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Reports
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Filmkritik: Altmeister Scorseses
"Bringing out the
Dead", Mai 2000
Ein wunderbares Realhorrorgemälde mit satirischem Einschlag und einem überzeugenden
Soundtrack (Van Morrison's TB Sheets als Thema, Clash, Martha & the
Vandellas, REM...). Hervorragend gespielt von Nicolas Cage als überarbeiteter und von
seinen Ungeretteten psychisch geplagter Notarzt im "Hell's Kitchen" der frühen
neunziger. Seine drei Ambulanzpartner zeigen die Mannigfaltigkeit, mit dem
Problem der Abgrenzung gegen den Psychowahn, der ein solcher Beruf mit sich
bringt, fertig zu werden - sei es durch Phlegmatismus, Frömmelei oder ausgelebter
Aggression. Das Notfallspital scheint mir einen gothic-mässigeren Eindruck zu
machen als die dunklen Hinterhöfe und von Crackjunkies besetzten Abbruchhäuser
Manhattens - ein Ort, an den Lars von Trier sein "Riget"-Epos verlegt hätte,
wäre er Amerikaner. Ja, hier treffen sich Kaurismäkicharaktere in einem
Feliniesken Umfeld in MTV-Manier und agieren politisch-hollywoodesk unkorrekter
als in American Beauty vor zum Teil selbstverliebt-grotesk geführten Kamera. Und
das alles während drei Nächten. Wie wenn Jim Jarmush neu erfunden worden wäre.
Hut ab, was da über den grossen Teich zu uns kommt, hat glücklicherweise nicht
mehr viel mit dem Hollywood-Entertainment der 80er zu tun, das ist solide
Filmkunst ohne den Anspruch zu haben, als solche verstanden zu werden. Fünf
Sterne!
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Zum
ersten August, Jul. 2000
Hier noch noch eine alte und tiefphilosophische Bauernweisheit, die
zum diesjährigen Sommer passt und welche der Sage nach Niklaus von Flüe am
1.August 1435 nach einem Zechgelage im "Toten Adler" zu Sempach zum besten
gab. Moderne Geschichtsschreiber bezweifeln jedoch die Autenzität der Aussage, denn erstens soll sich von Flüe zu besagtem Datum in Basel beim
heimlichen Kartenspiel im Beichtstuhl des Münsters aufgehalten haben und
zweitens sei der "Tote Adler", eine Gaststube, welche Fam. Winkelried in
den 90er Jahren des vorangegangen Jahrhunderts zu Ehren ihres toten Vaters
und Gatten (sein Ausspruch "Entsorgt mir Weib und Kind" wurde eindeutig widerlegt) eröffnet haben soll, aus gutnachbarschaftlichen Gründen 1428 in
"zum lustigen Habsburger" umbenannt worden. In diesem Zusammenhang möchte
ich hier auch klarstellen, dass in dieser Gegend zwar seit eh und je Hunde
und Katzen zum Festtag verspeist wurden (meistens, die des Nachbarhofes),
Kannibalismus jedoch auch nach der grossen Schlacht anno1386 auf kein grosses Interesse stiess, auch wenn dies von so namhaften
Histerikern, wie von Saucis oder Dürrenratt vermehrt angesprochen worden ist. Wie allgemein
bekannt, gründet der Ausdruck "Hamburger" auf der englischen Wortkombination von Ham und Burger und ist keine Verballhornung des Wortes
"Habsburger", welche die Eidgenossen nach dem Sieg zu besagten Hackplätzchen zu verarbeiten pflegten, wie dies fälschlicherweise obige
Experten behaupteten. In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf einen weiteren Irrtum hinweisen: Auch der Begriff "Katzenstrecker", welcher den
Luzerner anhaftet, geht nicht auf das Strecken der Katzen vor dem kulinarischen Zubereiten zurück, sondern, wie unterdessen bekannt, auf den
Katzenstrick, über welchen die frommen Luzerner Bürger nach Einsiedeln
pilgerten. Jedoch entspricht auch dies nicht ganz der Wahrheit, denn - um
damit wieder zu eingangs erwähntem Niklaus von Flüe zurückzukehren - dieser weise Politiker wollte mit dem Begriff auf die unzumutbar
gewordenen Zustände auf den schweizerischen Pilgerwegen hinweisen. Diese
wurden zunehmend vom horizontalen Gewerbe heimgesucht (mittelalterl.: auf
der Katz sein), was Niklaus von Flüe an der Tagsatzung vom 28.2.1465 zum
Ausspruch veranlasste: "Entweder würden dy werten Heren zur Ausmistetung
dieses Katzenstreches schreyten oder ich seh mich veranlasset, eyne Protestaction
eynzuberufen". Diese wurde dann aufgrund der Sturheit der Standesvertreter tatsächlich durchgeführt, in der Nacht vom 31.3. auf den
1.4. gleichen Jahres wurden die Damen entlang der Pilgerwege mit Pauken und Trompeten von der Standesgemeinschaft der Luzerner Zünfte und
Kirchenvertreter in den April geschickt, aus dem sie nie mehr entkamen.
leider vergassen die Zunftgenossen, einen Lunch, wie ein damals verbreiteter "Falschen Habsburger" (Katze am Spiess) auf den Weg
mitzunehmen, was sie in dieser Nacht fasten liess. Zur Erinnerung wird denn auch alljährlich die "Luzerner Fastnacht" durchgeführt. Wegen des neu
eingeführten gregorianischen Kalenders fallen heute diese Tage jedoch auf
den Februar. Was eingangs erwähntem Zitat, um darauf zurückzukommen und
mit dem ich schliessen möchte, eine gewisse Logik nicht abspricht:
Liegt im August noch Schnee im Wald
ist's für die Jahreszeit zu kalt!
Ratsherr von Küsel
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Asterix
und Latraviata - Buchbesprechung, März 2000
Die Kritiken des neuen
Asterix-Bandes in den Tageszeitungen sind alle unglaublich vernichtend. Zu recht zum Teil, zu unrecht zum anderen, denn: dass
Uderzo einfach nicht texten kann, weiss man schon seit seinem ersten Solowerk
Der Grosse Graben. Vergleicht man aber den neuen Band mit seinen sechs anderen
Werken, so liegt er eindeutig in der oberen Hälfte (erreicht aber keineswegs
auch nur den schlechtesten (gibt's den überhaupt) Band des Zweigespanns). Die
deutsche Übersetzung ist jedoch schon recht plump und zu aktuell in den Zitaten
(fast alles aus der Werbung und da haben Kritiker recht: wer erinnert sich in 10
Jahren noch an Red Bull Werbung und die Innerdeutschen Probleme um Schröder oder
die FDP...?).
Als Sammler muss man den Band jedoch haben und ich finde, die Kreuzfahrt (30)
war nun wirklich ein Tiefpunkt, den man nicht mehr unterbieten kann und der
Antifeminismus hält sich im Gegensatz zu der Sohn des Asterix und Maestria schon
etwas in Grenzen, aber der gute Uderzo ist halt schon etwas zu sehr konservativ
erzogen. Also ich empfehle: wenn man trotz des Todes Goscinys in den letzten
25 Jahre weiterhin die Treue gehalten hat, dann ist dieser Band sicher ein MUSS.
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Frankreich,
Apr. 2001
Etwas verspätet aber besser als nie - wobei ich wohl das letzte
Triumverbat doch in Frage stellen muss, denn diese Berichte sind vielleicht ja gar nicht willkommen, ja werden eventuell sogar als
Spamming abgetan oder zurecht vor dem Anschauen getrashed... Nichtsdestotrotz wage ich den Sprung und greife zu Keyboard und Maus um
das festzuhalten was da Rolf, Paty und mir in den vier Ostertagen so alles widerfahren ist. Eine Art Abhandlung über Sitten und Gebräuche der
Bewohner unserer westlichen Nachbarländereien scheint dank intensiver Kenntnisse dieser durch zahlreiche Reisen hier Angeschriebenen
überflüssig; so versuche ich mich auf die Beschreibung der von den Fois-gras-verzehrenden Postgalloiden Völkern besiedelten Landstriche zu
beschränken. Während hier der Schnee momentan nur so niedergeht, wurde
auf unserer Forschungsreise der Himmel nie durch eine Wolke getrübt - ausser im Stau auf der Heimfahrt, aber das zählt wohl nicht so.
