 'Help'. Nach einigen Müdigkeitsanfällen will ich ins Bett und verlaufe mich gründlich im Gebäude, nach einigen Nachfragen und Umherirren im Heizungskeller doch noch ab an die 119th, in die Butler Hall.

Mi. 16.10.

Kauf einer Lederjacke an der 79th, die erste meines Lebens, natürlich zu billigen Ami-Preisen. Dann ab ins MET-Museum, die ägyptische Sammlung findet meine uneingeschränkte Begeisterung. Mit den Picassos könnte man die Strassen pflastern. Durchqueren des Cetral Park, man macht gerade Filmaufnahmen, oder vielmehr eine Pause. Ein Bikeladen ist gesichtet, leider weiss ich nicht die genauen Masse meines Rennvelos, sodass die wirklich günstigen Angebot links liegengelassen wurden. Ab ins GV, Essen unter Erlebnisgastronomie im Jacky's & Ride. Mitverfolgen einer Session im Visions, dann ab ins Orleans, alles war etwas leer, ein letztes im Polyester, dann ab aufs WC und sofort heim, um neue Unpässlichkeiten zu verhindern. Der 2.Abend im GV.

Do. 17.10.

Mit Jenny an den Central Park, dann in den Central Park Zoo: Dieser Zoo wurde erst 1986 eröffnet, er zeigt v.a. auch kleine Tiere sehr attraktiv und ist sehr empfehlenswert, auch wenn er nicht gross ist. Ab ans Rockefeller Centre, dort etwas in div. Läden. Meiner feinen Art entsprechend zieht es mich ins Waldorf Astoria, wo man mich sogar einlässt (he, he). An der Piano Bar geht es äusserst gepflegt zu, sodass ich flüchte. Draussen haben 4 TV Stationen ihre Kameras aufgebaut, mit einem flash zerstöre ich die Ansage, was mir ein Buddy &*! einträgt. Ein smier verrät, dass für das annual dinner heuer al Gore einfährt, und zwar an einem Seiteneingang. Fasziniert beobachte ich die FBI Agenten, wie sie wie selbstverständlich eine Kreuzung während der Rush hour absperren, mit einem Knopf im Ohr herumlaufen und ins Handgelenk sprechen. Meine Uhr kann das nicht. Al Gore kam dann in fast gewöhnlichen Autos. An der 5th erstehe ich mir im Sak's ein paar Designerschuhe, erstaunlich günstig. Das Sak's ist ein 8stöckiges Warenhaus, von oben bis unten gefüllt mit Designerartikeln, unglaublich. An der 46th gehen wir zu viert irisch essen, sehr authentisch alles, ausser die teuren Bierpreise. Wir erkundigen uns nach einem funkigen Tanzlokal, mit der Adresse im Sack geht's per Taxi mit max. 61mph durch Manhatten, e grobi Sach. Die Adresse war ein Flop, zu Fuss also die Bleeker Street runter durch ghettoähnliches Zeugs. Meine Hoffnung, doch noch ein brennendes Fass zu sehen, erfüllt sich dennoch nicht. Ennet dem Broadway geht die Post dann definitiv ab: The Bitter end überzeugt durch eine 9köpfige Funkband, mit einem Super bläser-set, leider ist die Performance viel zu kurz, dafür können wir noch ein wenig mit den Sängerinnen herumschwatzen. Die Nachfolgeband brachte geradlinigen, kernigen Rock, der jedoch zuwenig überzeugte. Also ab aufs WC und schnell ins nächste Lokal, das cafe whoa. Der Schallpegel war derart, dass uns als Bestellung statt eines pints ein Riesenkrug Bier überreicht wurde. Im Cafe whoa wurde äusserst guter Soul präsentiert. Ein Telefonat zum Reiher klappte aus technischen Gründen wohl nur halbpatzig. Das war der 3. Abend um GV. Mit knapper Not schafften wir es durch den Campus um uns um 03.30 ohne Schermerhorns Zorn zu erwecken, zu erlösen.

Fr. 18.10.

Sehr spät aus dem Haus, zum zmittag in die Mensa, dann ab an den Hudson River. Dort lag nebst anderem der Flugzeugträger Intrepid vertäut, der besichtigt werden konnte. Er war voll mit Flugzeugen bestückt, u.a. mit einer SR-71, die eigentlich überall hingehört, aber sicher nicht auf einen Flugzeugträger. Es war auch ein strategisches Atom-U-Boot zu besichtigen, das bis 1981 in Dienst war und eine grössere Sprengkraft als alle im WKII gezündeten Bomben mitführte! Am Broadway dann in ein von Jenny empfohlenes Chinesisches Lokal, sehr gut&nett alles, der Kellner kannte die Schweiz und zog die Ch-Alpen fürs Skifahren gar Aspen, Vain etc. vor. Freude herrscht! Mit dem unermüdlichen Kudu in diverse Pubs gezogen. Der 4.Abend im GV.

Sa. 19.10.

Schlafen bis 13 Uhr, dann im extremen Regen a la Schrattenflüh Richtung Rockefeller, man war nass bis auf die Knochen, aber es bereitete zumindest mir enormen Spass --> singing in the rain.... Die Strassen waren überflutet, die Taxis spritzten Fontänen. Weniger lustig war, dass die U-Bahnen ausfielen und innert kürzester Zeit kein Taxi mehr aufzutreiben war. Rockefeller Centre war erstaunlicherweise geschlossen, dann halt ab Richtung Macy's. Dort kauft sich Kudu eine Lederjacke !!! Obwohl doch Gore-tex Wetter war. Wegen Verkehrschaos zu Fuss durch den Regen Richtung Tower Records (CD-Shop, Treffpunkt mit Jenny). Wegen Regen Essen in einem schlechten Lokal, dabei war's der letzte Abend. Der Regen liess nach also hiess die Devise nicht nach Hause sich trocknen gehen sondern ab ins Bitter end, ein Bier genehmigen und sich in aller Ruhe trocknen. Die 1. Performance waren so Mädchen vom Land, welche Country Rock zum besten gaben, gut, aber nichts, das einem vom Stuhl riss. Bei der 2. ging's ab, es wurde sehr melodiöser Rock vorgetragen mit einer guten Show, e grobi Sach. Das bitter end T-shirt liess sich sogar auf 8$ herunterhandeln, perfekt. Alles hat jedoch ein Ende, deshalb nach einem ausgiebigen WC-Besuch der Trott Richtung U-Bahn wenn nicht, ja wenn nicht the blue note noch da gewesen wäre: Mit nur nur 5$ war man dabei, kein Konsumationszwang, es wurde eine wirklich super Jam-Session vorgetragen, wir fühlten uns wie Glückspilze, zum krönenden Abschluss doch noch ins blue note zu gelangen. Dann ab Richtung Schermerhorn, so etwa halb 5 wird's wohl gewesen sein.

So, 20.10.