Also nun endlich in medias res:
Donnerstag:
Zwei Stunden bis die Münsterglocke schlägt zur Mitternacht
Rolfo trifft ein mit vollem Wagen und leere Kaffeekanne
Letztere zu füllen an der Rössligasse hat er sich gedacht
Damit die Nacht durchfahrend er verhindert eine Panne
Welche durch Schlaf am Steuer verursacht
Freitag:
Mitternacht liegt hinter uns und Helvetien ebenso
Lyoner Strassengewirr und der Puy de Dôme in finst'rer Nacht
Durchquert muss werden die Auverne sowieso
Nur zum Wasserlassen wird mehr hie als da eine Rast gemacht
Bis um Mittag erreicht ist das erste Ziel: Lascaux zwo
Was dereinst Cro Magnons pinselgewandt, eingravierend
Die bildliche Kunst erfanden und sehr gewandt
Ihre Kultur bildlich im Felse manifestierend
Durch Büffel, Pferd, Vogel und eine Menschengestalt
Ist nur durch eine Kopie zu bewundern - schockierend
Zwei Uhr, Atlantik heisst das Ziel nach Lascaux
Arvenhaine unendlich, Wald, Wald und noch mals Wald
Im Rückspiegel verschwindet das grosse Bordeaux
Die Landschaft ähnelt Lappland bald
Doch unser Ziel heisst statt Hetta - Lacanau
Die Sonne scheint, obligat wird eine Burg gebaut aus Sand
Surfer tummeln sich im Wasser - doch nur sie
Denn die Bise herrscht eisig und mit fester Hand
Am Abend wird zu Samba geschlemmt - und wie
Brasilianisch ist angesagt in unserem Hotel am Strand
Samstag:
Die Dune de Pilat zu besteigen fahren wir gen Süden
Wein in Cadillac zu degustieren wenden wir uns nach Osten
Lange Fahrten im Wagen könne ganz schön ermüden
So wird in Souterne gestoppt um ein Glas Weissen zu kosten
Den dritten Reim nicht findend gehts halt weiter nach Süden
Sonntag:
Albi die Rote, wo wir unsere zweite (Hotel-) Nacht verbrachten
Wird per Pedes auskundschaftet: Kathedrale, Markt und Gassen
Nach kurvenreicher Strasse konnten wir diverse Rochers betrachten
Auf der Wanderung durch das Fels-"Chaos" fernab der Massen
Bevor wir uns zur nächsten Stadt - dem Höhepunkt - aufmachten
Für den Eicher Stefan scheint sie keine Unbekannte zu sein
Auch über den Canal du Midi wird sie oft erreicht
Ist es Camelot? Eine Filmkulisse? Oder steigt mir zu Kopf der Wein?
Mit spitzen Türmen und einer hohen Mauer der sogar der Himmer weicht
Carcassonne ist wie ein Märchen - doch: geht nicht hinein!
Aigues Mortes im Rhonedelta ist wie eine kleine Schwester
Ein Hotelzimmer findet sich dort jedoch nicht
Alles überfüllt in der Region - schlimmer als an Silvester
In der Arena von Arles sind die Stiere los nach einem Bericht
Das füllt alle Städte - Dörfer - Nester
Montag:
In einer Satellitenstadt von Nîmes am Camarque-Rand erwachten wir
Das Maison Carrée und die Arena lohnen eine kleine Reise
Doch am Pont du Gard mangelt es wieder einmal der Worte mir
Sur le pont d'Avignon erklingt bald die kleine Weise
Und ein Frett kreuzt unsern Weg - im Papstpalast - nicht hier!
Die nächste Station- Arausio - wird heute Orange genannt
Treppen, Treppen, Treppen und man ist oben auf den Rängen
Im grossen Theater, bereits zur Zeit des Asterix bekannt
Horchte man schon damals den Zitaten und Gesängen
Von der Bühne wird Paty von einem Franz-Motzer jedoch bald verbannt
A7 oder Autoroute du Soleil heisst die grosse Strasse
1A ist sie nicht, denn der Rückreisestau hat nun eingesetzt
Und die Wolken schreien: auf dass der Regen niederprasse
So wurden wir über Stunden vom Stop-and-Go gehetzt
Und man kann nur lautstark sagen: das isch nid zum fasse!
Annecy hiess unsere letzte Station am südlichen Genfer Rand
Mit sieben Gänge verwöhnten wir den Gaumen einmal noch
Danach war Schluss mit Soleil, Canard, Français und Strand
Doch Trübsal blasen bringt nichts, wir wissen es ja doch:
Es war sicher nicht die letzte Reise in das Frankenland
So, das war sie also, die Saga unserer Reise, in etwas holprigen
Limericks geschrieben, gebe ich zu, doch als Versuch solls gelten hier. So wünsche ich doch einen schönen Schneetag und schliesse mit den in
Frankreich so typischen aber unzusammenhängenden Worten:
"Tout Privé et Interdit"
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Albi, die Rote

Pont du Gard bei Nimes
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Minoian
Rhapsody, Kreta, Mai 2001
Wie einige von euch ja schon durch SMS, Handyanrufe oder
telepathische Kommunikationsströme in Erfahrung gebracht haben, verbrachten Paty und ich die letzte Woche im sonnigen Südosten, auf dem Schmelztigel der
Arabischen, Asiatischen und Europäischen Welt, der Wiege der westlichen
Zivilisation und der Heimat der ersten Hochkultur ausserhalb des Fruchtbaren Halbmondes oder des Industales wo die Verschmelzung der
Ägyptischen Hieroglyphen und der Sumerischen Keilschrift ihren Höhepunkt
erreichte und das von einigen Wissenschaftlern sogar mit Atlantis gleichgesetzt wurde. Mit anderen Worten: Wir verbrachten unseren Urlaub
auf der ärmlichen Insel Kreta, wo der Esel noch den Holzpflug durch den
desertifizierten Kalkboden zieht und 60% der Bevölkerung vom Anbau von Oliven und Wein ein kärgliches aber glückliches Dasein fristen während an
der Küste im Nordosten der Ire sich im Pub ein Guiness reinzieht, der Englische Hooligan dem Liverpoolspiel nebenan frönt, die Schweizerin
mit dem netten Holländer flirtet (der sich durch die Höhe, auf der die
Pissoirs angebracht sind, ganz zu hause fühlt) und die Preise alle in Euro angegeben sind. Das ist Kreta - Insel der Gegensätze, karges Land
neben endlosen Apartementhotels, wo die fehlende Raumplanung und undurchsichtige Hypothekarzinspolitik dazu führen, dass ein Haus
verfällt, bevor es aus dem Stadium des Rohbaus heraus ist - oder gar nicht erst einen solchen Evolutionslevel erreicht.
Jetzt aber mal langsam! Was soll denn dieser Verriss? Wer nur über ein Reiseziel motzt, der hat es gar nicht verdient,
dorthinzufahren!! - Genau meine Rede! Denn mit polemischer Ignoranz hat dieser
Einführungstext nicht viel gemein, vielmehr soll er darlegen, dass man auch mit offenen Augen und einem Sinn für Kulturaustausch seinen
Badeurlaub verbringen kann - man ist ja schliesslich Geograph, natürlich... [;-)] Laut einer Santorinerin sind es nämlich nicht die
Touristen, sondern die Griechen selber, welche dem Wildwuchs an Siedlungsbrei keinen Einhalt gebieten, um der Nachfrage mehr als gerecht
zu werden. Einen ganz wichtigen Faktor habe ich nämlich bislang ausgelassen: den Homo
Neominoens. Man kann sagen, was man will - und das
tut man ja viel zu oft auch - aber finde ein freundlicheres und (ohne aufdringlich zu erscheinen) entgegenkommendes Volk in Europa und ich
wandere nach Lappland aus - denn von den Sami abgesehen, kommen wohl die
Kreter (oder Griechen im allgemeinen, wie ich bislang erfahren habe) dem
Ideal des perfekten Gastgebers am nächsten. Uiuiui - wohl doch etwas starker Tobak, nicht wahr. Na dann Beispiel gefällig?
Wo kriegt man, wenn man nach dem Weg zum Bus, der uns ins Nachbardorf bringen soll, gleich das Angebot zum mitfahren dorthin - und zwar ins
Nachbardorf (15km entfernt), nicht etwa zur Haltestelle! Wo kriegt man als Stammkunde nach jeden Essen noch eine Flasche (ja,
Flasche!) Raki auf den Heimweg, oder wenn der Wirt einen noch etwas behalten will, eine ganze Karaffe Wein spendiert?! Und das in einem
Touristenrestaurant, nicht etwa weit draussen im Nirgendwo... Und wo wird nach alter Sitte im Restaurant getanzt und die Teller
zerbrochen... ok, das ist jetzt doch zeitweise etwas touristisch, aber doch mit einem Charme und einer Ehrlichkeit, die seinesgleichen sucht.