Schön lang schlafen und ausgedehnt zmörgelen, dann der letzte shopping trip, zu viert ab an die 79th. Alle Läden sind offen, alle rammelvoll, wahrscheinlich wegen dem Gewalts-Regen vom Samstag. Nochmals Schuhe, Kinderspielzeug ist auch ganz billig, also Vorrat für Aline und David posten und ab ins thai Restaurant, zumindest ich war ganz begeistert vom Essen. Zurück in die Butler Hall und laut wehklagend nahmen wir Abschied von Demolition Man, von Schermerhorn, von NYC und von Jenny.

Fürs nächste Mal: Vorgängig nach Möglichkeit genauer spezifizieren, was man mittelfristig an hochwertigen Konsumgütern benötigt, dann gezielt einkaufen, ev. nach Konsultation der gelben Seiten --> der Flug ist finanziert. Allein die 'Ersparnis' beim Kamerakauf, die ich ja sowieso benötigte (nach dem Olympus-Debakel) betrug 1/4 des Flugpreises. Sonst war alles perfekt, ich bedanke mich herzlichst bei Jenny fürs Apartment, bei Pfil für die kompetente Reiseleitung, bei Kudu für die unermüdliche nächtliche Begleitung und beim Petrus fürs Wetter.


Nun haben wir doch mal einen schönen Führer durch das prächtige NY! Ich muss jedoch noch einiges anfugen und klarstellen, da sonst eventuell Reiher nicht drauskommt, ich hoffe, Du nimmst es nicht übel, wenn ich hie und da etwas korrigiere - es bleibt Dein Bericht und ich habe wirklich Freude daran! Zudem bin ich froh, dass Du Dich als Schreiber geopfert hast, jetzt kann ich darauf noch ein wenig aufbauen:

Der Stadtteil, den wir Flughafen nach Harlem durchquerten war hauptsächlich Queens. Der Flughafen liegt auf Brooklyner Gebiet, dem grössten Borrough: NY wird in fünf Borroughs eingeteilt: Manhatten (1.4 Mio), Brooklyn (2.5 Mio, auf Long Island, zusammen mit Queens), Queens (2.0 Mio), The Bronx (1.8 Mio, der einzige Stadtteil auf dem Festland) und Richmond, auf Staten Island (0.3 Mio). Die Brücke nach Manhatten, welche wir passierten war die Triboro Bridge, so genannt (Eigenkombination ohne Gewähr), da sie die DREI BOROUGHS Manhatten, Queens und The Bronx miteinander verbindet.

Schermerhorn: Jennys Büro liegt in der sogenannten Schermerhorn Extension der Columbia University, benannt wahrscheinlich nach dem New Yorker Architekten gleichen Namens aus dem frühen 20.Jh. Die Amis wissen mit sch leider nicht viel anzufangen...

Demolition Man: Das ist nicht Freund Arni, sondern eine Division der städtischen Müllabfuhr.

Canvas Unlimited ist übrigens niemand anderes als der berühmte Popart-Künstler Ellsworth Kelly aus den 50ern und 60ern - eine renommierte und angesehen Persönlichkeit aus der modernen Kunstszene, dessen Einfälle der Kunstwelt besser erspart gewesen oder zumindest in eingeschränkterem Masse überliefert worden wäre... Trotzdem steht er v.a. in Amerika mit seinen riesigen nurroten oder blossgelben Bildern auf einem hohen Podest neben Warhol, Man Ray oder Lichtenstein - s'set nid megli siii!

Imagine-Denkmal: Es handelt sich dabei um das Zentrum, des von Yoko Ono, an Erinnerung an ihren 1980 dort vor dem Dakota Building erschossenen Mann, gegründeten Strawberry Fields, einem Teil des Central Parks mit einer riesigen Vielfalt von Pflanzenarten aus der ganzen Welt, auch die Schweiz war anscheinend laut einer Tafel dabei beteiligt - an der Finanzierung des Parks, nicht am Mord!!!!

"Im Angesicht von Skermerhorn musste ich dann doch noch, die 119th herauf schaffte ich es nicht mehr, wie peinlich." Dazu muss bemerkt werden, dass dei 119W nach einer grossen Strasse tönt, dieser Abschnitt jedoch nur 80m umfasste und der Eingang zu Jennys Apartmentblock sogar nur60m entfernt lag vom Tatort.

Columbus Day: da sind wir einem Irrtum aufgelaufen, denn der Columbus Day ist am 14.10., wird jedoch vor allem von ethnischen Minderheiten in Frage gestellt. Die Vereinigungen dieser Bevölkerungsschichten haben deshalb am Vortag eine Art Sechserläuten der Hispansch-Puertoricanisch-Indianisch-Negroiden Vereinigungen aus allen 5 Borroughs durchgeführt - auf der Pfiffs, äh Fifth Av.

Zur Mensa muss noch soviel gesagt werden: Ein Fast-Foodstand am andern, nur eine kleine Abteilung "normales" Mensaessen. Am Schluss hat man mehr Abfall auf dem Tisch als man Food in sich reinfaste (kein Schreibfehler!), dieser türmt sich im Laufe des Tages auf. Berechnungen dürfen wohl keine angestellt werden, denn bedenkt man: 100e von Unis an 10'000 Studis landesweit, die in solchen Mensen essen und den Abfall hinterlassen - da tun sich Berge auf!

Zügelversuch: Mike, Jennys Laborfreund wollte einige Möbel und sonstige Sachen, die für die Uni nutzlos geworden sind und deshalb dem berüchtigten Demolition Man zum Opfer fallen sollten ein paar Hundert Meter in seine Wohnung schleppen. Am Vortag haben wir ihm grosse Versprechungen gemacht, 11:00 oder so kämen wir, das sei auch für uns möglich - war es jedoch nicht, immerhin ist 11:00 schon noch in aller Schermerhornsfrühe...

Virgin: Zurück in der Schweiz habe ich erfahren, dass der kurz vor unserer Anwesenheit eröffnet wurde und das grösste Musikgeschäft der Welt darstellt! Da in NY sowieso alles gross und protzig ist, fällt das gar nicht auf...

Wo ist denn das Jeckkys & Ride - ich glaube das müsste Jackyl & Hyde heissen, oder habe ich da einen Witz versaut? Übrigens sehenswert: "www.eerie.com"

Poly-Esther: eine 70er Jahre Disco wo die Leute lauter sind als die Musik und diese nicht mal speziell gut. Aber der Schuppen war auch unter der Woche am späten Abend voll - Amis! Leider wurde auch hier die wochenlange Suche Pfiffs und Kudus nach dem sprichwörtlichen Date nicht von Erfolg gekrönt.

Blue Note: wahrscheinlich weltweit DAS Jazzlokal mit allabendlicher Unterhaltung. Für einen Tisch zahlt man normalerweise 40$, Pfiffs Handelswut zu danken auch weniger...