Nur mit einer Sache haben diese Leute Mühe: eine genaue Angabe zu machen. Wann fährt das nächste Schiff nach... gleichzusetzen mit: WO
fährt denn dieses verfluchte Boot nun wirklich ab...?? Die Antworten sind so divers wie die Männer ihren Schnurrbart stutzen, zwirbeln oder
färben (Und glaube nie nie und nimmer einem Tourveranstalter, wenn er eine Antwort auf die Frage nach öffentlichen Verkehrsmitteln gibt!! -
Aber der kommt eh meist aus Holland oder der Schweiz und will sein Geschäft machen...) . Man nimmt es halt gerade abseits der
Touristenpfade nicht so genau mit der Zeit. Ja, der arabische Einschlag ist stärker zu spüren als etwa eine europäische Verwandtschaft, was sich
schon auf dem Stadtmarkt zeigt - oder im Gefährt: ein Wagen hat zu fahren, nicht etwa neu oder gewaschen auszusehen. So gibt es auf der
Insel eindeutig zwei Arten von Vehikeln: das europäische aus Japan importierte Touristenauto und die einheimischen verbeulten und
verrosteten Karossen - wahrscheinlich meist ehemalige Hertz-Mobile (das gleiche gilt natürlich auch für die Busse...).
Ja, aber da gibt es auch noch den anderen, den Homo Recreanza. Man erkennt ihn am nackten rotgebrannten Oberkörper, wie er des Nachts
zwischen Schnitzel, Ale und Bockwurst von einem Irischen Pub zur nächsten Pizzeria in eine Deutsche Kneipe mit Fussballübertragung
schwankt - bis er dann im spartanisch eingerichteten Hotelzimmer dem Schlaf des gerechtfertigten Erholungsurlaubers verfällt, nur um dann
nach dem English Breakfast um 13:00 wieder die eingeölte Haut Helios preiszugeben, der dann dank der Hilfe Proteus' den Sterblichen dem Hades
ein Bisschen näher bringt. Vielleicht rafft er sich auch mal auf, eine organisierte Tour nach Knossos zu unternehmen - eine Teutonin in
Santorini brachte es auf den Punkt, als sie folgendes ihrem Kollegen mitteilte: "Man muss das ja gesehen haben, wenn man schon auf Kreta ist,
sonst steht man dann dumm vor den Nachbarn da, die natürlich danach fragen werden..." Es gibt natürlich noch andere minoische Tempel und
Paläste, Nekropoliten und Siedlungen auf der Insel. In Situ sind einige
Mauerreste vorhanden, der Rest lagert im Museum von Iraklion. Jetzt auf die Geschichte der Minoischen Zivilisation, den vier verschiedenen
Zeitaltern und dem Untergang dieser Kultur durch den Vulkan Santorini (Thera) anno 1450v.Chr einzugehen, sprengt doch den Rahmen eines Mails -
hingehen oder selber etwas darüber lesen lautet die Devise und Schluss damit!
Ja und da gab's wie schon zweimal angedeutet Santorini - die Vulkaninsel
(einst ein 1800m hoher Berg) und einer der schönsten Anblicke, die diese
Welt wohl zu bieten hat: Schwarze, braune, rote Seil-, Säulen- un Pillowlava wechselt sich ab an der 300m hohen Steilküste zwischen
tiefbauen Meer und den kreideweissen Städten in der Höhe, welche den hängenden Gärten Babylons gleich vom Himmelszelt getragen werden.
Ooooo, das war jetzt doch etwas zu pathetisch - schnell zurückkrebsen zu einem
etwas profaneren Schreibstil, sonst riskiere ich noch eine Anklage auf versuchten Todschlags von einem Diabetiker... Auch diese Schönheit hat
natürlich ihren Preis - und gerade dieser zieht bei der Masse von Helvetiern, die sich auf dem Eiland tummeln kräftig an, damit man sich
ja nicht so weit von Zürich fühlen muss. Nein, was schlimmer ist: der Hotel- und Apartementbau ist so enorm, dass - obwohl alles mehr oder
weniger im ursprünglichen Stil erbaut - die Insel ihr Gesicht langsam aber unaufhaltsam ändert. Zudem: Vulkaninsel im ariden Klima - wo sind
da Flüsse, Seen, Grundwasser? Rechne! Entsalzung ist auch nicht billig und der Weinbau muss ja auch rentieren...
Ein Thema habe ich noch nicht oder nur halbwegs angeschnitten: die Küche! Es muss ja nicht immer nur Pizza und Spaghetti sein, wie das 80%
der Touristen denken, da sie dies mitunter auf der Speisekarte entdecken
- oder sogar gar keine griechischen Gerichte mehr angeboten werden. Was Solalaski und Mustapha ist, wissen wohl alle, da muss ich nicht weiter
darauf eingehen. Ein besonderes Augenmerk soll dem Wein gelten. In Kreta
wird neben Retsina v.a. ein trockener und ein halbsüsser Rot- wie Weisswein erzeugt - da lohnt sich auch mal die Besichtung und eine
Degustation in einem Weingut, in dem meist auch Olivenöl und -Seife produziert wird. Ouzo oder Metaxa als
Aperitiv? - Da sieht der Krete
nicht nur den Ikarusfall sondern erkennt den unwissenden Reisenden - Raki muss es sein! Diese Art selbstgebrauter Grappa ist sozusagen das
Nationalgetränk und hilft anscheinden gegen alle Krankheiten. Doch das Haupterzeugnis der Insel ist und bleibt das Olivenöl (neben etwas
Ziegenkäse und dem sehr punktuell angesiedelten Tourismus). Zum Menu, um
abrupt einen Wechsel herbeizuführen: da gibt es zuerst einige diverse Vorspeisen, welche einen sehr Libanesischen oder Türkischen Einschlag
haben (kein Wunder, unter all den Herrschaften - Minoer, Mykener, Dorer,
Römer, Byzantiner, Venezier, Griechen - die die Inselbewohner zu ertragen hatten, war die Türkische eine der prägendsten - bis dann 1922
durch den Krieg um die Kleinasiatischen Inseln 30000 Türken aus Kreta und 25000 Kreter aus der Türkei fliehen mussten): Gefüllte Weinblätter,
Tzatziki, gebackener Käse, gefüllte Auberginen etc. Der Hauptgang ist etwas, das füllend und nicht zu kostspielig sein soll, meistens Produkte
aus der eigenen Farm: Moussaka (ja genau, Mustapha), Solalaski, ähm Souflaki in diverser tierischer Ausführung, einer der vielen
Eintopfgerichte oder Fisch - wir haben uns ein Kochbuch angeschafft und versuchen uns mal darin [;-)] Das Dessert ist dann wieder sehr mit der
Libanesisch-Kleinasiatischen Küche verwandt - Kudu freut's, Thomas möge
mir verzeihen - und deshalb besonders süss Honig-basiert. z.B. Gadhafi,
nein Kadefei heisst das, soweit ich mich erinnere.
So, nun habe ich euch zum Schluss doch noch gluschtig gemacht und lasse euch noch etwas bis zum Abendessen schmoren,
kalispera!
jammas!!
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Die Küste Nordostkretas
zwischen Iraklion und Ayios Nikolaos

Als richtiger
Griechenlandreisender, darf man natürlich Santorini nicht links liegen
lassen. Dessen Vulkanausbruch hat ja schliesslich nicht nur der
Minoischen Herrschaft über das Mittelmeer ein Ende gesetzt, sondern es
handelt sich hierbei möglicherweise um die Überreste des versunkenen
Atlantis.