Nun zu weiteren Reiherfragen, die dieses Mail in der Mitte erreicht haben, da ich glaube, Pfiff ist für den Rest der Woche offline:

Kriminalität: ist in NY nicht so gross, wie es uns Filme und Medien weismachen wollen. Nur ganz bestimmte Gebiete (South Bronx, East New York) sind gefährlich. Den Central Park würde ich jedoch bei Dunkelheit auch nicht freiwillig betreten weder allein noch in der Gruppe. Ist zwar besser geworden, trotzdem sind Bandenkriege nicht aus der Mode gekommen. Die Chance als Tourist überfallen zu werden ist in NY sogar einiges geringer als in den meisten amerikanischen Städten und vor allem als z.B. in Zürich oder Hamburg.

Fotos: Ich habe bereits 2 Filme (Papier) erhalten und Kudu und Pfiff gezeigt (nehme sie ans eventuelle PJ mit), einer ist noch in NY. Kudu hat auch ein paar Aufnahmen (Dias?) gemacht aber noch nicht entwickelt, Pfiff erhält seine (Papier) heute oder morgen.

Naivität: Das fürchtete ich letztes Jahr am meisten: die Oberflächlichkeit und Geldgier der Amis. Ich muss sagen, da ich nun auch Boston kenne und von vielen Kollegen verschiedene Dinge aus der Westküste oder zentralen Gebieten gehört habe: Die New Yorker sind einiges freundlicher, aufgeschlossener und menschlicher als die normalen Schweizer oder Deutschen und wahrscheinlich auch der meisten Amis (genau dasselbe was ich damals von den Zürchern erfahren musste im Vergleich zu den Aarauern - liegt vielleicht an der Grössenordnung der Stadt, aber vielmehr wahrscheinlich an der Multikulturalität). Aber eben, das Leben im Big Apple ist nicht zu vergleichen mit irgendwas - und sei es eine andere Ostküstenstadt wie Philadelphia, Boston oder Washington. Zum Beispiel Bettler: in Zürich wirst Du von ihnen beinahe überfallen und fühlst Dich vergewaltigt. In NY sind sie doch eher freundlich, zum Teil redselig auf positive Art, zum Teil introvertiert - aber die meisten bedanken sich herzlich, wenn man etwas gibt. In Zürich wird einfach genommen und gegangen, fertig! Aber um die Menschen richtig zu bewerten müsste man länger dort sein und an verschiedenen Orten, denn die vertikale und horizontale Migration ist sehr stark und so verändern sich Menschen, Orte und Situationen sehr schnell. Ich weiss nicht mehr wer das in hohem Alter gesagt hat: "Wer behauptet, er kenne New York, da er sein ganzes Leben hier verbracht hat, ist ein Lügner!" - Und dem kann wahrscheinlich niemand widersprechen.

Auch wenn NY sich nun wirklich weder mit Zürich noch mit Hamburg messen kann, auch hier lässt sich ein NY-Feeling herstellen, z.B. in der kulinarischen Vielfalt der Multikulturellen Restaurants im Kreis 4 oder den Touristenrummel um das Limmatquai oder dem Hamburger Hafen. Auch Veranstaltungen: Auch wenn NY viel bietet, so doch immer in bestimmte Richtungen (Musical, Jazz) - Vielleicht ist das Angebot bei uns nicht grösser, ob es jedoch weniger breit ist, würde ich mal bezweifeln. Trotzdem: Midtown ist nicht Manhatten und Manhatten ist nicht New York... Man muss viele Leute kennen und lange dort wohnen und das zu finden, was man sucht, vielleicht einiges länger und unter schwierigeren Umständen als in Zürich. So kann ich mir vorstellen, dass ein Motorradfreak oder ein Rockfan hier eher in seine Welt findet als in New York, dass die Übersichtlichkeit der Veranstaltungskalender bei uns eher ein breiteres Spektrum an Besuchen offenbaren als dies eine 50 seitige Village Voice tut und wir deshalb eher von den Angeboten profitieren können. Übrigens läuft das meiste hinter den Kulissen in Clubs und Privatpartys ab, zu denen der Zugang schwierig ist - man bedenke: in New York allen existieren 48 Schweizer Clubs! - Ob da wohl ein vergessener Ableger eines ehemaligen Boller Reiherclubs zu finden ist? - Wer weiss...

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Hamburg, Mai 1998

Am Donnertag fuhren wir ja um 21:00 in Zürich ab und freuten uns schon über die Unterbesetzung der Sitzplatzwagen - zu früh wie sich herausstellte: in Basel wurden wir wortwörtlich von etwa 3 Handballclubs überrumpelt, die in Hamburg eine internationale Meisterschaft zu bestreiten hatten. Da sie fanden, gegen die Letten und Russen, die ja etwa 4-5 Mal pro Woche trainieren können, hätten sie sowieso keine Chance, zogen sie den Schwanz ein und tischten die Bierfässer auf... den Rest der Nacht kann man sich ja wohl selber vorstellen und bedingt ja wohl kaum einer weiteren Erläuterung - %&*ç%-Sportler!!

Jenny musste um 6 Uhr bereits in Hannover raus und da sie nicht die Einzige war, führte das zu einer Weckaktion der mittlerweile nicht zu weckenden schlafenden Hunde von Handballrowdies, die frisch fromm und fröhlich die Gelegenheit ergriffen, da weiterzumachen, wo sie drei Stunden vorher aufgehört hatten: Groelen unterm Bierfass bis zu dem bitteren Ende namens Hamburger HB. Auf die Bemerkung einiger Passagiere bei einem Halt in Harburg: wir seien jetzt da in Hamburg, reagierten sie bloss verdutzt, aber genützt hat es auch nichts - sie blieben.

Den Freitag verbrachte ich nach Reihers Vorschlägen im Bonzenquartier Oevelgoenne - Elbchaussee - Blankenese. Ausser einer kurzen Elbefahrt praktisch alles zu Fuss nach durchwachter Nacht und bei etwa 25° im Schatten... Pffff! Höhepunkt war wohl der Jenischpark mit dem (schön angenehm gekühlten) Barlachmuseum. Dort war eine Ausstellung des belgischen Romantik-Malers Meunier zu sehen, der sich darauf spezialisiert hatte, die Industrialisierung auf ihrem Zenit aus der Sicht der Arbeiter darzustellen - ein Thema, das ich in der Kunst oft vermisst habe - war sehr eindrücklich. Um 16:00 wurde ich zu müde und
beschloss Leila in ihrem Büro zu überfallen - gerade rechtzeitig: es gab Kaffee und Kuchen als ich ankam... Nach einer Einkaufsrunde fuhren wir in den Busch, wo weder Reiher noch Jenny waren. Eine Stunde später meldeten plötzlich die Nachbarn, dass da jemand vor der Türe sitze: es war Jenny, die eine halbe Stunde gewartet hat, da die Klingel nicht funktionierte und sie dachte, dass noch niemand hier ist - Pleiten, Pech und Pannen, kann man da nur sagen. Nachdem dann auch Reiher noch angekommen war wurde das Fischgericht zubereitet und der obligate Reiherisch-Pfilsche philosophische Spaziergang im stockdunklen Brook beendete den Tag um etwa 2 Uhr morgens.