Raki, Moussaka und Sirtaki! |
Moskau
A-Z, Nov. 2001
A - wie Ankunft: Da gibt
es eigentlich nur Positives zu berichten, d zuerst einmal das Flugwetter
bis Warschau mitmachte und uns wohl die schönste Aussicht auf die Alpen
freigab, welche ich je in Zürich erlebt hatte. Nach der Polnischen
Hauptstadt ging's jedoch recht turbulent zu und von Minsk bis zum Ural
war nichts als ein riesiges Wolkenmeer zu sehen, zweischichtig, wie sich
dann herausstellte - shit, das werden wir wohl nicht mehr los in den
nächsten Tagen!! Die Landung in Domodedovo ging problemlos über die
Bürokratenbühne. Anscheinend sind Geschichten wie stundenlanges
Anstehen vor der Passkontrolle, unflätige Zöllner und komplizierte
Einreiseformalitäten ins Reich der Legenden zu verbannen - oder
zumindest den Tip: schaut, dass ihr auf diesem kleinen aber modernen
Flughafen 30km südlich des Zentrums landet! Das führt uns übrignes
gleich zu
B - wie Boris: ein
typischer schweigsamer aber höflicher Eingeborener, welcher schon sein
ganzes Leben, und das dauert mittlerweile sicher schon über 50 Jahre an
(Vodkakonservierungssyndrom abgezogen), in der zweitgrössten Metropole
des Kontinents verbracht hatte und sicherlich viel zu erzählen gehabt
hätte. Er war unser Chauffuer, den Reiher uns zum Flughafen geschickt
hatte und welcher uns über die Ringautobahn - bis vor einigen Jahren
die Stadtgrenze, heute ist das Stadtgebiet um 10% erweitert worden, kein
Wunder, trotz platzsparenden Plattenbauten und nur 18 m2 pro Person,
platzt die Stadt aus allen Nähten (wortwörtlich, wenn man an die
Bausubstanz denkt...) - durch die gesichtslosen Wohnquartiere ins
Zentrum fuhr. Leider verstand er nicht viel Englisch und unser Russisch
beschränkte sich auf Grussworte und das kyrillische Alphabet. Bei
unserer Abreise war er auch wieder verantwortlich dafür, uns durch das
Gewühl und das Chaos von Moskaus Strassen (8 Spuren und kein Bisschen
Radfreiheit) sicher zum Flughafen zurückzubringen. Ja, immerhin der
first Contact zu den Einheimischen war hergestellt und zusammenfassend,
nach anderen Erfahrungen später, lässt sich der Schluss ziehen: Russen
sind im allgemeinen gebildet, ruhig - ausser sie markten - geduldig und
freundlich sowie hilfsbereit - aber eine Türe würden sie niemals für
einen aufhalten [:-)]
C - wie Cheminee: unser
Versammlungs- und Diskussionsplatz jeweils spät abends in Reihers
Wohnung, welche gleich mit zwei solcher Naturöfen gesegnet ist. Leider
haben wir den Armen wohl zu armen Tagen gebrannt, denn das Feuerholz
scheint schwierig zu beschaffen und nur teuer zu erstehen sein. Sorry!
D - wie Datscha: es ist
anscheinend mehr als nur ein Klischee, dass alle Moskauer über eine
Datscha am Stadtrand verfügen, man sollte dies nicht gemein mit einem
Schrebergarten vergleichen, denn eine Datscha ist kein Hobby, sondern
ein Lebensstil - und daneben die beste Möglichkeit an selbstgezogene
und deshalb erschwingliche Lebensmittel zu kommen.
E - wie Einkaufen: das
läuft auch hier etwas anders ab, als wir es uns gewohnt sind: zuerst
muss das Brot und andere (unterdessen sehr westliche und im Überfluss
vorhandene - falls bezahlbare...) Dinge am Tresen bestellt werden, dann
geht man mit der Rechnung zu einem Karbäuschen, bezahlt da und kehrt
dann mit der Quittung zurück um die Nahrungsmittel abzuholen. So
ungefähr... auf den grossen
Lebensmittelmärkten wird
ebenfalls so ziemlich alles angeboten, was da wächst, schwimmt (immer
noch in grossen Aquarien - "ich hätte gerne die Wanda, da
drüben...") oder herumhoppelt - auch wenn es sicherlich nicht aus
heimischer Produktion stammt (Südfrüchte sind recht im Kommen). Ist
sehr interessant, aber es braucht Zeit.
F - wie
Fortbewegungsmittel: es gibt die sehr günstige Metro (fünf Fahrten
kosten ein Franken) mit ihren von kathedralenähnlichen zu rein
funktionalen Stationen, auf deren Züge man nie länger als eine Minute
warten muss, jedoch die Stosszeiten (wörtlich) sich so ziemlich über
den ganzen Tag hinziehen. Die langen Fussgängertunnels zu den Geleisen
erinnert stark an London, aber die Rolltreppen sind dann doch erheblich
länger, da die Stationen, in den 30er Jahren erbaut, sehr tief im
Erdinnern liegen. Interessanter und manchmal schneller sind die Taxis.
Ich weiss zwar nicht, wie viele von diesen Gefährten die Strassen
Moskaus besiedeln, ich habe nur etwa drei gesehen. Nein, ein Taxi in
Moskau ist
für gewöhnlich jemand
auf dem Weg zur oder von der Arbeit, der ein paar Rubel dazuverdienen
will. Man stellt sich einfach an den Strassenrand und hält die Hand
raus - länger als 3 Wagen muss man selten warten - hält jemand, wird
über den Preis verhandelt und ab geht's direkt zum gewünschten Ort.
Die Einheimischen kennen ihre Stadt wie ihren Vodkavorrat und
Wegbeschreibungen sind selten nötig. Zu den Gefährten selber: der Lada
ist immer noch Staatswagen Nummer eins, er wird zwar nicht mehr
hergestellt, aber 50 % der Strassen sind mit diesen Kartonschachteln
gefüllt, aber westliche Importautos kommen mehr und mehr auf - für
die, welche es sich leisten können. Eines ist jedoch den Fahrzeugen
gemein: sie stehen vor Schmutz und wenn ein Polizist sich die
Wagennummer merken möchte, muss er schon einen guten Schaber dabei
haben
G - wie GUM: das ist so
etwa das Glattzentrum von Moskau - nur etwas älter, ehrwürdiger... und
teuerer. In dem klassizistischen, aber doch verschnörkelten Bau am
Roten Platz sind v.a. Namen wie Lacoste, Rado oder Armani zu Hause. Doch
alleine die Innenarchitektur ist ein Besuch
wert. Ich frage mich, was
da wohl in kommunistischen Zeiten angeboten wurde, oder welchen
sonstigen Zweck das Gebäude damals wohl erfüllt hat.
H - wie Historisches
Museum: Ein Prachtbau auch am Roten Platz, diesmal am nördlichen Ende.
Das Museum ist mindestens halb so gross wie unser Landesmuseum und
lässt deshalb einiges erwarten. Leider sind innen jedoch bloss ein
gutes Dutzend Räume geöffnet und die bieten auch nicht viel mehr als
Ton, Steine, Scherben und einige Kleidungsstücke, schade eigentlich.
Immerhin wird man von extrem starken Ammoniakdämpfen eingelullt und hat
etwas für sein Geld - wenn auch nur einen sturmen Kopf.
I - da fällt mir jetzt
nichts ein, ausser die Omnipräsenz Iwans des Schrecklichen, welcher momentan
neben Peter dem Grossen wohl das bedeutendste Ansehen eines russischen
Helden geniesst, deshalb überspringe ich gleich J und mache ich zwei
K - wie Kolmenskoje und
Kreml: Ersteres ist halb Ballenbergmuseum und teils in situ Palast
südlich des Zentrums in einem Park auf einem Hügel gelegen, welcher
einen herrlichen Blick über die Stadt freigibt. Hier befand sich einmal
der Holzpalast von Alexander, welcher jedoch von Katharina (sorry,
Käthi!) abgerissen wurde, welch Schande, galt er doch damals als achtes
Weltwunder. Zum Kreml: da gäbe es sehr viel zu erzählen, z.B. über
die FührerInnen die sich gleich überall auf die Touristen stürzen um
ihr Professoren- oder Journalistinnengehalt etwas aufpeppen zu können,
über die verschiedenen Kirchen, die Kolokolglocke, die Puschkakanone
(beide nie ihrer Bestimmung übergeben) und Putins Residenzgebäude.
Kann man ja alles in Büchern nachlesen. Hier nur soviel: der Kreml ist
VIEL GRÖSSER als das die Leute gemeinhin annehmen, und kommt einer
Stadt in der Stadt gleich - ursprünglich war es ja die Festung, welche
die Stadt definierte... und wirklich sehenswert ist die Diamantenkammer,
einen solchen Prunk und so kunstvolles Goldschmiedehandwerk auf einen
Haufen kriegt man wohl nirgends auf der Welt auf einmal geboten. Aber es
beweist auch: die Verschwendungssucht der Zaren (v.a. deren Frauen...
hm, sorry Leserinnen) musste ja zu einer Revolution führen.
L - wie Lenin: das war
für uns klar, die Gruft unseres Beinahenachbarn muss man einfach
besuchen. Leider bedeutete das, eine halbe Stunde oder mehr am für die
Zeit der Mausoleumsbesichtigung geschlossenen Roten Platz anzustehen und
eine Kontrolle über sich ergehen zu lassen. Die Kamera muss man einen
halben Kilometer weiter weg zur Aufbewahrung geben. Aber die Pilgerfahrt
lohnt sich und der Aufmarsch der tausenden von Pilgern (die meisten mit
einer roten Rose bestückt) unterstreicht die Bedeutung eines der
grössten Politikers des letzten Jahrhunderts. Der Körper ist so gut
erhalten und der Glassarg so konzipiert, dass man den Eindruck erhällt,
er schlafe nur und bewege sich leicht während man an ihm vorbeigeht,
jederzeit bereit wieder aufzuerstehen, wenn die Zeit für eine neue
Wende gekommen scheint. Diese scheint mir tatsächlich ev. nötig, denn
viel hat sich ja in den letzten 10 Jahren nicht zum Guten gewendet für
den Grossteil der Bevölkerung. Immerhin verkommte das Land und die
Stadt von einer Supermacht zu einem Drittweltstaat innert weniger
Jahren. Der Segen des Kapitalismus hat zwar viel Gutes bewirkt, aber
leider auch zu einer Verschärfung der Zweiklassengesellschaft geführt.