Am Samstag regnete es am Morgen - das Gewitter hat mit 12-stuendiger Verspätung den Weg in die rainy city gefunden. A propos rainy city: Es war meistens extrem heisses und schönes Wetter an diesem WE und Reihers Sekretärin fragte ihn schon nach seiner Ankündigung des Schweiz-Besuchs: "doch nicht der mit dem schlechten Wetter??!" - damit war Kudu gemeint, der bis anhin immer für eine Wetterverschlechterung in Hamburg gesorgt hätte... Jenny und ich wollte noch so Frettchen-Zeugs einkaufen, aber leider geben die deutschen Zoohandlungen auch nicht so viel her... Am Abend statteten uns Gerd und Regine zwecks Spielabend einen Besuch ab, denen eine echte Berner Rösti vorgesetzt wurde. Das Problem ist, dass wenn man bei Reihers ist, isst man zu gut und zu viel.

Sonntags stand ein Ausflug ins Alte Land auf dem Programm: eine Gegend westlich von Hamburg, wo über hunderte von Quadratkilometern nichts anderes wächst als ca. 3 Mio. in Reih und Glied stehende Niederstammobstbäume - und darauf sind die Hamburger noch extrem stolz... Das Wetter war heiss und die Luftfeuchtigkeit lag bei etwa 80%, so waren wir froh, als wir in der kleinen Stadt Stade ein wenig im Schatten der backsteinernen Altstadt verschnaufen konnten - wir genehmigten uns dazu verschiedene griechische Salate. Der Abend verlief bei Rentiergeschnetzeltem ruhig zurück im Busch. Da für Montag das schönste Wetter angesagt war (am Sonntag sollte die Sonne bloss eine Stunde scheinen - sie brannte am Nachmittag etwa während einer Stunde NICHT vom Himmel!) beschlossen wir an den Strand bei Kiel zu fahren - leider suchten wir lange nach den versprochenen 6 Stunden Sonnenschein - erst als wir die Moränenklippen verliessen, lachte uns Helios ins Angesicht... Die Rückreise im Zug war ruhiger als die Hinreise, aber immer noch gleich unbequem. Wir fragten daher nach unbesetzten 2-Bettkabinen und ich war bereit, so ziemlich alles dafür auszugeben - aber zusätzliche 100 Dm pro Person war mir dann doch zuviel und so sitze ich halt hier unausgeschlafen vor dem Bildschirm und tippe diesen blödsinnigen Bericht ein...

Noch was zu den Hamburgern: einige Eigenarten sind mir aufgefallen:

  • sie essen sich ohne Ketchup und Essiggurken - ähm, sorry...

  • Sie sind extrem aufgeschlossen und entgegenkommend trotz teutonischer  Abstammung

  • Sie wohnen in ewiggleichen Backsteinhäusern aus en 50er Jahren mit Vor- und Hintergarten, was dazu führt, dass ausser einem relativ kleinen Zentrum die Stadt nur aus 800 km2 deutschen Einheitshäuschen bestehet und Subzentren rar gesät sind. Dafür ist es wohl die grünste Stadt Europas, die man vor lauter Park- und Gartenbäumen richtiggehend suchen muss... Dafür brauchen die Hamburger auch keinen Orientierungssinn: sie fahren nach der Arbeit etwa eine Stunde durch die Quartiere, gehen in ihr Haueschen und merken, dass es sich dabei gar nicht um ihres handelt- macht nix - den ursprünglichen Besitzern geht es wohl in der Zwischenzeit ähnlich...

  • Die Hamburger setzen sich im Gegensatz zu den Zürchern in der U- und S-Bahn prinzipiell in Fahrtrichtung hin, auch wenn diese Plätze bereits besetzt sind  und auf der Gegenseite kein Schwein sitzt.

  • Wer Geld hat, hat das auch gefälligst zu zeigen. So läuft man der Elbchaussee entlang über etwa 9 km nur an den extremsten Villen und Schlösschen vorbei, die man durch die riesigen Parkanlagen auch zuerst noch ausfindig machen muss. Im Stadtzentrum und am HB ist das Verhältnis der Bonzen zu den Bettlern zu den Normalos dafür etwa 10:10:1!

  • Die liebste Freizeitbeschäftigung der Hamburg besteht aus dem populären "Boatwatching": Da stehen sie zu Hunderten am Elbeufer und winken den abfahrenden und ankommenden Containerschiffen zu, obwohl diese ausser einem Riesencomputer nur noch 3 Mann Mannschaft aufweisen: dem Kapitän, dem Steuermann und dem Kaffeekocher, und die schlafen alle - Macht nix der Computer winkt freundlich zurück. Es ist doch schön mitanzusehen wie so ein Völkchen mit den einfachsten Unterhaltungswerten zufrieden ist - muss es auch, denn die Unterhaltungsattraktion selber, die Reeperbahn, ist in den Händen der ausländischen Touristen, die glauben, das sei jetzt das typische Hamburger Flair.

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Passierschein A38

hier eine kurze und chaotische aber umso wahrere Geschichte zum Thema Amtsschimmel in der Schweiz:

Vorgeschichte:

Frühling 1997, London:
Die zoologische Gesellschaft London erklärt sich einverstanden damit, Jenny 4 Haar- und 3 Blutproben ihrer Mongozlemuren zu überweisen und die Tiere werden sogleich gerupft.

Sommer 1997, London:
Die Proben lagern im Tiefkühler und die Köpfe der Verantwortlichen rauchen, als sie bemerkten, dass es für die Überweisung in die Schweiz CITES-Papiere (Artenschutz) braucht, man begibt sich an die bürokratische Abklärung.

Herbst 1997, Bern:
Die Schweiz erklärt London, dass es nicht nur Einfuhr- sondern auch Ausfuhrpapiere braucht - das ist den Engländern neu und sie gehen daran, das Papier neu zu überarbeiten.

Sommer 1998, London:
Das Schweizer Papier ist abgelaufen und muss neu beantragt werden.

Herbst 1998, London:
Jenny und ich nehmen die Proben in die Schweiz mit und lassen sie konfiszieren - ohne CITES-Papiere, aber immerhin: sie sind in der Schweiz am Zoll und somit erreichbar!!

Winter 1998, London:
Der neue Schein sieht für die Londoner zu anders aus und ihre Bewilligung wird dementsprechend neu aufgesetzt - ein Stempel hätte genügt...

Januar 1999, Zürich:
Juhui, die CITES-Papiere sind eingetroffen und haben eine Gültigkeitsdauer von 10 Tagen!!

Hauptgeschichte:

Mittwoch 3.2.1999, 13:45, Flughafen Zürich-Kloten
Jenny und ich treffen auf dem Flughafen ein und suchen das unzureichend beschriebene Bürogebäude bei der Fracht - und verlaufen uns nur zwei Mal.