Das sind dann so Gedanken, die einem nach dem Besuch philosophieren
lassen...
M - wie Matruschkas: ein
Souvenir muss doch sein, oder!? [:-)]
N - wie
Neujungfrauenkloster: eines der Wehrklöster um das Zentrum. Sehr
eindrücklich und wirklich einen Besuch wert, v.a. wenn man sieht, wie
solche Kleinode (eher Grossode...) wieder zu Bedeutung gelangen und
deshalb auch den Renovationsarbeiten Vorschub geleistet wird.
O - wie Orthodox: Passt
ja zum letzten Abschnitt... Zuerst wollten wir an ein Konzert in der
Peter und Paulkathedrale, dieses entpuppte sich jedoch nach 40 Minuten
nächtlichem Lola Rennt durch die Moskauer Innenstadt als eine Art
Taufzeremonie, was aber auch seinen Reiz hat. Zu Halbgregorianischen
Gesängen schwenkt der Priester, welcher als Einziger dazu befugt ist,
das Heiligtum hinter dem Altar zu betreten (die Normalsterblichen nur
wenn sie getauft und beerdigt werden), den Weihrauch und dazu
bekreuzigen sich die Stehenden Massen von Zeit zu Zeit. Geschmückt sind
die Kirchen mit hunderten von Ikonen (da wäre ja ein I!!!). Die zweite
rechts des Altars ist jeweils der Kirchenheilige, über dem Altar
befindet sich eine Reihe der Lokalheiligen, darüber eine Reihe von
Jesus und den Jüngern und zuoberst die Alttestamentarischen Propheten.
Dieses Schema findet sich in allen Kirchen und Kapellen dieser Religion,
welche in Auslegung und Architektur sehr auf dem Byzantinischen beruht.
Moskau ist schliesslich das Dritte Rom (nach Konstantinopel).
P - wie Peter: erstens
unser Gastgeber, welcher sich sehr gut um uns kümmerte, auch wenn wir
wohl etwas schwierige und eigenwillige Touristen und Gäste waren -
nichts für ungut, Pjotr! Zum anderen der grosse Zar, der überall
omnipräsent ist und als der wahre Gründer des modernen Russlands
angesehen wird. Deshalb beherrscht seine zu überproportionnierte
Kitschstatue auch die Innenstadt. Ironie des Schicksals: er war
derjenige, welcher St.Petersburg gegründet und damit Moskau zur zweiten
Stadt degradierte - ausgerechnet hier steht jedoch sein Monument, dem
Bürgermeister und seinem etwas ausgefallenen Geschmack für Pomp und
Kitsch sei Dank. Begreifen tut dies jedoch niemand so richtig in dieser
Stadt [:-)]
Q - sonst geht's noch?
R - wie Rasputin - der
hat aber hier nichts zu suchen, wir haben ihn nicht getroffen, da er
nach Petersburg gehört und eh schon lange tot ist. Also sagen wir R wie
Restaurant: davon gibt es alle Arten in jeglicher kulinarischen
Tradition stehend - ein grosser Vorteil der Öffnung!
S - wie Schweinbar: da
muss man einfach hin, Rock'n'Roll zu Russischen Speisen und Tanz ist
nicht alltäglich. Bilder von Schweinen allüberall an den Wänden
zieren den Keller im ehemaligen deutschen Handwerkerquartier.
T - wie Toiletten: das
musste ja kommen! Alle die Paty und mich, resp. die Reaktion unserer
Blasen v.a. auf kaltes Wetter kenn, können ja ein Liedchen davon
zwitschern ohne auch nur einmal zum Wasserlassen austreten zu müssen.
Also, Toiletten sind in Mütterchen Russland ein leidiges Thema, erstens
sind sie nicht vorhanden, und wenn dann nur in Restaurants oder
grösseren Mueseen zu finden - selten getrennt und noch seltener in
einer Zahl grösser eins vorhanden. Die Erfindung WC-Papier scheint die
Öffnung des Landes noch nicht kapiert zu haben, so findet man es
erstens gar nirgends vor und zweitens wenn, dann nur als Import in Reihers königlichem Appartement. A Propos Appartement: das ist wirklich
unglaublich in seinen Dimensionen, v.a. was die Höhe der Zimmer
betrifft. Von aussen sieht man dem Bau Petrovka 24 gar nichts an, ein
altes, halb baufälliges Gebäude, das Innere ist dann, wie wenn man in
eine andere Welt vorstösst. Noch ein Detail am Rande: Gestern haben wir
wieder einmal Doktor Schiwago geschaut - Juris Adresse ist doch
tatsächlich Petrovka 15... wusstest du das Reiher? Und noch ein anderes
Detail aus diesem Streifen: Olga Petrovna (eine Figur, welche für mein
30. Geburtstagsadventure kreiert wurde, für diejenigen, denen das
nichts sagt) war die Lehrerin (welche der Zuschauer jedoch nie zu
Gesicht bekommt) von Laras Tochter! Ja, was es nicht alles für Zufälle
gibt (der war dies keiner)...
Q - was, schon wieder??
Ja, mir ist noch was in den Sinn gekommen: Q - wie Querelen: diese
bekommt man in Moskau ja bekanntlich bloss von Seiten der unterbezahlten
und hochkorrupten Polizei, welche nur darauf aus ist, Touristen das
Leben schwer zu machen, indem sie einem überall und stetig anhält auf
der Suche nach irgendwelchen Unregelmässigkeiten, welche ein
Schmiergeld mit sich bringen könnten. Ein Gerücht, das nach unserer
Erfahrung hoffentlich nun auch ins Reich der Legenden verfrachtet werden
muss. Nicht einmal auf dem berüchtigten Kiewerbahnhofsmarkt, wo die
Mafia präsent ist, oder auf dem Roten Platz wurden wir angehalten,
obwohl Reiher meinte, v.a. Brasilianierinnen gäbe es ja nicht so viel
im kalten Moskau und er wundere sich, wie oft wir wohl gestoppt wurden -
NULL Mal ist die Antwort und ich bin da gar nicht enttäuscht darüber
[:-)] Immerhin fragten wir unsere Kremlführerin, weshalb wir von ihr
gleich auf englisch angesprochen wurden, ob wir so touristisch aussehen?
Ja, schon ziemlich, war die Antwort. Nach unseren Erfahrungen kann man
sich also nun doch in der ganzen Stadt zu jeder Tag- und Nachtzeit frei
bewegen.
U - das stimmt jetzt
wieder im Alphabet [:-)] Also, U - wie Unwetter: Wahrscheinlich, und das
wussten wir ja auch, ist der November nicht der ideale Moskaureisemonat,
aber die Wolken vom ersten Tag haben am zweiten doch einem mehrheitlich
blauen Himmel Platz gemacht und in den viereinhalb Tagen hat eisige
starke Bise, Sonnenschein, Regen und sogar etwas Schnee für Abwechslung
gesorgt. Immerhin haben wir Zürich am Ende einer Warmphase verlassen
und sind hierher wieder im Wintereinbruch zurückgekehrt. Schnee hat es
hier in Zürich wohl momentan immer noch mehr als in Moskau. Schade,
denn wennschon kalt, dann wenigstens mit einer schneebedeckten
Basiliuskathedrale auf dem Foto
V- wie, was wohl (drei W
für ein V??) ? Vodka ist immer omnipräsent und wird klischeehaft zu
allem möglichen getrunken, meist jedoch zu einem Fruchtsaft zum
Nachtessen im Restaurant. Immer noch ist Vodka sehr billig und eine
niedrigere Qualität - was im westlichen Vergleich immer noch
überdurchschnittlich ist - ist für die ganze Masse erschwinglich.
Trotzdem, solche Massen wir vermutet werden nicht konsumiert, denn
erstens ist es hochsträflich angetrunken zu fahren (0.0 Promille ist
die Devise) und zweitens: Betrunkenen (wie Bettler oder Junkies) fehlen
fast gänzlich in Moskaus Stadtbild. Ob das nun positiv zu werten ist,
sei einmal dahingestellt, denn die Verdrängung eines Problems von der
Strasse löst dieses noch lange nicht. Vodka auf jeden Fall ist und
bleibt der Wein Russlands und kein Barbesuch und nicht einmal ein Dinner
in einem besseren Restaurant kommt ohne aus.