14:00, Zollveterinäramt:
Wir treffen im Büro 200 im zweiten Stock des Hochhauses in der Fracht Ost ein: die Veterinärin macht ein paar Telephonate um herauszukriegen, ob die Proben noch am richtigen Ort lagern - Zwar nicht im Terminal B wie abgemacht, aber immerhin: Jawohl, Erfolg!

14:10, Zoll:
Wir werden durch das Labyrinth der Fracht geführt und im Zollhäuschen untergebracht, da sehen wir auch schon die Proben - auf und davon, denken wir fälschlicherweise: es braucht noch zusätzlich zu den CITES-Papieren einen Passierschein, der muss noch organisiert werden, also warten, bis die blaue Bedarfsakte geholt ist und dann ab Richtung Fracht Ost.

14:25, Bürogebäude 1.Stock:
Dahin wurden wir von den Zoll-Leuten beordert um Einzahlungen auf die Blaue Bedarfsakte zu machen, damit wir die rosa Bezahlungsquittung bekommen, die uns den Passierschein eröffnet, der uns die Freistellung der Proben garantiert. Wir platzen leider mitten in eine Sitzung einer Abteilung der Flughafendirektion, wo uns erklärt wird, dass wir uns im falschen Gebäude befinden.

14:35, Büro Fracht Ost, 1.Stock:
Ja, hier sind wir richtig - aber wo?! Es handelt sich um einen Raum mit einer Glasfassade von 20 verschiedenen Schaltern - 10 davon besetzt. Bei den "allgemeinen Zollfragen" werden wir nach nur fünf Minuten zum Schalter "Selbstverzollung/Inkl.Mod.90" verwiesen, wo wir das Formular vorlegten. Proben von geschützten Tieren dürfen keinen finanziellen Wert besitzen, so lautet das Gesetz. Dasjenige des Schweizer Zollamtes aber besagt, dass der Wert der zu verzollenden Ware eingetragen werden muss, das ist wie gesagt nach internationalem Artenschutzgesetz illegal... (Bürokratisches Logoparadoxon 1A)

14:50, ebenda:
Es ist vollbracht: die Angestellte hat einen Weg gefunden, die Gesetze zu umgehen, so dass wir nur noch Lagergebühren von Fr.25.- bezahlen müssen, was wir auch gleich taten. Um das Rückgeld und die rosa Quittung, sowie den Stempel auf die blaue Bedarfsakte zu kriegen, werden wir jedoch an den Schalter 25 "Einzahlungen" verwiesen - bitte nehmen Sie Patz...

15:10, Zoll:
Ja, wir haben es geschafft und den Passierschein erhalten - dieser wird jedoch von den Beamten behalten, wir machen uns mit den Proben auf und davon.

Fiktiver Epilog:

Wir haben beschlossen, die Wissenschaft links liegen zu lassen und haben seither einen gemütlichen Job auf der zollamtlichen Stelle für Informationsrückweisungen in der Zelle 245 des Gebäudes 3c des Traktes AA in der Klinik Burghölzli, inkl. Kost und Logis nach Art.34ff octens des Krankenrechts von 1954. Der Londoner Zoo wurde aufgrund eines bürokratischen Irrtums zur Quarantänezone erklärt und die Mongozproben wurden von einer M. Macaco konfisziert, die sich im Anthropologischen Institut als Dr. Galina Petrovna ausgab und seither verzweifelt versucht aus der DNA Mongözli zu klonen um ihre Wurstfabrikation doch noch vorantreiben zu können.

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Es werde Nacht! - Sonnenfinsternis, Aug. 1999

Da bin ich mit Pfiff und seiner Tante Richtung Nordwest aufgebrochen mit Nahziel Hagenau und Fernziel Metz. Laut Wetterbericht soll das Spektakel ja eher in dieser Region und weiter in der Champagne am besten zu sehen sein, wie die lokalen Nachrichtensender meldeten. Abgefahren sind wir so um halb sechs abends und angekommen um halb elf auf einem überfüllten Campingplatz, dessen Platzwart wohl einen Verwandten in Chester besitzt (schreit um Mitternacht auf dem ganzen Platz herum, verbietet uns aber etwas zu essen, da dies um diese Zeit zu laut sei - zuerst wollte er uns gar nicht aufnehmen)..., in einem kleinen Nest namens Bärental (bei Bitch, südlich von Saarbrücken in der Lorraine). Die Nacht war sternenklar, was eher Unheil versprach - denn tatsächlich lag das Tal am Morgen unter einer dicken Wolkendecke, also ging's weiter Richtung Metz.

Angekommen sind wir schliesslich auf einem flachen Hügel in Rohrbach - direkt auf der Zentrallinie gelegen. Dort wiesen uns schon einige Schilder auf einen Parkplatz auf einer Wiese hin, welche durch eine sehr neue (eigens dafür gebaute? - in Frokreisch-Frokreisch weiss man ja nie...) Strasse zu erreichen war. Leider war - wie überall in Mittel- und Westeuropa ausser bei Charbourg - der Himmel zweistöckig bedeckt und das blaue Himmelsloch, das aus Westen nach einigen mässigen Regengüssen nahte, verpasste leider die Totale um eine halbe Stunde... Schätzungsweise 500-600 Leute versammelten sich auf dem Hügel und eine ganze Budenstadt aus Wurst- und Pouletständen, Ramschwaren und Postkarten, Styroportoiletten sowie ein grosses Bierzelt wurde da errichtet. Aber die Masse verteilte sich auf der Wiese und schon das alleine gab eine geniale und einzigartige Szenerie ab: alle Heuballen waren besetzt, immer neue Gruppen und Familien mit farbigen Regensschirmen kamen an und platzierten ihre Kameras - dergestalt sich bald ein kleiner lockerer Stativwald bildete mit synchron sonnenkollektorartig ausgerichteten Kameraobjektiven. Durch die Wolkenschichten, welche von weiss über mehrere Graustufen bis fast schwarz wechselten und die aufgeschreckten Schwalbenschwärme im Tiefflug gewann die Atmosphäre erst recht etwas gespenstisches. Westlich und östlich des Hügels sah man weit in das niederhügelige, spärlich besiedelte Unterland. Ich konnte es nicht lassen und musste das Ganze mit Astronomy Domine (PF, 67) geniessen - ich wünschte mir nur noch, dass ich eine Kamera mit grobkörnigem SW-Film dabeigehabt hätte um die Atmosphäre einfangen zu können. Leider aber ging mir noch vor dem Höhepunkt durch einen Kameradefekt der Film zu Ende - ohne dass ich einen Ersatz dabeigehabt habe.