W - wie Wurm: Swissair
liegt am Boden, Gate Gourmet schert sich aus Geldmangel anscheinend auch
einen Dreck um die Kundschaft. Auf dem Rückweg hatte Paty tatsächlich
einen lebendigen Wurm im Salat, dessen Analyse bislang keinen Schluss
zulässt, da er von sehr exotischer Abstammung zu sein schien. Die
Stewardessen nahmen das Ding mit und diskutierten eifrig und voller
Scham, da sowas noch nie vorgekommen sei - später habe ich jedoch von
anderer Seite erfahren, dass jemand vor zwei Wochen auch schon eine
ähnliche Erfahrung mit Gate Gourmet gemacht hat. Das lässt nur eines
zu: Josi come back!! Immerhin, als Trostpflaster - und wohl vielmehr
Schweigegelübde - gab es 600g Luxusschockolade
X - wie Xenophilie: die
Russen sind nicht nur ein aufgeschlossenes, wenn auch schweigsameres
Volk, sonder auch ein Vielvölkerstaat. So trifft man doch in der
Hauptstadt auf Leute aus allen Regionen. Schwarze sind zwar nur selten,
aber Araber, Mongolen, Asiaten, Europäer sind gut durchmischt und
"den" Moskauer scheint es nicht zu geben. Was die Touristen
betrifft, so bestehen diese zu 80% aus GUS-Staatenleuten und der Rest
sind Japaner. Seit der Wende ist jedoch der Tourismussektor extrem
zusammengebrochen und komplizierte Bürokratie (nur schon um ein Visum
zu erhalten) und die neulichen Ereignisse im Weltgeschehen haben auch
nicht gerade zu einem Aufschwung beigetragen.
Y - wie Z: Das
kyrillische Alphabet habe ich zwar einmal gelernt und auch Paty kommt
schon gut mit den fremden Buchstaben zurecht (v.a. wegen der
Verwandtheit mit dem Griechischen), trotzdem: finde mal die richtige
Metrolinie, die korrekte Richtung und die Station, welche dein Ziel sein
soll inmitten einer sich bewegenden Masse von Pendlern im Untergrund,
welche keine Ahnung von Fremdsprachen hat. Reiher hat es wirklich
schwer, obwohl er des Russischen mittlerweile sehr mächtig ist,
unglaublich wie schnell man eine Sprache lernt, wenn man keine andere
Wahl hat.
Z - wie Zoll: Die
Formalitäten um ein Visum zu erhalten sind immer noch zeitraubend, aber
ausser einer Deklaration im Flugzeug (welche man während des ganzen
Aufenthalts mit dem Pass aufbewahren muss) gibt es nichts mehr
auszufüllen. Immerhin fragen sie dort bloss nach Devisen und
Wertgegenständen, welche man mit sich führt (z.B. ein Natel) und nicht
danach, ob man im 2.Weltkrieg ein Nativerbrecher war, zum Nachnamen Bin
Laden heisst oder noch schlimmer: Arbeit suchen möchte, wie dies bei
der Immigration ins gelobte Amerika der Fall ist.
Z - schon wieder, aber
diesmal - wie Zusammenfassung: Moskau ist wirklich eine Reise wert und
schade war bloss, dass wir zeitlich zu knapp waren, 5 Tage reichen
leider nicht, um alles zu sehen, auf das wir Prioritäten gesetzt haben,
so sind wir wohl "gezwungen", früher oder später wieder
einmal in die russische Hauptstadt zurückzukehren und v.a. die
Schwester St.Petersburg zu besichtigen und v.a. auch etwas mehr Zeit mit
unserem Gastgeber Reiher zu verbringen.
Noch Fragen? Guat! - Das
scheint nicht der Fall zu sein. Ich hoffe, man sieht sich bald wieder -
v.a. die Jasser morgen, bitte um Anmeldung!
mit einem freundlichen
Nastarowje! Da-swidanija
Inhaltsverzeichnis |

Einst ein politisches
Welt-Zentrum, heute eine Touristenfalle... Der Rote Platz

Und noch (immer!) ein
Zentrum der Kulturwelt: das Bolschoj
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Erste
Impressionen aus Brasilien, April 2002
Auf vielfachen Wunsch habe ich mich nun dazu aufgerafft, einen kleinen Brasilienbericht zu verfassen. Klein deshalb, da all die Eindrücke und Erlebnisse und neu gewonnen Landeskenntnisse jeglichen Rahmen eines Mailfensters sprengen würden. So fasse ich mich mal kurz und komme ohne weitere (das ist ja schon genug bislang) Ausschweife in medias res und beginne somit definitiv mit der kleinen Reisebeschreibung.
Teil 1
Hier seht ihr vor euch die Umrisse des fünftgrössten Landes mit der weltweit achtgrössten Bevölkerungszahl und demselben Rang als Wirtschaftsmacht. Natürlich ist es illusorisch anzunehmen, in lächerlichen 5-6 Wochen diesen Kontinent eines Staates bereisen zu können. Nur so zum Vergleich: Minas Gerais (MG) hat die Grösse Frankreichs. Der Staat Rio de Janeiro entspricht demgegenüber der Fläche der Schweiz und weist mit 300 EW/km2 die einzige Vergleichsbasis zu unserem überbauten Mittelland auf, der Landesdurchschnitt liegt bei etwa 28 - was bedeutet: viele Grossstädte und ausserhalb nichts als Plantagen, Weideland, Wald oder im Norosten Wüste. Soviel zur Landeskunde. Anzufügen wäre noch, dass 30% des BSP allein im Staat Sao Paulo erwirtschaftet wird (35 Mio EW, Grösse Deutschlands) und entspricht etwa der gesamten Volkswirtschaft Argentiniens oder Mexikos.
Inmitten oder um dieses Wirtschaftswunderzentrum bewegte sich unsere Reise mehr oder weniger.
Die Route führte uns (grob auf der Karte einzusehen) ungefähr von Sao Paulo (SP) an dessen Küste (Ubatuba), dann über Rio und mehrere Barockstädte von Minas nach Belo Horizonte und dann in den nördlichen Teil des Staates SP (Franca heiss die Stadt, Paty's Tante mit Familie lebt dort), für ein paar Tage in die Metropole und dann über Curitiba, Florianopolis nach Porto Alegre, welches wir jedoch nur als Umsteigebusbahnhof verwendeten, um in die nördlich gelegenen Berge zu gelangen. Die letzten anderthalb Wochen verbrachten wir dann wieder bei
Paty's Familie in SP. Wir haben also gerade mal den Süden und Südosten des Landes durchforstet - also nix von wegen "What are you doing at the Amazonas near Manaus full of Pirranhas..." Der Landesteil war jedoch gross genug,
glaubt's uns!
Zur Reise: die Brasilianer sind ein Busvolk - Züge gibt es zwar, aber mittlerweile praktisch nur noch als Touristenattraktion oder zum Transport
verschiedenster Güter - allen voran Öl und Gas. Inlandflüge sind erschreckend teuer, so bleibt die einzige Alternative der Bus - und es ist eine sehr gute und bequeme Alternative, die nun wirklich alle benutzen - siehe "Central do Brasil". Lasst euch jedoch nicht abschrecken. Der Regisseur dieses Streifens ist definitiv stilistisch von Kaurismäkki beeinflusst und stellt den Sarkasmus mehr in den Vordergrund als die Realität - nicht vom Inhalt aber vom photographischen Aspekt aus gesehen. Die (wohlgemerkt: Überland-) Buse sind hochkomfortabel und modern mit minimum Schweizer Standard, sogar diejenigen, welche nur kleine Städte miteinander verbinden. Und das ist gerade das witzige und zugleich perfekte Element. Während hierzulande jemand z.B. vom Meilen nach Zürich und dann über Bern nach Interlaken x-mal umsteigen muss, nehmen die Brasilianer Meilen-Interlaken direkt und das erst noch für nur etwa 15 SFr. Es gibt dutzende von Busunternehmen mit bestimmter Linienführung, so ist das Umsteigen selten - sehr praktisch!
Nachtbusse sind etwa teuerer aber dafür um einiges komfortabler - haben wir jedoch nie benutzt, denn die Strassen sind teilweise im Landesinnern weniger komfortabel und der Fahrstil der Automobilisten in diesem Lande - da lege ich mal lieber den Mantel des Schweigens darüber. Ich sage nur: Rom? - Kindergarten!!! Aber eine Bemerkung zu diesem Thema sei mir doch noch gewährt: Im Gegensatz zu den Überlandbusen sind die
Stadtbusse - v.a. in Rio nicht sehr pünktlich aber dafür umso schneller: die Chauffeure trauern immer noch Senna nach und ihm zu Ehren haben sie sich wohl auch diesen Fahrstil zugelegt. Keine Beschreibung könnte dem gerecht werden, wie sich diese
Busse durch den Verkehr kämpfen... erlebt das mal selber, es lohnt sich. Als Vorbereitung würde ich mal auf einem Bob-Simulator üben....
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Links
zu Brasilien:
Viele kritische Pressetexte und Infos:
LINK
Ein
Onlinereiseführer:
LINK
Wie ein Schweizer Auswanderer das Land
erlebt:
LINK |
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Teil 2
wurde nix aus dem kurzen Bericht, wie es scheint, deshalb fällt das nächste Kapitel etwas farbenprächtiger dafür kurzbeschriebener aus - unsere Wegstationen chronologisch und nach Staat sortiert:
Ubatuba SP: hier verbrachten wir mit Paty's Familie die erste Woche - mit Sun, Fun and nothing to do... ein typischer brasilianischer Ferienort, der sich überall auf der Welt hätte einnisten können.
Parati RJ (Bild): die Quintessenz der Barockstädte südlich von Minas. Filme, welche im kolonialen Rio spielen, sind mit Bestimmtheit hier gedreht worden :-) |
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Rio: darüber muss man wohl nicht viele Worte verlieren - selber hinreisen, falls dieser Trip auf der Weltumrundung noch fehlen sollte! Eine Warnung: Rio ist nicht immer mit einem blauen Himmel gesegnet, wie auf den Postkarten festgehalten - wir konnten z.B. erst am vierten Tag die Aussicht vom Corcovado bestaunen, wie das gesamte Küstengebirge ist die Region auch hier von dichten Wolken und häufigem Steigungsregen beglückt - das ganze Jahr hindurch. Eine Entwarnung: Medienberichte nach denen man aus Rio nicht mehr leben herauskommt
(ausser man macht sich alleine auf, sich mit Drogenkurieren in den Favelas anzulegen, wie dies ein Schweizer vor ein paar Wochen versuchte) oder sich man vom Horden von Strassenkindern umzingelt sieht, sollten dringend dem Sensationsjournalismus zugeschrieben werden! Die Diskrepanz zwischen arm und reich ist zwar frappant und die Drogenmafia hat die Favelas in ihrer Hand - und die Polizei häufig in ihrer Tasche - aber das Risiko, an der Langstrasse in schlechte Gesellschaft zu geraten ist wohl doch einiges grösser als an der Copacabana - selbst Morgens um 2.
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Caxambu: ein alterwürdiger Kurort im Südlichen Minas. Ein Ort zur Entspannung, wo man neben Schwefelsprudelbädern in kafkaesken Räumlichkeiten auch das Wasser von 20 verschiedenen Quellen gegen alle möglichen Gebrechen trinken kann.
Rat: Katheter einführen - Wasser treibt, nicht nur im Fluss!
Congonhas, San Joao del Rei,
Tiradentes, Mariana und v.a. Ouro
Preto (Bild): das barocke Herz der kolonialen Kleinstädte Brasiliens (allesamt in Minas südlich von Belo Horizonte zu finden): Wer auf sakrale Kunst, Skulpturen und viel viel Gold im Kircheninnern steht, findet sich hier im Paradies wieder.
Ouro Preto, die Stadt, welche Ende des 18.Jh grösser war als New York und reicher als jede andere Stadt der Erde. Dem Golde
sei's verdankt. 30% des Edelmetalls verlangte jedoch die portugiesische Krone um den Hof von Lisabon und die wirtschaftliche Entwicklung des verbündeten England zu finanzieren. Revolutionen waren vorprogrammiert
(Tiratdentes - der brasilianische Volksheld ist wohl der
berümteste der Freiheitskämpfer) und der Grund, weshalb die Kirchen so reich geschmückt wurden war einzig und allein derjenige, dass Gold für den Klerus nicht nach Portugal befördert werden musste.
Der zweite wichtige Sohn der Region neben Tiradentes ist der neben Michelangelo wohl berühmteste Bildhauer der Welt, Aleijandinho (übersetzt: Krüppelchen, da er mit 40 nach einer lepraähnlichen Erkrankung Finger und Zehen, sowie ein halbes Gesicht verlor und Hammer und
Meissel an seine Arme binden musste) |

Aleijandinho's Meisterwerk: Bom Jesus do Matozinhos in
Congonhas, ein Weltkulturerbe der Unesco.
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Genug von Minas Gerais, der Name bedeutet: Allgemeine oder Diverse Bergwerke - kommt nicht von ungefähr und ob Tagbau oder Stollen, ein Besuch dieser Minen sollte man nicht auslassen.
Franca: eine typische Provinzmetropole im ländlichen Sao Paulo, wo
Paty's Verwandte eine Schuhfabrik besitzen, denn es handelt sich um das Zentrum der brasilianischen Schuhindustrie. Hier verlebten wir ein paar erholsame Tage im Schoss einer Familie. Und interessant ist es doch zu sehen, wie die Oberschicht lebt - grauenhaft und ziemlich kolonialistisch eingebildet. Ich spreche jetzt nicht von
Paty's Verwandten, welche zur oberen Mittelschicht zählen, aber auch schon Allüren in diese Richtung aufweisen, aber von deren doch sehr reichen Freunden - Californiacation kann man da sagen! Angesicht des allgegenwärtigen Elends eine himmelsschreiende Ironie. Brasilien ist wohl eines der reichsten Länder der Erde - Bodenschätze, moderne Industrie und wo man pflanzt, es wächst alles, was des Farmers Herz begehrt. Aber Brasilien hat ein Problem, genannt Regierung. Was das Land meiner Meinung nach bräuchte, wäre - Blasphemie! - ein gesunder Kommunismus, und da bin ich nicht der einzige, der so denkt, wie es scheint. Aber da gibt es einen Teufelskreis, dem niemand zu entkommen vermag: Politiker haben gute Ideen, werden gewählt, werden ganz schnell korrupt und verwerfen die Ideale wieder, bestechen die arme und ungebildete Landbevölkerung mit Geschenken zur Wiederwahl und sacken danach Schmiergelder ein, welche die halbe Zürcher Bahnhofsstrasse füllen. Eine Bildungsreform wäre nötig - aber wer Bildung hat, sieht hinter die Mauern und könnte sich dem System, resp. den zu wiederwählenden Politikern als Knüppel zwischen den Beinen entpuppen. So herrscht zwar ein gesunde Vorstellung eines Systemwechsels im Volke vor, aber die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte führten zu einem versteinerten Gefühl der Machtlosigkeit. Jetzt sind gerade Wahlen, aber niemand verspricht sich etwas davon...
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The "Franca Concerts"
:-)
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Sao Paulo: Gigantisch, unvorstellbar, Schmelztigel der Menschheit wo mehr als eine Million Japaner ihrer Arbeit nachgehen und die Libanesische Bevölkerung die von Beirut übersteigt. 18 Millionen Menschen machen diese Metrepole zur fünftgrössten Agglomeration der Welt nach Tokio, New York, Seoul und Mexico City. Die überbaute Fläche ist mit 8000 km2 grösser als der Kanton Graubünden!
Hier gibt es alles, was das Herz begehrt - Museen, riesige Shopping Malls und die grösste kulinarische Vielfalt auf der Welt in weit mehr als 1000 Restaurants. Da lohnt sich ein kleiner Exkurs in die brasilianische Küche zu unternehmen:
Die Grundnahrung ist : Reis, schwarze Bohnen und Fleisch - viiiiiiel Fleisch in einer Qualität, von der wir nicht mal zu träumen wagen und zu Preisen, welche jeden europäischen Metzger zum Harakiri treiben. Früchte dürfen natürlich nicht vergessen werden - die meisten haben hierzulande nicht einmal einen Namen und Bananen
(sorry, bin immer noch ein Abstinenzler) existieren in 5 verschiedenen Arten und
Grössen. Auf den Strassen werden Hot Dogs (Cachorro Quente) verkauft: Brot, zwei Würste, Chips,
Cheddar, Salat, Kartoffelstock, Mayo, Senf, Ketchup (für die, die so etwas mögen) alles in EINEM! für 1 SFr. Und das Zeug schmeckt - kaum vorstellbar - GUT!!! Aber auch chinesische, italienische und v.a. Arabische Küche ist sehr dominant in ganz Brasilien - Habib's ist z.B. eine McDonnalds-Kette Arabischen Stils. Falls man Lust auf Schweizerisch hat: im Süden
gibt's Fondue, jedoch als Sequenz: Käse-Chinoise-Schokolade... wir haben uns jedoch diesen kulinarischen Sturzflug nicht angetan. Leitungswasser kann vielerorts problemlos getrunken werden und wir hatten nicht einen Tag mit Magenverstimmung zu kämpfen - nach einer Woche Schweiz, gerieten wir jedoch gleich in eine Durchfallsphase...