Dann war es soweit und ohne grosse Vorwarnung wurde die ganze Umgebung in zwei Sprungphasen in tiefste Nacht gehüllt: schwarz in schwarz am Himmel (- nur das kleine, sich noch auf dem Weg zu uns befindliche blaue Loch in der Decke blieb farblich erhalten, wenn auch verdunkelt -) und auf dem Land. Die Strassenlaternen und Neonlichtreklamen im Dorf schalteten sich automatisch ein. Blick nach Westen: dunkelgraue Hügel ohne klare Konturen, Blick nach Osten: nichts ausser den entfernten Strassenlampen war zu sehen. Zum Glück wurden bei uns keine Feuerwerkskörper in den Himmel geschossen - das Blitzlicht der Kameras, welche vergeblich die Korona suchten und wahrlich nicht mehr als eine schwarze Wolke auf einer noch schwärzeren Stratusschicht festhielten, störte bereits genug. Die 2'19.5'' der Rohrbacher Finsternis (welche genau auf die Sekunde um 12:29 eintrat) waren genauso schnell vorbei wie eine Belichtungszeit in dieser Dunkelheit und schon erlöschten die Strassenlampen wieder, die Leute
machten sich an die Souvenirstände und diskutierten auf das soeben nicht Gesehene. Die Atmosphäre hat sich entladen, die Mystik des Prologes war nicht mehr spürbar und der Alltag kehrte ein. Trotzdem: nach etwa einer halben Stunde erreichte uns der vermaledeite da verspätete Spalt in den Cumulus- und Nimbostratusdecken und gab doch noch für ein paar Minuten zeitweise die noch zu 90% verdeckte Sonne frei, so dass die raren Brillen doch noch getestet werden
konnten vor ihrem entwicklungspolitischen Recyclingprozess und wahrscheinlicheren Einsatz für die nächste Eklipse in Madagascar.

Nach einem obligaten Souvenireinkauf und dem Besuch der Exhibition de l'Eclipse im Dorf selber, begaben wir uns dann mit ein paar Millionen anderen auf den Weg in den obligaten Stau, welcher uns vor Hagenau in seine Arme schloss und erst nach Achern auf der Schwarzwaldhochstrasse
(wer fährt schon freiwillig über Basel?) wieder freigab. Auch wenn die Strecke länger war, so führte sie doch auf einer scenic route über ein bis anhin mir recht unbekanntes Gebiet, das sich doch einmal lohnt, ein paar Tage zu bewandern. Endlich, nach sieben Stunden Fahrt - davon wohl etwa zweieinhalb Oberheinischertiefebenenstopandgo, denn auch die Nebenstrassen waren bekanntlich genauso überlastet wie die verkehrs(?!)regelnden Louis de Funes-Nachfolger - kamen wir in Baden
an. In Zürich dann endlich war ich überrascht, Jenny bereits schlafend vorzufinden. Auch sie hat es noch geschaft mit Wanja nach Calw bei Stuttgart zu reisen um genauso viel oder genauso wenig zu sehen wie wir bei den Lothringer Saucissonstopfern, die Münchner Hofbräumeister, die Japaner in Ulm und um Ulm und um Ulm herum oder die rotnasigen Weinbauern in der Champagne, welche allen Wetterprophezeiungen zum trotz keine Sicht zuliess auf die schwarze Sonne. Einer der wenigen Orte, an der dies möglich war, ist Palästina (wenn auch nur partiell), wo die Leute von den Islamisten zum Gebet und zur Verschanzung in den Häusern aufgehalten worden sind und nur über TV alles mitverfolgen konnten, sowie die Einwohner von Mosul, sofern die intermoralistische Befreiungsfront des grossen Weltbefreiers Billy auf die Bitte einging und die Bombardemente kurz unterbrach... vielleicht gab's zum korönenden Abschluss noch eine Bombe mit der floydianischer Grussbotschaft:

All that you touch, all that you see
All that you taste, all you feel
All that you love, all that you hate
All you distrust, all you save
All that you give, all that you deal
All that you buy, beg, borrow or steal
All you create, all you destroy
All that you do, all that you say
All that you eat, everyone you meet
All that you slight, everyone you fight
All that is now, all that is gone
All that's to come
And everything under the sun is in tune
But the sun is eclipsed by the moon

There is no dark side of the moon, really - as a matter of fact: it's all dark... 

(Eclipse, 1973)

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Holland, Aug. 1999

Morgens um 5:00 ist es kalt, windig und vor allem früh - trotzdem werden wir gnadenlos von Anita abgeholt und in ihr Auto verfrachtet (sie hatte bereits eine Reise von Bern her hinter sich und leider hat sich im Laufe des Aufenthaltes herausgestellt, dass sie nicht mehr als etwa 5 Stunden Schlaf benötigt - was unserer längeren Portion Schlaf eher negativ entgegenkam, aber das war ja bei weitem das allergeringste Problem...). Die Strecke bis Karlsruhe war ja noch von der Eklipsenfahrt her wohlbekannt. Neu wurde es (zumindest für mich) ab Ludwigshafen Richtung Ruhrgebiet.

In Köln bezogen wir dann zum ersten Mal Quartier und Rügen von den lieben Deutschen: schon im Hotel beginnt es mit Sprüchen wie: "das Auto wird hinten irgendwo abgestellt, wenn es noch Platz hat, aber auf eigene Verantwortung (bei der Voranmeldung hiess es: eigene Hotelparkplätze)", "was wollen Sie mit dem Schirm hier im Hotel? Der ist ja nass, raus damit!" oder von einer Bedienung im Restaurant: "stellen Sie die Füsse unter den Tisch, das ist sonst gefährlich - für MICH!" Auch am Bahnhofkiosk muss man aufpassen, wo man am Zeitungsständer nach einer Lektüre sucht, sonst kann es passieren, dass man wortlos und grob auf die Seite geschoben wird, wenn ein Zeitungsverträger nicht durchkommt. Trotzdem: der Dom ist wirklich eine Reise wert und lässt einem seltsame Gefühle hochkommen über die absolute Prädominanz der Kirche im Mittelalter - ein Steinkoloss mit einer Schiffshöhe von über 60 Metern inmitten eines Häusermeers aus ein paar hundert verwahrlosten 2-stöckigen Holzhäusern. Heute sind es wohl die gläsernen und stählernen Tempel der heiligen Grossökonomie in Städten wie Johannisburg, Calcutta oder Sao Paulo, welche diese Rolle in den Primatstädten der dritten Welt erfüllen und das gemeine Volk auffordern, nach höherem zu streben - einem eigenen Büro im 35. Stock!? Die vielgelobte Altstadt ist zwar sauber, schön aber nicht gerade alt - eher alt wiederaufgebaut - dafür weitgehend autofrei. Das beste, das die Stadt aber zu bieten hat ist der Zoo, welcher in Sachen Stadtzoo doch Massstäbe setzt mit seiner Durchmischung verschiedener verwandter Arten: die Tiere können über Gitterkanälen von einem (fremden) Gehege zum andern und sogar ins Freie. Der kulinarische Tip: bestellt in einer Eisdiele den Kindercoupe "Waldschrat", es lohnt sich.