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Mehr Bilder und
Informationen zu Sao Paulo findet ihr
HIER
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Und nun geht's zum Abschluss noch in den Süden, dem Land der Gauchos (Cowboys), des Oktoberfestes und der Schweizer Ferienstädte.
Curitiba: Ja, und sie bewegt sich doch!!! Auf Initiative eines Bürgermeisters und deren Nachfolger wurde die 2-Millionenhauptstadt Paranas von der Uno zur "Hauptstadt der Ökologie" erklärt. Die Innenstadt ist weitgehend autofrei, das Bussystem ist billig, übersichtlich und moderner als unsere
Cobra, Favelas sucht man vergebens, dem sozialen Wohnungsbau wurde eine neue Dimension verliehen, welche Frankreich z.B. bitter nötig hätte und die Stadt ist sicher und sauber. Auf die Frage im Rest Brasiliens, weshalb diese Revolution in anderen Städten nicht auch
funktioniert, die kühle Antwort: das ist halt eine Modellstadt! Ja, EBEN!!! Aber es braucht halt starken politischen Willen, so etwas durchzusetzen, aber es würde funktionnieren und die Stadt ist ja nicht reicher als Sao Paulo oder Porto
Allegre, qed. Aber auch sonst hat die Stadt einiges zu bieten. V.a. die extrem touristische Bahnfahrt (Erzbahn Kiruna-Narvik lässt
grüssen) zum Hafen Paranagua durch den Mata Atlantica des Küstengebirges ist unbezahlbar (in doppelter Hinsicht). Leider hat es uns nicht mehr gereicht, die Iguacu-Fälle zu besichtigen (9 Stunden Busfahrt ein Weg... oder überteuerte Flüge), aber man braucht ja noch etwas für ein nächstes Mal :-)
Blumenau (Bild): Das sagt wohl alles! Die 200'000 Seelenstadt deutscher Muttersprache beherbergt das weltweit zweitgrösste Oktoberfest mit einer Million Besuchern. Für einen Stopover ist die Gemeinde jedoch gut, man muss das mal gesehen haben - und dann schnell weiter!
Florianopolis: das Zentrum der Ferienküste Südbrasiliens. Eine hässliche moderne Hotelstadt, aber die Strände sollen nicht nur schön sondern auch legendär sein - das Mallorca Südamerikas. Wir verbrachten jedoch nur eine Nacht dort, denn unser Ziel war
Canela/Gramado: Schweizer Ferienorte italienischen Ursprungs mit deutscher Bevölkerung in den Bergen des Hinterlandes von Porto
Allegre. Alle 10 Jahre kann es hier sogar schneien, aber leider war es mit 35 Grad doch mindestens 10 Grad zu heiss für die Jahreszeit und wir schmachteten in den Nationalparks der Umgebung. Zum Glück verfügte unser Bungallowhotel über einen Swimmingpool im
Araukarienpark.
Die Hauptattraktionen der Gegend sind die Nationalparks wie Caracol und Aparados da Serra mit besagtem grössten Canyon (Basalterguss auf Granit) Südamerikas: Erinnerte mich ein wenig an den Karstcanyon in der Provence (Verdon), Pfiff und Kudu mögen sich wohl noch daran erinnern. Die Gruppen wurden jedoch strikt zu 15 auf den gut ausgebauten Wegen durch den Park geführt, freie Wanderung ist untersagt - einerseits eine gute Idee, andererseits dürfen Farmer mit bestimmten Auflagen Parks jedoch nutzen, ein Widerspruch in sich. Aber eines muss man sagen: der Naturschutz in Brasilien steckt schon seit langem nicht mehr in den Kinderschuhen und Projekte
gibt's wie Araukarien im Gebirgswald. Nur an der praktischen Durchführung happerts manchmal ein wenig. Aber da wurden doch einige Fortschritte
erzielt, von den wir Europäer teilweise noch lernen können.
Nochmal was kulinarisches - unser Lieblingsthema...: im südlichsten Staat Brasiliens herrschen die
Gauchos, wie die Cowboys hier genannt werden und eine Fahrt nach Porto Allegre führt vorbei an unendlichen Weidegebieten der Rinderherden. Da ist ja klar, was auf den Tisch kommt: Vegetarier haben hier absolut nichts verloren. Für 5-10 SFr. isst man sich in einem
Rodizio, einer Bahnhofshalle von Restaurant, durch alle Teile sämtlichen Viehs. Bis zu drei Grillchefs gleichzeitig belagern einem zeitweise mit neuen Grilladen an der Tafel. Wer auf Fleisch steht - hier gehst du nicht mehr weg! Aber wir hatten doch etwas genug davon, denn in diesem Landesteil besteht sogar der Hamburger aus einem Filet!!!
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Das Oktoberfest in Blumenau
zieht alljährlich eine Million Besucher - und Musikkapellen aus Bayern
- an.

Nein, das ist KEIN Nationalpark, sondern das Zentrum des Weihnachtsmanns (kein Schreibfehler!). 500'000 Glühbirnen beleuchten den Parkwald und die Museen des brasilianischen
Samichlaus, welcher leibhaftig seinen Wuschelbart im roten Morgenmantel bei über 30 Grad im Schatten zur Schau stellt. S'tunkt
eim, s'set nid megli sii!!
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Zurück ging's dann per Flugzeug nach Sao Paulo zu Patys Eltern, wo wir uns etwas von den Strapazen der Reise erholten - vor dem Fernseher, denn das ist ein anderes Stichwort: Fussball ist Gott, aber das Fernsehen ist wohl die Göttin. Kabel- und Satellitenanschluss hat auch das ärmste Bretterbudchen im Hinterland. Im Bereich Kommunikation (auch Internet und
Mobiltelephone) befinden wir uns hier in einem Land, das mit Finnland gut konkurrieren könnte. Auch wenn es nicht für ein anständiges Dach über dem Kopf reicht - ein Satellitenanschluss für den TV muss her. Globo ist die weltdrittgrösste Fernsehanstalt und produziert v.a.
Telenovelas, Soap Operas, welche zu den besten weltweit zählen. Kein Wunder also, dass diese ende der 80er und
Anfang der 90er auch hier die deutschen, französichen und skandinavischen Privatsender beherrschten, bevor diese begannen, selber Billigimitationen a la Gute Zeiten Schlechte Zeiten zu produzieren. Keiner lässt auch nur eine Episode der täglich ausgestrahlten und im Schnitt 3-6 Monate andauernden Serien aus, ob es ein Student, eine Geschäftsfrau oder der Grossvater ist, denn dies wird das Thema des Morgens sein. In Patys Haus war es nicht so extrem, aber man
spürte die Richtung... ich erinnere mich da dunkel an die Dallas-Zeiten vor 20 Jahren. Weitere "Highlights": Millionair Show und alle Arten von Big Brother, sowie Sensationsberichterstattung im Sinne von Explosiv. Filme werden selten gezeigt, denn Videotheken gibt es so viele wie Apotheken als Selbstbedienungsläden oder Motels entlang der Highways - denn in einem Land, in dem man noch in Familien zusammenlebt, bis geheiratet wird, ist man auf gewisse Privatsphäre angewiesen, so sind diese Institutionen nicht als Hotels zu bezeichnen, sondern werden stundenweise von Pärchen gemietet - Sauna, Swimming- und Whirlpool inbegriffen.
Es gäbe da noch tausende von Dingen zu erzählen und zu analysieren, dafür reicht aber des Lesers wie Schreibers Zeit nicht. Bei allfälligen Fragen bitte an die Autorenschaft wenden:
Oder besser: fährt selbst mal hin, ein grossartiges Land mit den freundlichsten und ehrlichsten Menschen und einer grossen Zukunft - ihr werdet es nicht bereuen und wie Stefan Zweig oder andere Autoren nur noch widerwillig ins kalte Europa zurückkehren, denn, wie sagt man dortzulande:
"God is Brazilian"
Teil 3 - Englisch
Inhaltsverzeichnis |

Auf dem Copan Gebäude
(erbaut von Stararchitekt und Stadtplaner Oscar Niemeyer): im
Hintergrund links eines der höchsten Gebäude der Stadt: das Edificio
Italia. Für Touristen besonders attraktiv: die Aussicht vom
Dachrestaurant. Dafür muss man jedoch ziemlich tief in die Tasche
greifen. Tipp: machts wie wir - fragt die Hausverwaltung im Erdgeschoss
des Copan und jemand wird euch gratis durch und aufs Gebäude führen -
eindrucksvoller und mit derselben Aussicht:
BLICK
VOM COPAN
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