Die Preussen wollten wir anderntags schnell hinter uns lassen und dahin fliehen, wo diese gerade wegen ihrer Art verhasst sind - ins Nachbarland und anschienende Heimatland der "Preussen", Holland. Doch oh Schreck: diese Leute haben mit ihren unbeliebten Nachbarn anscheinend mehr (Betonung auf MEHR) gemeinsam, als ihnen lieb sein sollte. Man muss also schon Riesenglück haben, von einem "Tulpenplanter" nicht bei der ersten Begegnung grob angefahren oder gar zusammengeschissen zu werden - auch wenn diese wissen, dass man Schweizer ist (mit denen man sich doch dort so gerne vergleicht) oder man prinzipiell die Konversation nur auf Englisch abhält. Ob im Warenhaus, auf der Autobahn, im Hotel, im Restaurant, die Artikulation ist dieselbe: ç&%*+!! Da habe ich mir die Leute schon anders vorgestellt. Velo- und Autofahrer gehen absichtlich und zusätzlich aufs Gas, wenn man als Fussgänger auf dem Zebrastreifen die Strasse überquert, dergestalt man echt rennen muss und trotzdem noch den Fahrtwind im Nacken hat! Die Restaurants habe auch bei einer Wärme von 10°C die Türe offen - Frage: kann man die nicht zutun? Antwort: NOOO! Im Hotel (auch in den meisten Beizen) ist es beim Morgenessen extrem dunkel und man kann wegen zugezogenen Vorhängen und 20-Wattbirnen den Kaffee nicht vom Frühstücksei unterscheiden. Will man Licht machen, kommt sofort die Hotelfrau, stösst einem brutal in eine Ecke und schreit das übliche NOOO! Im Museum hält man den Finger in grossem Abstand richtung Bild: es kommt sofort ein Motztyp herbeigeilt und stösst einem beiseite. Wenn man ihm erklärt, dass es ja noch 50cm bis zum Bild seinen, ist man eines Trommelfellschocks gewiss. Man hält einem Paar mit Kinderwagen die Türe auf - die Leute gehen ohne einen Blick oder einen Dank an einem vorbei. Man wird angerempelt - keine Reaktion, man rempelt an und entschuldigt sich - wozu? Gibt ja sowieso keine Gegenreaktion. Holland war ja einmal berühmt für seine fast klinisch sauberen Städte - das ist lange her, heute haben die Hundehalter alle Innenstädte für sich beansprucht und markieren das auch entsprechend - ich sage jetzt absichtlich nicht: die Hunde, nicht die Besitzer - denn das stimmt nicht! In Amsterdam z.B. sind das Hauptproblem nicht mehr die Hundehäuchen, denen man unter Schritt und Tritt begegnet, sondern die Exkremente der Gattung Homo Sapiens! Sogar  auf einem Weg in der Dünenlandschaft in Amrun traten wir beinahe auf einen Kegel, der mit grösster Wahrscheinlichkeit anthorpogen verursacht wurde... Nein, freundlich sind die Holländer nicht - auch nicht ihr Wetter, das von einer Stunde auf die andere umschlägt von strahlend schön bis zum Gegenteil - auch sauber ist Holland nicht, zumindest nicht mehr. Liberal? Das war einmal: die grossen Städte werden im Parlament von den Rechtsextremen dominiert. Auch die Demonstrationen (wie einmal in Den Haag beobachtet) werden augenscheinlich von rechts geleitet. Und teuer ist das Land!! Da ist ja Finnland schon ein Entwicklungsland dagegen und als Schweizer fühlt man sich richtig heimisch...

Ja das war jetzt eine böse Hetztirade auf das holländische Volk - bei Einzelereignissen und an einem bestimmten Ort hätte ich nie gewagt, etwas derartiges zu schreiben, aber wir reisten zwischen Arnhem, Amrun, Amsterdam, Utrecht, Den Haag, Rotterdam bis Maastrich umher (zumeist zwar ich allein) und trafen überall auf die selben Stereotypen, das kann kein Zufall sein. Und auch die Ausrede: die halten euch für Deutsche kann in den meisten Fällen mit Beweisen wiederlegt werden, da kann man nur sagen: traurig, traurig! Aber der Gipfel war das Hotel in Utrecht, das wir leider nicht mehr wechseln konnten, da alles ziemlich ausgebucht und campen bei diesen Witterungsverhältnissen nicht gerade angenehm war (einigen Kongressteilnehmern blieb trotzdem nichts anderes übrig). Das Morgenessen habe ich ja schon erwähnt, hier die anderen Punkte, die "Faulty Towers Utrecht" beschreiben:

  • Familienbetrieb: man muss auf die Klingel drücken, dann kommt der Sohn in kurzen Hosen aus seinem Raum, lässt einem zur Reception und verschwindet wieder in seiner Kammer (das ist sein Job!). Der Vater sitzt hinter der Theke und gibt einem den Schlüssel, er schliesst auch die Dusche auf und zu, und die Frau ist für Morgenessen und Zusammenschiss verantwortlich.

  • Telefon, Wecker oder Radio gibts nicht, dafür ist die Dusche nur Verwendung von Spezialjetons zwischen 7 und 23 Uhr erlaubt, dann wird abgeschlossen. Pro Tag und Person gibts einen Jeton für 10 Minuten Wasser (nicht nur warmes sondern allgemein Wasser), wird dieser nicht benutzt, darf er nicht gespart werden - die Jetons werden am Morgen säuberlich abgezählt und neu verteilt. Pech also, wer lange Haare hat oder nach einem harten Tag am Abend auch duschen möchte.

  • Einlass für Personen, die kein Hotelzimmer haben, ist ausdrücklich verboten

  • zwischen 11 und 3 pm ist kein Einlass mehr ins Hotel zu erhalten, wer etwas holen möchte, wird im Regen sitzengelassen - mich liessen sie einmal sogar auch abends um fünf noch nicht rein!

  • Der einzige Ort, an dem unser Auto aufgebrochen wurde (war zum Glück leer), war direkt vor dem Hotel am letzten Abend - auf dem Unicampus gehen die Wagen anscheinend weg wie warme Semmeln, aber in den Quartieren ist es kein Problem zu parkieren, die Parkhäuser sind unerschwinglich.

Tja, das muss man alles erlebt haben um es zu glauben...

Es gibt ja zum Glück nicht nur die Leute sondern auch das Land und das hat neben seinen zum Teil schönen wenn auch meist kleinstädtisch anmutenden Grossstädten (sehenswert v.a. die moderne Architektur in Rotterdam oder die Grachten in Delft oder Amsterdam) einiges zu bieten: Highlights sind:

  • Apenheul: ein Affenzoo mitten im Naturschutzpark Hage Veluwe bei Appeldorn (dem einzigen Stück Natur, das in diesem zersiedelten und beackerten Land übrig ist), in dem Lemuren, Neu- und Altweltaffen frei herumlaufen und einem streichelnah kommen. Nur die Orangs, Bonobos, Gibbons und Gorillas haben abgesperrte, aber riesige und originell gestaltete Freigehege, die von den anderen abgesperrt sind. ****

  • Van Gogh und Rijksmuseum: das non plus ultra aller Amsterdamreisenden. Obwohl man zugeben muss, dass wer die schönsten Bilder der flämischen Maler oder von Vincent sehen will, besser nach New York oder Washington reist. ***

  • Wer etwas wirklich grandioses sehen will, sollte nach Den Haag und das Mesdag-Panorama vom Strand von Scheweningen besichtigen. Es ist ähnlich aufgemacht und stammt aus der selben Zeit wie die Bourbakiarmee in Luzern, aber es ist absolut atemberaubend und unbeschreiblich - gehen, sehen und staunen, kann ich nur empfehlen. *****

  • Zoo von Arnhem: DER Zoo, der weltweit Massstäbe setzt und alles andere im Bereich publikumsorientierte Tierhaltung in den Schatten stellt. Das Tropen- und Wüstenhaus sind je über eine Hektar gross und fast nicht mehr als solche erkennbar. Wasserfälle, eine atemberaubende Vegetation, einige Häuser und zahlreiche Tiere versetzen die Besucher in eine andere Welt, wie dies wohl nur noch durch ein Holoprogramm im Quarks perfektioniert werden kann! *****

  • Amrun: im Westen bei Hollum gibt es einen Sandstrand hinter der endlos erscheinenden Dünenlandschaft, der bei Ebbe so breit wird, dass das Meer teilweise aus dem Augenwinkel verschwindet und "Scott of the Sahara" gedreht werden könnte ***

  • Rotterdam: die Stadt ist ein Phönix der Nachkriegswehen und nennt sich nicht unverdientermassen Manhatten an der Maas. Wer moderne originelle Architektur liebt, sollte die Kubusstadt mit ihrem postmodernen Bahnhof beim Oude Haven besichtigen - ein Backsteinwurf von ersten Hochhaus Europas, dem Jugendstilhotel Wite Huis entfernt.
    Auch das Zentrum weist einige sehenswerte Wolkenkratzer auf und nebenan prägen altertümliche Märkte und Kleinläden das Strassenbild.****

  • Glockenspiel und Spielautomatenmuseum in Utrecht: da kann man vom Pianola über riesige Kirmesorgeln bis zum Orchestarium alles bewundern, was die Musikindustrie vor der Erfindung der Schallplatte zu bieten hatte - inkl. einer Lochscheibenorgel von Polygramm mit den Top Ten von 1900. Sehr hübsch, v.a. mit Führung.***

  • Etwas für Pfiff hat Utrecht auch zu bieten: das Verkehrshaus (Spoorwegmuseum) mit 60 Originalloks von 1837 bis 1980, Stellwerken und einer riesigen Ausstellung zur Geschichte der niederländischen Eisenbahngeschichte. ***

Die Reise führte uns im Übrigen von Arnhem über Dokkum auf Amrun und dann nach Utrecht, wo Jenny und Anita am Kongress der Gesellschaft für Primatologie mit einem Posterbeitrag teilnahmen. Die Uni Uithof ist im übrigen riesig und alle Strassennamen sind von den berühmten Universitäten der Welt abgeleitet. In Städten wie Utrecht, Delft oder Leiden beträgt übrigens der Anteil der Studierenden an der Einwohnerzahl 20-25%!! In diesen Kongresstagen unternahm ich dann Reisen nach Rotterdam, Delft oder Den Haag und reiste den Utrechter Sehenswürdigkeiten - die sich jedoch in Grenzen halten - nach. Zwei Mal reisten wir auch zusammen nach Amsterdam und am Abend traf man sich in grösseren Gruppen (z.B. mit tg, Akka und anderen bekannten und meist lieben... Deutschen) zum Nachtessen in der Stadt.

So, das war der nun doch allzulange und vielleicht anfangs etwas negativer als verdient oder erlaubt ausgefallene Bericht zur Hollandreise. Aber es entspricht alles der Wahrheit oder ist dieser zumindest entnommen...

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Berauschte Gesellschaft - Artikel für den "Toaster", Nov. 1999

Der Morgen graut einmal mehr in meinem Kopf, da ich spät des Nachts wieder einmal einen Rausch nach Hause getragen haben, welcher es alleine nie geschafft hätte. Zugegeben, dieser Spruch ist alt. Noch älter jedoch ist das Verlangen der Menschheit, sich durch die Einnahme aller möglichen Mittel von der Realität zu entfernen, während in Bern über die Legalisation eines Rauschmittels diskutiert wird, mit welchem mittlerweile bereits über ein Sechstel der schweizerischen Bevölkerung in Kontakt gekommen ist und eine halbe Million diesen auch rege aufrechterhält. So lese ich, dass die Wirkung des Fliegenpilzes wiederentdeckt wurde, und ein neuer flüssiger Ecstasyersatz namens GHB den Discobesuch erträglicher machen soll.

Etwa anderthalb Jahre ist es nun her, dass eine junge Punkerin wegen eines fehlgeschlagenen Experiments mit Atropin zu Grabe getragen wurde, und bereits sind Engelstrompeten darüber gewachsen. Das Experimentieren mit Drogen ist aber nicht nur in unserer Gesellschaft und der heutigen Zeit weit verbreitet - der Drang zum Rausch ist wohl fast so alt wie die Menschheit. Als Sokrates den Schierlingsbecher trank, beschrieb er die Wirkung des Coniins beinahe als wissenschaftliches Abstract. Vielleicht handelte es sich um ein fehlgeschlagenes Drogenexperiment, um dessen Misserfolg die Anektote mit dem erzwungenen Suizid gesponnen wurde. Der Philosoph möge mir die eventuelle Fehlinterpretation verzeihen!

Jeder Kulturkreis hat seine Rauschmittel: Die Kelten waren laut Poseidonios Berichten dem zumeist mit Wasser verdünnten Wein verfallen. Die Germanen betrachteten die berauschende Wirkung des Mets als Übergang der göttlichen Kraft auf den Menschen. Die Inkas und ihre Nachfahren verehren Cocablätter. In Indonesien gibt man sich dem Arak hin. Cannabisprodukte verbreiteten sich von Indien her früh über das islamische Reich, in welchem der Konsum von Alkohol verboten war. In Europa verdrängte im Mittalalter das Bier obenerwähntes Met. Mit der Kolonialisierung fanden auch die exotischen Rauschmittel wie Tabak oder Cannabis den Weg zu uns und Sherlock Holmes spritzte sich in seinen ruhigen Momenten eine wohlbekannte Substanz in die Venen. Man denke auch an den Einfluss des Weins auf die italienische Oper oder des LSDs auf die Pop Art. Das Leben unserer Spezies wird folglich begleitet von der Suche nach dem ultimativen Rausch. - Unsere Spezies? Nein, nicht nur der Homo sapiens findet Gefallen am Sich-berauschen, wie die Savannenbewohner in Jamie Uys Dokumentation "Beautiful People" beweisen...

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